Erstling

Die Faszination des geschriebenen Wortes - Romane, Stories, Gedichte und Dramatisches. Auch mit Platz für Selbstverfasstes.
vogel
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Do 17. Jun 2004, 23:16 - Beitrag #1

Erstling - eine Romanvorstellung

Hallöchen!

Hier ist mal das Storyboard von meiner Geschichte und die ersten beiden Kapitel.
Über Feedback würde ich mich sehr freuen.
-> Wenn jemand das ganze Buch lesen möchte, verschicke ich es gern als PDF-Dokument - voll für umsonz versteht sich.
Einfach mail an: christine_klotz@web.de.

Das Storyboard in Kurzform:
Der Maler ist ein genialischer, von Geburt an entstellter Künstler mit vielen Namen, der glaubt, ein Traum habe ihm offenbart, dass es ihm bestimmt ist, das perfekte Kunstwerk zu erschaffen. Dies kann er allerdings nur, wenn er eine ganz bestimmte Frau findet, die laut dem Traum das Prinzip der Schönheit kennt.
Nach dreißig aufreibenden Jahren der Suche glaubt er endlich, die Frau in seinem 'Vorgarten' gefunden zu haben, wo sie nichtsahnend und allein Wildcamping-Urlaub macht. Er entführt sie, um mit ihr arbeiten zu können.
Joanna ist 21 und eine recht begabte Cellistin. Verständlicherweise ist sie nicht sonderlich begeistert von ihrer Entführung, fügt sich aber doch so halbwegs in die Situation, auch wenn sie die Maske und die Forderungen ihres Entführers sehr beunruhigen. Sie wird getragen von der Hoffnung, dass ihr Freund Nikolas, der sie aus ihrem Urlaub wieder abholen soll, sie in wenigen Tagen retten wird.
Der Maler geht anfangs sehr diszipliniert an die Angelegenheit heran, philosophiert fleißig über die Schönheit, die er nicht besitzt, und bemüht sich nach Kräften, Joannas Aufenthalt bei sich so erträglich wie möglich zu gestalten - aber mit der Zeit verliebt er sich doch rettungslos in seine Muse.
Das stürzt ihn in einen quälenden inneren Konflikt, denn er ist überzeugt, dass ihn das Schicksal bestrafen wird, wenn er sich von seiner Aufgabe ablenken lässt. Außerdem wurde ihm vom ersten Tag seines Lebens an eingebläut, dass niemand etwas so Hässliches und Böses wie ihn jemals lieben könnte, dass seine Gefühle, sein Wünsche, seine ganze Person, schlecht, wertlos und abstoßend sind.
Das vom Maler nicht erwartete Auftauchen von Joannas Freund treibt seine Psyche vorübergehend völlig in Chaos und Dunkelheit, doch letzten Endes kann er einfach nicht von seinen Gefühlen für Joanna lassen. So muss schließlich er, ein Meister der Kontrolle, alle Gewalt über sein Leben an Joanna abgeben, denn nur sie kann entscheiden, ob seine Liebe Erfüllung finden, oder für immer enden soll.
- Die Geschichte lehnt sich zwar von den Grundzügen her an Gaston Leroux' Geschichte vom 'Phantom der Oper' an, ist aber in der weiteren Ausführung wesentlich zu eigenständig, um in irgend einer Form als FanFiction oder Remake gestempelt zu werden-

Kleiner Hinweis: alle Worte aus des Malers Mund und Hirn, das vom Stamm her was mit 'Hässlichkeit' zu tun hat (also auch Hass, hassen usw.) müsst ihr euch kursiv denken, da sie aus nachvollziehbaren Gründen eine besondere Bedeutung für ihn haben.

vogel
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Do 17. Jun 2004, 23:17 - Beitrag #2

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Joanna geht vom Gas und stellt das Radio leiser. Aufmerksam schaut sie auf den Waldrand. Hier irgendwo muss die halb zugewachsene Einfahrt sein, von der ihr Jodie erzählt hat. Da! Sie tritt auf die Bremse; die Reifen quietschen leise auf dem feuchten Asphalt. Während sie den Wagen rückwärts in die Einfahrt setzt, singt sie das Lied im Radio mit: "Come my lady, come, come my lady, you're my butterfly sugar baby. Come my lady, you're my pretty baby, I'll make your legs shake, you make me go crazy..."
Die steil ansteigende Einfahrt muss einmal sehr breit und gepflegt gewesen sein, aber Jahre der Vernachlässigung haben ihre Spuren hinterlassen. Die Bäume haben sich über ihr zu einem schattigem Tunnel verbunden; an vielen Stellen ist der Asphalt von Wurzeln und den Frösten vieler Winter aufgebrochen und aus den so entstandenen tiefen Rissen wachsen zahllose Unkräuter.
