Hergestellt Dank Padreic.
Mechwyn
Eigene Texte?
Frage an den Moderator:
Ist es hier erwünscht auch eigene Textproben zur Begutachtung zu posten?....
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Padreic
Ja, natürlich. Gehörst du auch zu den Leuten, die solche schreiben? Ich wäre da nämlich schon gespannt.
Padreic
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Mechwyn
Also gut:...hier eine Probe aus meinem Roman....
Erster Teil
Aus dem 3. Kapitel:
Die Sonne stand schon bedenklich tief im Westen und noch immer säumte ein dichter, urtümlicher Wald beide Seiten des Flusses. Das ganze Land schien leergefegt von jedem Anzeichen menschlicher Anwesenheit. Ganz so als hätte es nie eine Rasse gegeben, die die Erde mit ihren Nachkommen überwuchert hatte. Krankhaft permanent bis in den letzten Winkel dieses Planeten hatte man die Gegenwart der Menschheit gespürt. Und nun? Nichts außer Bäume, Sträucher, Gräser und Felsen, die unangetastet alles beherrschten. Seit dem sie diese Grenze überschritten hatten, war die Veränderung wie ein Schatten über sie gefallen und selbst der gezähmte, alte Fluß verwandelte sich in etwas Wildes, Fremdes.
Maulwurf riß das Ruder herum. Einen Moment später hörte man das unsanfte Knirschen von Holzplanken, die über Sand scheuerten, dann ein heftiger Ruck, der sie beinahe von den Sitzen schleuderte. Sie hingen fest. Ogren stöhnte und hielt sich den Arm. Offensichtlich war er irgendwo dagegen gestoßen.
"Tut mir leid!" Maulwurf griff nach dem Paddel vor ihm. Keiner antwortete ihm, aber das hatten sie die beiden anderen Male zuvor auch schon nicht mehr getan. Mißmutig und stumm ertrugen sie sein Ungeschick. Beinahe wäre er wütend geworden, aber sie waren alle müde und verwirrt, da wurde so manche Unfreundlichkeit verständlich. Er seufzte. Immer häufiger schienen die Sandbänke und Untiefen scheinbar aus dem Nichts vor dem Bug aufzutauchen. Es wurde immer schwerer nicht auf Grund zu laufen. Hoffentlich stieß er nicht irgendwann auf etwas Härteres. Unter der Wasseroberfläche verborgene Felsen oder Baumstämme. Ein Leck konnten sie hier draußen wirklich nicht gebrauchen. Gurgelnd verschluckte der Sand einen großen Teil des Paddels. Maulwurf ächzte angestrengt. Noch ein wenig und sie waren wieder frei. Ein dumpfes Schmatzen und die Untiefe entließ sie ins offene Wasser. "Regenbogen?"
Sie drehte sich langsam zu ihm um und strich sich eine dunkle, feuchte Haarsträhne aus der Stirn. Es war beinahe unerträglich heiß geworden. "Was ist?"
"Bitte! Gib mir Bescheid, wenn du etwas im Wasser siehst. Ich möchte kein Loch im Boot."
Ihre Augen wurden schmal und sie fixierte Maulwurf mit einem finsteren Blick. "Jetzt ist es vielleicht schon meine Schuld oder wie?"
"Nein!" Er atmete mühsam durch. "Natürlich nicht. Hilf mir einfach! OK?"
Sie zögerte eine Weile, scheinbar überlegend wie er das gemeint hatte, dann nickte sie und drehte sich wieder zur Fahrtrichtung um.
Die Bergrücken im Westen und Osten schlichen bedächtig langsam an ihnen vorbei und wurden, obwohl sie um einiges niederer schienen als vor der Grenze, zusehends schroffer und steiler. Klippen wie große Quader oder riesenhafte Zylinder türmten sich einzeln nahe an den Ufern oder angelehnt an den sanfteren Berghängen wie Auswüchse, die beinahe unpassend an Ort und Stelle wirkten. Zerfurcht, hellbraun, kupferfärbig bis hin zu einem sanften Weiß strahlten die Felswände im Licht des späten Tages. Selbst das Grün der Bäume auf ihren fast waagrechten Oberkanten glänzte mit einem warmen Farbton gegen den beinahe dunkelblauen Himmel. Vögelschwärme kreisten im warmen Aufwind der Felswände. Wie Mückenschwärme schienen sie aus dieser Entfernung.
Ein Schmerz an seiner rechten Wange. Wütend schlug er mit der flachen Hand so heftig darauf, daß es laut klatschte. Mücken! Obwohl es, seit dem der Wind vor etwa einer halben Stunde stetig zugenommen hatte, besser geworden war, schienen diese kleinen Plagegeister allgegenwärtig wie ein nicht mehr abzuwehrender Fluch. Mit ihren andauernden Attacken strapazierten sie die bereits ohnehin bis aufs Äußerste angespannten Nerven noch um ein Vielfaches.
