Monte Carlo (dpa) - Im Kurzurlaub in Nordamerika kann sich Michael Schumacher Gedanken über seine Zukunft als Rennfahrer machen. «Ich will nicht spekulieren, aber Michael hat immer gesagt, 'ich fahre, solange ich Freude am Rennfahren habe'. Die Freunde scheint ihn nicht verlassen zu haben», sagte sein Manager Willi Weber nach dem Formel-1-Klassiker in Monte Carlo.
Der Schumacher-Entdecker stellte klipp und klar fest: «Ich würde mich freuen, wenn Michael weiterfährt. Aber ich werde nichts tun, um ihn zu beeinflussen. Das ist allein seine Entscheidung.» Klarheit, ob der Ende der Saison 2004 auslaufende Vertrag des fünfmaligen Weltmeisters mit dem Ferrari-Team verlängert wird oder nicht, solle bis zum 14. September in Monza geschaffen werden. Der 34 Jahre alte Schumacher werde den Rennstall vor der sportlichen Rente nicht mehr wechseln, bekräftigte Weber erneut. Auch an Unstimmigkeiten über das sowieso fürstlichen Honorar, wie mehrfach spekuliert, liege es nicht. Es gehe, so Weber «nur darum, ob Michael sich sagt, 'höre ich auf oder fahre ich weiter'».
Etwas anders liege der Fall bei Ralf Schumacher, der ebenfalls bis zum Jahr 2004 an BMW-Williams gebunden ist. Zwar solle der jüngere der Schumacher-Brüder auch weiterhin für den bayerisch-britischen Rennstall fahren, aber «ich muss auch mit anderen Teams sprechen. Sonst habe ich plötzlich kein Auto für ihn.» Man wisse ja schließlich nie, was komme.
In Monte Carlo konnte Ralf Schumacher, der in dieser Woche in Silverstone Testfahrten absolviert, keine Werbung in eigener Sache machen. Zum zweiten Mal in seiner Karriere von der Pole gestartet, schaffte er als Vierter den Sprung aufs Treppchen nicht und war mehr als enttäuscht. Anders sein Teamkollegen Juan Pablo Montoya. Der Kolumbianer feierte mit seinem zweiten Karriere-Sieg vor dem finnischen WM-Spitzenreiter Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes und vor Michael Schumacher den ersten Triumph bei dem Klassiker im Fürstentum.
Von der «Gazzetta dello Sport» wird der 27-Jährige bereits als Schumacher-Nachfolger bei der «Scuderia» gehandelt. «Es gibt im Moment keine Gespräche. Ganz ehrlich», sagte der Kolumbianer nach seinem Überraschungscoup zu den Spekulationen. Sein Teamchef Frank Willams, der sich über den ersten Saisonsieg und den ersten Williams-Erfolg in Monaco seit 20 Jahren freute, frohlockte: «Er ist Kandidat auf den WM-Titel.» BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen hofft, dass das Ende der sportlichen Durststrecke erreicht ist: «Das war ein deutlicher Schritt nach vorne.»
Noch liegt Silberpfeil-Pilot Kimi Räikkönen (48) vor dem 8. der 16 Saisonrennen am 15. Juni in Kanada mit vier Punkten Vorsprung vor Michael Schumacher (44), Renault-Pilot Fernando Alonso (Spanien/29) sowie den punktgleichen Montoya, Ralf Schumacher und seinem Teamkollegen David Coulthard (je 25) an der Spitze der WM-Wertung. «Das hätte ich nicht erwartet», gestand Mercedes-Sportchef Norbert Haug kurz vor der Saison-Halbzeit.
In Montreal, der Grand Prix ist trotz der SARS-Problematik in Toronto nicht gefährdet, werde das neue McLaren-Mercedes-Modell Silberpfeil zwar noch nicht eingesetzt, doch zwei Wochen später am Nürburgring könnte es soweit sein. «Mit dem neuen Auto kommt die große Zeit, und wir können um Siege kämpfen», frohlockt Räikkönen. Ehe sich Michael Schumacher in den Urlaub verabschiedete, sprach der fünfmalige Monaco-Sieger von «Schadensbegrenzung» durch den dritten Platz. «In Bezug auf die WM hätte es schlimmer kommen können.» Doch trotz des Rückschlages wird Michael Schumacher für Willi Weber zum sechsten Mal Weltmeister: «Das steht für mich außer Frage.»