Nach ungefähr fünfzig Metern versperrt ein hohes, mit einer Kette verschlossenes Eisentor den Weg. Joanna hält den Wagen an, steigt aus und geht zum Tor hinüber, um das Vorhängeschloss an der Kette einen Moment lang nachdenklich zu betrachten. Dann kramt sie kurz entschlossen ein Abschleppseil unter dem Beifahrersitz hervor, schlingt es durch das Schloss und zieht mit einem kräftigen Ruck daran; der Schließmechanismus gibt ein trockenes Klicken von sich, und mit einem kleinen, triumphierenden Lächeln hakt Joanna das Schloss aus der Kette. Als sie das Tor schließlich aufschiebt, stellt sie nur mäßig erstaunt fest, dass die Scharniere kaum Rost angesetzt haben und statt des erwarteten Protestgeschreis nur ein leises, unwilliges Quietschen von sich geben.
Pfeifend geht sie zum Auto zurück, lässt sich auf den Beifahrersitz fallen, packt das Abschleppseil wieder unter den Sitz und zieht den Zündschlüssel. Einen Moment lang bleibt sie sitzen, um mit geschlossenen Augen die vom Regen reingewaschene Luft zu atmen. Dann lässt sie den Blick schweifen.
Die Wolkendecke ist mittlerweile an vielen Stellen aufgebrochen und die Sonne scheint warm auf den regennassen Wald. Der Boden beginnt zu dampfen und verströmt einen herben Duft. Im Schatten bilden sich kleine, tief hängende Nebelschwaden, die den Wald wie einen verwunschenen Ort erscheinen lassen. Da wachsen Butterblumen, Brennesseln, Farn, Schafgarbe, namenlose Unkräuter und massenhaft Efeu, das sich zusammen mit Knöterich und - wie hieß das noch? - Geißblatt? auch zwischen den unzähligen Buchen, Eichen, Birken, Erlen, Holunderbüschen und Haselnussträuchern spannt, die weit über das Unterholz hinaus in den Himmel ragen.
Joanna seufzt ausgesprochen zufrieden mit sich und der Welt. Dann macht sie sich in Entdeckerlaune auf den Weg, um auf dem Grundstück nach einem geeigneten Platz für ihr Zelt zu suchen.
Als sie die gewundene Kieseinfahrt entlang geht, die vom Wald scheinbar nur sehr zögerlich zurückerobert wird, hört sie nichts, außer ihren knirschenden Schritten im Kies, den dicken Tropfen, die von den Bäumen fallen, und dem Gesang einiger Vögel. Kein Stadtlärm, keine Menschen, nur die Stimmen der Natur um sie herum.
Nach vielleicht achtzig Metern entdeckt sie eine Lücke in dem sonst dichten Waldrand. Neugierig stapft sie durch das hohe Gras und folgt einem schmalen verwilderten Pfad bis zu einer mittelgroßen Lichtung. Dort fällt das Sonnenlicht in breiten Strahlen durch den leichten Dunst auf den Boden und lässt die Regentröpfchen an den Grashalmen wie winzige Diamanten glitzern. Gänseblümchen, Butterblumen und Wiesenschaumkraut recken sich dem Himmel entgegen. Die ganze Atmosphäre hat etwas Magisches an sich, das Joanna gefangen nimmt. Ihr ist, als hinge ein unablässiges leises Klingen, ein Wispern und Flüstern über ihrem Kopf in den Bäumen, als befinde sie sich mitten in einer Zauberwelt, die von Zwergen, Elfen und Einhörnern bewohnt wird. Wenn ihr jetzt so ein winziges geflügeltes Menschenwesen entgegen käme, würde sie sich wahrscheinlich nicht im Geringsten wundern. Doch nur ein großer, knallbunter Schmetterling flattert taumelnd an ihr vorbei.
Joanna geht ein paar Schritte auf die Lichtung hinaus, wirft den Kopf in den Nacken und dreht sich übermütig mit weit ausgestreckten Armen um sich selbst. Dann beschließt sie, sich auf dieser Zauberlichtung niederzulassen und macht sich ein wenig schwindelig auf den Rückweg zu ihrem Auto, um ihr Zelt und ihre Taschen zu holen.

Er hat sich ganz in seine Musik vertieft, doch das hektische Klingeln der Alarmglocke holt ihn abrupt in die Wirklichkeit zurück. Er hält sich die Ohren zu und eilt zum Schaltkasten im Keller, um das quälende Geräusch abzustellen. Als endlich wieder Stille eingekehrt ist, lehnt er sich aufatmend an die Kellerwand. Doch nur für einen kurzen Moment, denn schon verfällt er in widerwillige Aktivität.