Der nächste Bogen, den der Fluß beschrieb, brachte sie aus dem bläulich wirkenden Schatten, der seitlich neben ihnen aufragenden Felswand. Das grelle Licht der Sonne vertrieb die meisten Insekten. Erleichterung verspürend sank Maulwurf etwas in sich zusammen. Kurz blickte er auf seinen von kleinen roten geschwollenen Punkten übersäten Unterarm. Orangebraun wirkte er eine Weile, dann zog ein unerwarteter Schatten darüber und tauchte alles in ein fahles Graublau. Maulwurf hob den Kopf und blickte in den Himmel. Wie eine dunkle Decke schoben sich die ersten Ausläufer einer dichten Wolkenbank über den Himmel. Rasch von Nordwesten kommend. Schmale dunstige Finger krallte sich in das Tiefblau darüber.
"Wir bekommen Regen." Niemand erwiderte etwas. Die einzige Antwort war ein noch fernes Donnergrollen , das bedrohlich über die Bergrücken westlich von ihnen kroch.
Es dauerte nicht lange und die ersten Tropfen klatschten, schräg einfallend durch den immer stärker werdenden Wind, auf die Planken des Bootes. Dunkle, beinahe violett wirkende Wolken drängten sich nun am Himmel über ihnen und nichts war von dem freundlichen Blau des Tages geblieben.
"Wir sollten ans Ufer fahren." Maulwurf deutete nach Osten zu einer Klippe, die aus einem Berghang wie ein mächtiger Zylinder geformt, etwas in den Fluß ragte. An ihrem Fuß klaffte ein horizontaler Spalt, der wohl durch zahlreiche Hochwasser aus dem Gestein gespült wurden war. Jetzt lag der Wasserspiegel jedoch so tief, das die Öffnung auch einen Boden bildete. Dort sollten sie von dem Unwetter etwas geschützt sein. "Sieht gut aus, oder?"
"Ja. Fahr dort hin." Regenbogen richtete sich etwas auf. Wie eine dunkle Fahne flackerte ihr Haar im Sturm und sie schien die Abkühlung zu genießen. Ogren kauerte sich dagegen noch mehr in sich zusammen und hielt sich noch immer den Arm. Scheinbar nahm er von den Dingen die um ihn herum passierten immer weniger war. Die letzte Kollision hatte seinem Arm nicht gut getan. Maulwurf drehte das Steuer herum und lenkte das Boot auf die Klippe zu.
Nervös züngelnd leckten die kleinen Flammen über das dunkelbraun, grün und grau gefleckte Holz und färbten es bei der ersten Berührung schwarz. Rauch stieg hellgrau von Feuchtigkeit gesättigt in die Höhe, ballte sich Polstergleich zusammen als es gegen die Felsendecke stieß, bis er schließlich dem kalten Hindernis entlang glitt und seitlich an der höchsten Stelle der Spalte über einen Rand nach außen ins Freie entkam.
Es war mühsam gewesen das kleine Lagerfeuer in Gang zu bringen, aber schließlich hatten sie es mit viel Geduld doch geschafft, das feuchte Schwemmholz eines vom Wasser angespülten Baumes anzuzünden. So wie das Holz verwittert war, mochte er schon seit Jahren dort zwischen den herabgefallenen Felsbrocken halb im Wasser verkeilt gelegen haben.
Regenbogen saß etwas weiter rechts von Maulwurf und hatte sich eine Decke um die Schultern gelegt. Neben ihr lag zusammengekrümmt und in einen der Schlafsäcke gewickelt Ogren. Schweiß stand wie ein dichter Film auf seiner Stirn, dennoch zitterte er heftig in der kühlen Luft.
Regen prasselte unaufhörlich auf den aufgewühlten Fluß, der undeutlich hinter dem Vorhang aus über die Außenkante des Spaltes herab rinnendem Wasser, zu sehen war. Wie in einem riesigen, geöffneten Maul lagerten die drei Freunde um das winzige Feuer.
Nach einer Weile stand Maulwurf auf und ging zu dem Boot, das sie zu zweit mühevoll unter den Vorsprung gezerrt hatten. Er kramte einige Zeit in ihren Rucksäcken, dann kehrte er mit einem kleinen Topf und einigen Konservendosen an seinen Platz zurück. Sie hatten seit dem Frühstück nichts mehr gegessen und nun war es bereits beinahe Abend. Für heute war ihre Reise zu Ende und bis morgen sollten sie sich etwas erholt haben. Ogren ging es immer schlechter und da sie bereits den dritten Kanister Treibstoff fast aufgebraucht hatten, stand für morgen eine Entscheidung an. Jetzt wurde es allerdings Zeit für ein wenig Ruhe.
"Wie geht es ihm?" Maulwurf sah Regenbogen an und hob dabei fragend die Augenbrauen.
"Das siehst du doch selbst. Er hat Fieber. Sicher... und..." Sie atmete müde einmal tief durch, dann drehte sie sich wieder von Maulwurf weg und blickte schweigend in den Regen. Sie hatte offensichtlich genug von seiner scheinheiligen Anteilnahme und außerdem war sie erschöpft und wenn sie sich nicht krampfhaft beherrschen würde... Hysterie leckte an ihrer Außenhülle und fraß sich immer weiter in ihr Innerstes vor. Je länger dieser Zustand des Ungewissen noch andauerte, desto stärker wurde der Angriff. Wenn es wenigstens klar wäre, das sie drei alleine waren, dann könnte sie vielleicht damit leben. Jetzt aber erwartete sie hinter jeder Flußbiegung sehnlichst ein Ende dieser Irrfahrt. Es kam nur nicht und bald mußten sie aufgeben alleine um Ogrens Willen. Wenn sie ihm nicht die Gelegenheit geben würden, sich wieder zu erholen...
