Oumuamua, kleiner Wanderer

Von der Genetik bis zur Quantenphysik, von der Atomkraft bis zur Künstlichen Intelligenz. Das weite Feld der modernen Naturwissenschaften und ihrer faszinierenden Entdeckungen und Anwendungen.
Traitor
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Mi 6. Dez 2017, 21:57 - Beitrag #1

Oumuamua, kleiner Wanderer

Im endlosen Strom der "oh, schon wieder ein neues Objekt, das vielleicht bald die Erde treffen könnte, oh, wohl doch nicht"-Meldungen, die die unermüdlichen Jäger bisher unentdeckter kleiner Stein-, Eis- und Metallklumpen mit ihren (teil- bis vollautomatisierten) Teleskopen sonst so produzieren, gab es vor kurzem endlich mal einen wirklich faszinierenden Fund: die auch ansonsten sehr produktive Pan-STARRS-Truppe entdeckte "1I/2017 U1" aka "Oumuamua", und die Bahnmechaniker (nein, nicht die, die ICEs reparieren) sind sich weitgehend einig, dass das Ding zu schnell ist, um eine Billiardkugel (Billiardzigarre...?) aus unserem Sonnensystem selbst zu sein, sondern das Objekt muss wohl aus der ferneren Nachbarschaft zu Besuch sein.

Hier eine NASA-FAQ.

Einen schönen xkcd dazu gab es auch.
Bild
Every time we detect an asteroid from outside the Solar System, we should immediately launch a mission to fling one of our asteroids back in the direction it came from.


Das Seitenverhältnis ist dabei wohl eher umstritten, die 10:1, auf denen die meistverbreiteten "artist's impressions" beruhen, wohl hart an der Grenze oder gar jenseits dessen, was die Daten hergeben.

Ipsissimus
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So 17. Dez 2017, 15:56 - Beitrag #2

wobei ich mir nicht völlig sicher bin, ob der Cartoon nicht auch einer real praktizierten wissenschaftlichen Arbeitsweise entspricht^^ bei 5σ-"Beweisen" verkrampfen sich meine Finger und Zehen und das wird wohl so bleiben bis ans Ende meines Lebens^^

zur Sache, du hattest neulich - ja gut, ein sehr belastbares "neulich"^^ - über Wanderplaneten geschrieben, die ohne Sonne durchs All ziehen. In dem von dir verlinkten Bericht war die Rede davon, dass dieses Objekte extrem häufig sein sollen. Wenn das der Fall ist, scheint es mir nicht so verwunderlich, dass allerlein Gestein extrasolarer Herkunft ins System gelangt. Darunter werden auch alle möglichen extravaganten Formen, Größen und Zusammensetzungen sein, das ist nur eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Zumal ich auch davon überzeugt bin, dass wir noch längst nicht abschließend verstanden haben, wie Planeten entstehen und ob sie wirklich nur Sternenstaub, also Überreste der Urscheibe einer Sonne sind^^

Traitor
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So 17. Dez 2017, 16:56 - Beitrag #3

wobei ich mir nicht völlig sicher bin, ob der Cartoon nicht auch einer real praktizierten wissenschaftlichen Arbeitsweise entspricht^^
Tja, das ist dann der Unterschied zwischen skeptischem Amateur und desillusioniertem Profi. Du bist dir nicht völlig sicher, ob das nicht reale Praxis ist. Ich bin mir völlig sicher, dass das Praxis ist. :D

Wilde Wanderer hieß der Vorgängerthread, auf den mein Betreff hier auch explizit anspielen sollte. Die Hauptfrage da war, ob Wandererplaneten nur durch dynamisches Herauskegeln aus regulären Planetensystemen entstehen, oder sich auch alleine bilden könnten. Überzeugende oder auch nur enstgemeinte Vorschläge für Einzelbildung sind mir bisher nicht untergekommen, ganz stringent prinzipiell auszuschließen wäre das meines Wissens nach aber auch weiterhin nicht. Für einen kleinen Splitter wie Oumuamua dagegen ist es wirklich nach allen erdenklichen Maßstäben auszuschließen, er muss wohl ein Produkt eines Heimatsystems sein; aber ob jetzt ein herausgekegelter Bestandteil einer Asteroiden-, Kometen- oder sonstigen Kleinteilfamilie oder ein direktes Produkt einer größeren Kollision, dazu gibt es zig Ideen, deren Grundlage in etwa so solide wie die der von xkcd sind. ;)

Ipsissimus
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So 17. Dez 2017, 18:56 - Beitrag #4

Praxis ist einfach durch nichts zu ersetzen^^

Oumuamua könnte auch Produkt eines zerfallenden wilden Wanderers sein, oder der Kollision zweier solcher Wanderer entspringen. Solche Wanderer müssen m.E. immense tektonische Spannungen ansammeln, da es praktisch keinerlei Trigger gibt, die diese Spannungen auf geringen Leveln zur Reaktion bringen, so dass diese Körper in einen überkritischen Zustand geraten. Und dann genügt irgendwann ein kleiner Impakt, und es war einmal ein Wanderer.


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