Der Alarm bedeutet, dass sich jemand am Haupteingang Zutritt zu seinem Grundstück verschafft hat. Jetzt muss er wohl oder übel hinaus gehen und den Eindringling verjagen, bevor dieser dem Haus zu nahe kommt.
Er öffnet die Flügeltür am Portal und horcht angestrengt auf das Grundstück hinaus - Stille. So leise wie möglich überquert er den Kiesplatz vor dem Eingang und geht dann auf dem Grasstreifen am Rande der Einfahrt entlang. Er hält inne. Waren da nicht Schritte zu hören? Nein, es ist nur van Gogh, der wie ein Irrer im feinen Kies buddelt. Er bedeutet ihm still zu sein und schleicht weiter. Dann plötzlich bleibt er wie versteinert stehen, denn eine menschliche Stimme dringt an sein Ohr. Er kann die Worte nicht verstehen, doch es ist definitiv die Stimme einer Frau. Er hält den Atem an.
Könnte es sein, dass...?
Mit einem Ruck löst er sich aus seiner Erstarrung und folgt der Stimme in den Wald. Er darf nicht riskieren, dass die Frau wieder verschwindet, bevor er sie gesehen hat. Als sie plötzlich verstummt, bleibt er leise fluchend stehen und versucht, sich zu orientieren. Die Stimme schien von der Feen-Lichtung zu kommen.
Während er in diese Richtung weiter schleicht, lauscht er konzentriert auf ein Geräusch, ein Räuspern, ein Niesen, irgend etwas, das diese Vermutung bestätigen könnte. Gut siebzig Meter muss er so zurückgelegen, ehe er endlich das angestrengte Atmen der Frau vernehmen kann. Es kommt tatsächlich von der Lichtung. Eine halbe Minute später ist er schon dort, versteckt sich hinter dem breiten Stamm einer steinalten Buche und späht auf die Lichtung hinaus.
Nein, seine Sinne haben ihn nicht getäuscht. Eine junge Frau sitzt im Gras und trinkt von ihm abgewendet Wasser aus einer Flasche. Er kann ihr Gesicht nicht sehen, doch ihr Haar hat die Farbe dunklen Honigs und fällt in dicken, wilden Locken über ihren Rücken; genau wie in seinem Traum.
Er beginnt, eine leise Melodie zu singen.
Schau hier herüber, zeig mir dein Gesicht!
Die Frau gehorcht und dreht leicht den Kopf in seine Richtung.
Ein ungeheurer Jubel steigt in ihm auf, als er in das Gesicht blickt, das er so oft gezeichnet hat, dass er seine Formen blind zu Papier bringen kann.
So lange hat er nach ihr gesucht! Dreißig Jahre sind seit seinem Traum vergangen, dreißig endlos lange Jahre, in denen er die ganze Welt durchkämmt hat, immer Ausschau haltend nach dieser einen Frau. Und jetzt, da er seine Hoffnung, sie jemals zu finden, schon fast aufgegeben hatte, verirrt sie sich in seinen Vorgarten.
Dem Schicksal hat es schon immer gefallen, Scherze mit ihm zu treiben.
Doch am Ende wird er triumphieren. Diese Frau trägt den Schlüssel zu seinem Werk in sich und er wird ihn finden.
Plötzlich muss er ein resigniertes Seufzen unterdrücken.
Hat er jemals nicht gesucht? Seine Kindheit war eine einzige Suche nach einem Menschen wie Serafine, dann suchte er dreißig Jahre lang nach dieser Frau, jetzt sucht er den Schlüssel. Dazwischen lagen diese unzähligen kleinen Suchen: Ein Versteck für den Tag, eine Frau und einen Ort, die zusammen passen, eine neue Taktik, um Bergerac zur Verzweiflung zu bringen, etwas gegen die Reue, eine Lösung für irgend ein eingebildetes philosophisches Problem, eine klare Identität, eine Farbe, die Öltempera wirklich ersetzen kann...
Der Inhalt seines Lebens ist das Suchen, war das Suchen und wird das Suchen sein, denn dem Schicksal wird immer etwas einfallen, das er finden muss.
Hastig drängt er diesen frustrierenden Gedanken beiseite. Die Suche nach dem Schlüssel, dem Prinzip der Schönheit, wird seine endgültig Letzte sein.
Wenn er das Kunstwerk geschaffen hat, wird er nie wieder etwas suchen.
Mit dieser beruhigenden Gewissheit vertieft er sich in die Betrachtung ihrer Anmut.