"Morgen fahren wir noch den Tank leer... Wenn wir dann noch nichts anderes gefunden haben, lassen wir uns zurücktreiben. Ich denke nicht das wir es zu Fuß lange durch diese Wildnis schaffen würden. Ogren gehört in ein Bett und versorgt. Irgendwie zumindest. Bis es ihm wieder..."
"Ist schon klar Maulwurf. Wir drehen morgen um." Auf eine seltsame Weise bitter klangen ihre Worte und wurden gleich darauf von dem Prasseln des Regens verschluckt. Sie hatte ihn gar nicht erst angesehen. Unentwegt wanderte ihr Blick durch die allmählich bläulich, dunkel werdende Umgebung. Hinter den Wolken brach die Nacht herein.
"Regenbogen?" Ein heller Blitz krümmte sich plötzlich über den kleinen, länglichen von Maulwurfs Sitzplatz einsehbaren Fleck Himmel, dann gleich danach erbrach sich der Donner brüllend über das Tal, hallte mehrmals wider und verklang.
Sie drehte sich zu ihm und blickte ihn mit einem merkwürdigen Ausdruck in den Augen an, sagte jedoch nichts.
"...irgendwie wird sich etwas ergeben. Wenn Ogren wieder gesund ist, werden wir es in einer anderen Richtung probieren. Wer weiß, was sich alles bis dahin tut. Vielleicht werden wir auch ganz einfach gefunden." Maulwurf versuchte zu lächeln, es gelang nicht wirklich und er blickte verlegen zu Boden. Leere Worte, Floskeln halfen niemanden.
Sie nickte undeutlich, dann sah sie wieder nach draußen. Maulwurf griff nach den beiseite gelegten Dosen und begann wieder damit etwas zu Essen zu machen. Sich mit praktischen Dinge auseinanderzusetzen war einfacher als dieser Beziehungswirrwarr.
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Padreic
@Mechwyn
Du gebrauchst m. E. die Sprache sehr gut, aber es wirkt fast etwas langatmig. Das könnte aber auch daran liegen, dass man die Hintergründe nicht kennt. Die Vorgeschichte würde mich schon interessieren. Und hast du den Roman schon veröffentlicht?
Padreic
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Mechwyn
@Padreic...
Langatmig?...Ja, ist wahrscheinlich ist meine Geschichte Stellenweise etwas zu ausführlich in den Beschreibungen, aber ich mag es Landschaften, Stimmungen sehr detailiert darzustellen...der Ausschnitt ist auch eine Vorbereitung zu einer spannenden Stelle...vieleicht werde ich das noch dazuhängen um ein besseres Bild davon zu vermitteln...
Der Ausschnitt ist ja auch nur ein kleiner Teil eines von fünfzehn Kapiteln des ersten Teils...den 2.Teil hab ich auch schon angefangen. Ist wirklich eine etwas umfangreichere Geschichte geworden...meine braven Testleser müssen sich durch bereits etwa 400 Seiten durchkämpfen...
...Tja, die Vorgeschichte...ich bin mir nie sicher wieviel ich von meiner Idee erzählen soll...immerhin arbeite ich seit mehreren Jahren daran und ich würde krank werden vor Zorn, wenn ich meine Zeilen irgendwo unter einem anderen Namen wiederfinden sollte..
Soviel will ich verraten:
Ein junger Mann erwacht in einer Stadt und findet sie verlassen vor. Seine Erinnerungen sind dürftig und nur seine Ahnungen verleiten ihn in einen bestimmten Weg einzuschlagen um mehr von seinen Erinnerungen wachzurufen.
Die verlassen Stadt erscheint obendrein so aus als hätten ihre Bewohner sie sehr plötzlich verlassen. Alles sieht so aus als wäre es gerade eben noch benutzt worden.....
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FlowerCat
Mechwyn
Nach den ersten 3 Sätzen sollte der Leser gefesselt sein und das war ich
Die Art, wie Du die Umgebung, Stimmung schilderst ist wirklich sehr gut! So gut, das mir gleich die Bilder vor Augen schwebten...
Ich schreibe keinen Roman, nur kleine Geschichten über die "Katzengang". Da ich nun lese, das DU schon einige Jahre daran arbeitest und 400 Seiten geschafft hast, motiviert mich das, auch mal wieder weiter zu machen. (Lag bei mir einige Zeit brach...aus diversen Gründen).
Ich kann auch ein wenig nachvollziehen, wieviel Arbeit das macht und selbstverständlich ist das geistiges Eigentum!
Wäre schön, wenn ich ab und zu noch was davon zu lesen bekäme und sage mir bescheid, wenn du es veröffentlichen wirst!
Gruß
Elfhelm