In dem unwirklichen grünen Licht sieht die Frau aus wie eine Nymphe. Ihr wirres Haar, ihre leicht schräg stehenden, leuchtend grünen Augen, ihr geschwungener, lächelnder Mund, ihre etwas abgerissen wirkenden Kleider, ein olivgrünes T-Shirt ohne Kragen und ein kunterbunter Batikrock, ihre zart gebräunte Haut; sie fügt sich so harmonisch in die Lichtung ein, dass er selbst sie dorthin gesetzt haben könnte.
Jetzt erhebt sich die Frau aus dem Gras und verlässt die Lichtung mit einem leeren Bollerwagen. Er nutzt ihre Abwesenheit, um einen Platz zu suchen, von dem aus er sie besser beobachten kann.
Nach einiger Zeit kehrt sie mit vollgepacktem Bollerwagen zurück. Erfreut stellt er fest, dass sich darin unter anderem auch ein buntbemalter Instrumentenkasten befindet. Mit hingebungsvollem Interesse schaut er zu, wie sie ihr Zelt einrichtet, einen Wasserkanister mit einem Seil an einem Baum am Rande der Lichtung aufhängt, einen Waschlappen aus dem Zelt holt und wieder zu dem Kanister hinüber geht. Sie summt irgend eine Melodie, während sie sich auszieht, ihr langes Haar mit einem Band zusammenbindet, den Verschluss des Kanisters ein Stück aufdreht und sich den Schweiß vom Körper wäscht. Dann hängt sie den Lappen zum Trocknen über einen Ast, geht zum Zelt hinüber und zieht sich frische Kleider an.
Er hat die ganze Zeit über kaum geblinzelt oder geatmet, hat jede Bewegung, jede Rundung, jede Krümmung ihres nackten Körpers gleichsam in sich aufgesogen. Die lange, sanft geschwungene Linie ihres Rückens, die beiden kleinen Grübchen im Kreuzbein über ihrem wohlgeformten, schmalen Gesäß, ihre langen, schlanken Beine, die sich in vollendeter Proportion, ungefähr sieben zu fünf, zur Länge ihres Oberkörpers verhalten, ihren leicht vorstehenden Bauch mit dem winzigen, ovalen Nabel, ihre relativ kleinen, doch sehr symmetrischen, tropfenförmigen Brüste, die Konturen ihrer Rippen, die sich sacht an ihren Seiten abzeichnen, wenn sie mit natürlicher Eleganz ihre Arme hebt, ihren schmalen, langen Hals, der sehr harmonisch in ihre etwas abwärts gerichteten, ebenfalls schmalen Schultern übergeht, ihren gleichmäßigen, sonnengebräunten Teint, alles. Sie ist einfach wunderschön.
Wie gerne würde er sie so zeichnen. Doch das kann er nicht, nicht einfach so. Er will sie erst in sein Haus holen. Sollte er jetzt einfach zu singen beginnen? Sie jetzt zu sich locken? Nein, er ist mit seiner Musik etwas aus der Übung, so dass es sicherer für sie ist, wenn er damit wartet, bis sich ihr Wille im Schlaf von allein ausschaltet.
Inzwischen hat die Frau den Instrumentenkasten geöffnet, ein sonnengelbes Cello herausgeholt und es fachkundig gestimmt. Wie in Meditation versunken sitzt sie nun auf ihrem dreibeinigen Hocker, den Kopf gegen den Hals des Instrumentes gelehnt, die Augen geschlossen; die Hand mit dem Bogen ruht auf ihrem Knie, die andere liegt liebkosend auf dem großen, geschwungenen Instrumentenkörper. Jetzt öffnet die Frau ihre Augen wieder und setzt den Bogen an. Sanft streicht sie über die Saiten ihres Cellos, schmeichelt ihm Ton um Ton ab; wie eine Liebende, die Kuss um Kuss von dem Geliebten fordert.
Sie spielt den 'Schwan' aus dem 'Karneval der Tiere' von Camille Saint-Saëns und es gefällt ihm ausgesprochen gut; was nicht zuletzt an der Art liegt, wie sie es spielt, denn in jedem Ton schwingt etwas von ihrem lebendig-hingebungsvollen Gemüt mit. Darüber hinaus ist es offensichtlich, dass sie seit vielen Jahren Cello spielt und zudem noch über ein nicht unerhebliches Talent verfügt. Sie wird ihm sicher viel Freude bereiten, wenn sie bei ihm lebt, um mit ihm zu arbeiten.
Wenn sie bei ihm lebt...
Er hat noch gar nichts vorbereitet! Wo soll sie schlafen? Welches Zimmer kann er ihr überlassen? Da ist nur noch der Raum hinter der Bibliothek, in den er die alte Einrichtung verbannt hat.
Wunderbar. Er seufzt und stützt das Kinn in seine Handfläche. Er wird sie im Lagerkeller unterbringen müssen, bis er das Zimmer in Stand gesetzt hat, mit einer Einrichtung aus hastig zusammengeschreinerten Möbeln. Ist überhaupt noch entsprechendes Holz da? Und eine Matratze?
Er seufzt noch einmal. So wie es aussieht, wird er seinen Posten vorzeitig verlassen, um Vorbereitungen zu treffen, die er schon vor Jahren hätte erledigen müssen.
Als er zum Haus zurück eilt, schüttelt er über sich selbst den Kopf. Er war so auf den künstlerischen Nutzen dieser Frau fixiert, dass er völlig vergessen hat, dass sie ein Mensch mit Bedürfnissen ist.

Joanna spielt ausgiebig und mit so viel Gefühl wie schon lange nicht mehr. Die Einsamkeit wirkt wie ein musikalisches Aphrodisiakum auf sie. Und zum ersten Mal seit drei Monaten klingt dieser verzwickte Paganini wieder so wie er soll.
Sie spielt ein paar Tonleitern. Dann nimmt sie den Aktenordner mit ihren Noten zur Hand und geht das fein säuberlich getippte Inhaltsverzeichnis durch. Nikolas hat es gemacht, nachdem er ihr fast hundert Seiten mit für Cello überarbeiteten Stücken von den Ärzten, Goldfinger, den Toten Hosen, den Red Hot Chili Peppers und Dutzend anderen aus dem Internet gezogen hat. Er war so stolz auf seine neue Suchmaschine, dass Joanna ihm diese Gelegenheit, sie vorzuführen, einfach nicht nehmen konnte. Und das Ergebnis seiner vierstündigen Arbeit gleicht den dabei erteilten, unendlich langweiligen Crashkurs in Sachen Surfen und Suchmaschinenknechten halbwegs aus.
Da. Sweet Gwendoline. Sie kramt die Noten auf den Notenständer und spielt zwei weitere Stunden mit viel Spaß. Den Text der meisten Stücke kennt sie auswendig; so singt sie laut und gut gelaunt in die unberührbare Stille der Lichtung hinaus.
Als sie sich schließlich satt gespielt hat, packt sie das Instrument sorgsam in seinen Kasten zurück und gähnt. Dann holt sie ihr Buch aus dem Zelt, legt sich ins Gras und beginnt zu lesen. Vielleicht schaut sie sich morgen mal das Herrenhaus an. Jetzt will sie einfach nur faul sein und sich entspannen. Sie hat schließlich Urlaub.

vogel
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Do 17. Jun 2004, 23:22 - Beitrag #3

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Beethoven, Mondschein-Sonate, erster Satz, adiago sostenuto.
Er kann sich nicht satt hören an diesem Stück. Es ist wie ein Strudel, der den Zuhörer berauscht und in eine dunkle, von sonderbaren Gedanken und Sehnsüchten bevölkerte Tiefe hinab zieht, die seine Sinne ausfüllt und auch nach dem endgültigen Verhallen der beiden Schlussakkorde nicht gänzlich wieder frei gibt.
Er spielt fast zu langsam, zögert, dehnt jeden Ton, jeden Akkord genüsslich bis an die Schmerzgrenze, versucht alles, außer blasphemischer Improvisation, um es noch nicht enden zu lassen, doch schließlich spielt er die unausweichlichen Schlussakkorde, die bedeuten, dass der Traum schon sehr bald enden wird und er sich wieder der Realität stellen muss.
Einen Moment lang bleibt er regungslos sitzen, um zu sich selbst zurück zu finden. Dann steht er auf und geht zu einem der Fenster hinüber. Zufrieden schaut er in den Sternenhimmel hinauf. In ein paar Stunden, wenn das Licht in ihrem Zelt schon lange erloschen ist, wird er diese Frau holen.
Er legt seine Hände an die kühle Scheibe und versucht, die Lichtung auszumachen. Da vernimmt er plötzlich das kalte, harte Geräusch von Holz gegen Glas, mit dem seine Maske an das Fenster stößt.
Wie er dieses Geräusch hasst! Wie er seine Maske hasst! Wie er das hasst, was die Maske versteckt! Dieses grotesk verformte Ding, das sein Gesicht darstellt! Diesen geballten Haufen abstoßender Hässlichkeit, der Mutter einst dazu veranlasste, sich das Schweigen derer, die an seiner Geburt beteiligt waren, zu erkaufen. Sie ließ ihn als Totgeburt registrieren, als schrecklichen Klumpen toten Fleisches, der die Alpträume werdender Mütter durchzieht.
Doch er war nicht tot. Auch wenn er es oft genug hatte sein wollen.
Warum Marguerite ihn nach der Registrierung nicht einfach irgendwo ausgesetzt hat, ist ihm nie ganz klar geworden. Vielleicht drängte ihre Freude über das andere, das hübsche Kind, den Ekel und die Abscheu in diesen ersten Tagen noch ein wenig zurück, so dass sie entschied, ihn nur auf dem Papier sterben zu lassen. Dann waren das Haus gekauft und die drei Kindermädchen verpflichtet und es gab kein Zurück mehr.
Man hätte Mutter diese andere Reaktion auf sein Gesicht jedoch nicht verdenken können, denn sie, eine durch eine ominöse Vaterschaftsklage reich gewordene Schauspielerin und 'Künstlerin', war eine Frau, die die Schönheit über alles liebte. Welch ein Schock für sie, erkennen zu müssen, dass sie die personifizierte Hässlichkeit neun Monate lang in ihrem Leib getragen hatte.
Wie er sie gehasst hat! Doch er hat sich für all ihre Lügen und ihre Ungerechtigkeit angemessen gerächt.
Seine Hände ballen sich zu Fäusten. Noch ein letztes Mal in düsteren Erinnerungen schwelgen. Wenn die Frau in seinem Haus ist, sollte er sich diese Gedanken sicherheitshalber nicht mehr gestatten.
Heute Nacht! Heute Nacht wird er sie holen und sein Werk wird endlich geschaffen werden. Er wird endlich sein Schicksal erfüllen.
Mit grimmigem Widerwillen lässt er seine Gedanken zu Ludwigs Zeit in Rouen zurück treiben. Zehn Jahre lang quälte er sich durch eine unwürdige Existenz. Marguerite zwang ihn zum Malen und gab seine Bilder als ihre aus; er war ein Gefangener, bewacht von seiner sorgsam geschürten Angst vor der Außenwelt und seinen Kindermädchen, drei dummen, unerfahrenen jungen Dingern, Adèle, Cécile und Dickens, die den Fehler gemacht hatten, sich für ganze zwölf Jahre zu verpflichten; allein die Tatsache, dass sie mehr als das Dreifache eines durchschnittlichen Kindermädchengehaltes bekamen, und Marguerites verschwenderische Art, mit Strafe umzugehen, hielten sie davon ab, ihren Vertrag zu brechen und einfach davonzulaufen; doch sie zählten voller Ungeduld die Monate, die sie seine Launen noch ertragen mussten.
Was ließ er sich nicht alles einfallen, um die Mädchen in den Wahnsinn zu treiben. Er ließ Céciles Groschenromane und Adèles Nähzeug verschwinden, Kleider, Vorhänge, ganze Möbelstücke, er trennte Nähte auf und nähte Ärmel zu, sorgte dafür, dass das Haus tagelang nach Schwefel oder Buttersäure stank, jedoch niemand die Quelle dieses Gestanks finden konnte, versah die Mädchenzimmer mittels Bindfäden und chemischen und mechanischen Kettenreaktionen mit 'Poltergeistern'. Die drei dummen Hühner sahen ihre körperliche Gesundheit durch sein Lieblingsspiel, kleine pyrotechnischen Experimente, bedroht und flehten Mutter an, ihm seine Chemikalien zu nehmen; doch nachdem sie sein Labor ausgeräumt hatten, begann er, sich auf Sprengstoff aus Wasch- und Putzmitteln, Batteriesäure, Backzusätzen und anderen Haushaltsutensilien zu spezialisieren. Seine Bibliothek mit den Naturwissenschaftsbüchern. Adèle, Cécile und Dickens, besonders Dickens, verfluchten sie beinahe wöchentlich aufs Neue. Und sein Einfallsreichtum kannte keine Grenzen.
Doch plötzlich verdunkelt sich sein Blick. Mutters Prüfungen dringen in sein Bewusstsein: "Komm her! Zeig mir deine neuen Arbeiten! Nicht so lahm, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit! Jetzt gib schon her! Da hast du schon wieder den Stil gebrochen! Kubistisch hatte ich gesagt, kubistisch! Ist das so schwer zu begreifen, du kleiner Idiot? Hör verdammt noch mal endlich auf, alles so naturgetreu zu arbeiten! Und wie stellst du dir das eigentlich vor? Du hast nur noch drei Monate Zeit, aber erst ein Bild fertig! Sag mal, faulenzt du den ganzen Tag? Werde ja nicht frech! Wenn ich wegen dir die Eröffnung meiner Ausstellung verschieben muss, werde ich dich bestrafen, dass du es dir demnächst dreimal überlegst, bevor du meine Aufträge nicht richtig ausführst, du hässliches kleines Monster!"
Er verabscheute ihre keifende, spitze Schimpfstimme, doch er wagte nie, sich ernsthaft gegen sie zu erheben. Statt dessen ließ er seine Wut an den drei Mädchen aus. Mutters Strafen waren jedes Mal fürchterlich. Sie schlug ihm die Handflächen wund und sein Rücken war mit Striemen übersät. Er hat etliche Narben aus dieser Zeit.
Manchmal lobte ihn Marguerite natürlich auch, wenn er sich Mühe gab und wirklich gut malte, ab und zu lächelte sie ihn dabei sogar an; kurz nur, doch sie lächelte mit warmen, leuchtenden Augen, und legte sanft ihre Hand auf seine Schulter..
Er versucht sich einzureden, dass ihm ihr Lob und ihre Nähe nichts bedeutet haben, aber dann muss er doch wieder irgendwo in einem dunklen, verborgenen Winkel seiner Seele einsehen, dass das nicht stimmt und er für dieses bisschen Wärme gelebt hat. Es schmerzt, doch es ist so.
Wie oft hat er davon geträumt, dass sie ihn in den Arm nimmt und sanft über sein Haar streicht, freundlich zu ihm spricht, ihm die Maske abnimmt und seine entstellten Wangen mit sanften Mutterküssen bedeckt? Sie hat es nie getan. Jetzt ist sie tot...
... Er saß an ihrem Bett. Er sagte ihr, dass sie im Unrecht ist, er sei ja gar nicht mit Absicht immer so böse, er wolle sie nicht immer ärgern, er wolle sich bessern und fortan brav sein; wenn sie ihn nur in den Arm nehmen würde wie in seinen Träumen, ihm sagen würde, dass er ein Mensch ist wie jeder andere, und ihr Kind. Doch sie war außer Stande, seine Bitte zu erfüllen. Statt dessen lachte sie kalt, bedrohte und beschimpfte ihn mit den altbekannten Worten. Es würde für immer so sein.
Dann wollte sie schreien, doch er legte ihr nur leicht die Hand auf den Mund und bohrte das Messer noch ein Stück tiefer in ihren Leib. Er traf die Schlagader.
Das Blut sprudelte aus ihrem Körper wie aus einem Brunnen, während sich ihre grünen Augen weiteten und schließlich glasig wurden. Ihre Hände wanderten zitternd vor Angst und Schmerz über ihren Bauch und nachdem er das Messer aus ihr herausgezogen hatte, wiesen sie ihm den Weg zur Quelle des warmen, roten Stroms. Er setzte seine Maske ab, tauchte seine Hände in Mutters Blut und bedeckte sein Gesicht damit wie einst Ritter Siegfried, der in dem Blute des besiegten Drachen badete und unverwundbar wurde. Dann starrte er für eine Weile sinnend und glücklich an die weißen Wände des Schlafzimmers und stellte dabei fest, dass es schön sein würde, sie mit der Landschaft dieser überschäumenden Gefühle zu bemalen.
Er malte mit ihrem Blut, mit bloßen Händen, und beobachtete mit einem Teil seines Bewusstseins interessiert, wie sich die Konsistenz dieser Farbe änderte, als er wie im Rausch eine sich aufbäumende Bestie erschuf, die mit riesigen Klauen nach dem Himmel greift, um ein Stück der Sonne zu sich in die dunklen Tiefen zu reißen. Dieser Ausschnitt war im Gegensatz zum Rest der heroischen Landschaft stark geometrisiert, doch das war ihm egal, denn es war nicht Mutter, für die er malte; ihren Kopf hängte er an dem glatten, roten Haar mitten in den Himmel hinein.
Mit dem Blut war auch alle Schönheit aus ihrem Gesicht gewichen und ihr Körper sah sonderbar bleich aus, wie eine langsam schmelzende Wachsblume. Ihre weit aufgerissenen toten Augen, die ihn nie wieder kalt und wütend anblitzen würden, starrten mit Fassungslosigkeit und unbeschreiblichem Schrecken auf das rot triefende Bett; ein Gesichtsausdruck, der durch ihren herabhängenden Kiefer vervollkommnet wurde. Nur die deutlich sichtbar zwischen den Zahnreihen liegende Zunge störte das Bild und zog es ins Lächerliche. Ohne Zunge, dafür mit ein wenig Blut im Mundwinkel, am Kinn und tränengleich über die Wangen gezogen, sah es dann wieder unglaublich schön aus.
Der metallische Duft ihres Blutes, der die Luft des Raumes tränkte, sorgte dafür, dass nicht nur der Sehsinn befriedigt wurde, und ergänzte die Atmosphäre um ein ungewöhnliches und interessantes Detail.
Es war ein Kunstwerk mit einem kaum erträglichen Grad der Perfektion.
Als er sich sattgesehen hatte, verließ er das Zimmer und wusch sich im Badezimmer das Blut ab. Auf dem Boden neben dem Waschbecken lag eine kleine, rosafarbene Zahnbürste. Da wusste er, dass er das Haus noch nicht verlassen durfte.
Er hatte das Zimmer des kleinen Mädchens gesucht und gefunden.
Als er es betrat, fühlte er sich wie ein Raumfahrer, der zum ersten Mal auf einem fremden Planeten landet. Das Zimmer war sehr geräumig und mit Spielzeug vollgestopft. An den bunten Wänden hingen Poster und Bilder. Eines davon war ein gerahmtes Foto von Mutter und dem kleinen Mädchen, die beiden halten sich fest im Arm und lachen übermütig in die Kamera. In gewisser Hinsicht ist das Mädchen Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten, doch ihm fehlt die verhärmte Kälte im Blick, um die grüne Augen herum, die auch beim Lachen nicht verschwindet, und es ist beinahe noch schöner als seine Mutter.
Er ging zum Bett hinüber. Dabei blieb sein Blick an einer gerahmten Geburtsurkunde hängen: 'Irène-Sylvie Butent, 10.11.1953, Rouen'
Entsetzt lief er zum Bett und starrte in das friedliche, schlafende Gesicht seiner Zwillingsschwester.
Das Bad im Drachenblut hat nicht gewirkt...
... Sie hatte geblinzelt, dann hatte sie die Augen aufgerissen und ihn angestarrt, als sei er ein lebendig gewordener Alptraum, er hatte seine Maske noch in der Hand gehalten - er versucht, das Bild zu vertreiben - als er sich zu ihr hinunter gebeugt hatte, um sie genauer zu betrachten, hatte sie geschrieen, ein einziger Schrei, laut, hoch und durchdringend, ein sehr unangenehmes Geräusch - er will nicht weiter denken - er hat sich hastig die Maske aufgesetzt, Irène den Mund zugehalten und sie gebeten, nicht mehr zu schreien, sie brauche sich nicht zu fürchten, es tue gar nicht weh, dann hat er geweint, sie ist voller Angst vor ihm in die hinterste Ecke des Zimmers geflohen - die Bilder überfluten ihn - "Wo ist meine Mama? Ich will zu meiner Mama!", "Mama ist fort. Aber du brauchst nicht zu weinen. Ich werde dich zu ihr bringen.", sie spürte wohl etwas, denn sie beruhigte sich nicht, sondern versuchte, an ihm vorbei aus dem Zimmer zu fliehen, "Bitte, Irène, du darfst da nicht raus gehen!", er musste sie mit Gewalt aufhalten, hätte sie Mutter gesehen, hätte sie vor Entsetzten den Verstand verloren, sie schrie noch einmal, wehrte sich - er kann es nicht verhindern - er zerrt sie in ihr Bett zurück und singt sie leise in den Schlaf, erst in den leichten, erfrischenden Schlaf, der voller Phantasie und Leben ist, dann in den abgrundtiefen, ewig traumlosen Schlaf, aus dem es kein Erwachen mehr gibt.
Lange sitzt er da, hält ihre winzige erkaltende Hand und weint, während die Schmerzen, die seine Herzschläge begleiten, stärker werden. Es tut ihm so leid, dass er sie umbringen musste - Es tut ihm so leid...
Mit einem verzweifelten Schrei versucht er, sich von diesen Erinnerungen loszureißen. Er umklammert den stechenden Schmerz hinter seinem Brustbein und schleppt sich keuchend in den Keller. Dort, in seinem Zimmer, liegt die Droge, die den Gedanken an das kleine Mädchen erst erträglich machen und dann verschwinden lassen wird.

Joanna schlägt ihr Buch zu und reibt sich gähnend die Augen. Es ist dunkel und kühl geworden, so dass sie beschließt, schlafen zu gehen. Sie putzt sich die Zähne und windet sich dann ächzend und schnaufend in ihren Schlafsack. Mit einem zufriedenen seufzen schließt sie die Augen. Bald ist sie eingeschlafen.
Einige Stunden später betritt ein geräuschloser schwarzer Schatten die mondbeschienene Lichtung. Er kniet nieder und öffnet den Reißverschluss an der Zelttür. Dann tritt er ein paar Meter zurück und beginnt, sehr leise eine Melodie zu singen.
Steh auf und komm zu mir!
Bald gerät das Zelt in Bewegung, als sich die Frau, seinem Locken Folge leistend, aus ihrem Schlafsack befreit. Sie krabbelt durch den Ausgang und geht gehorsam auf den Schatten zu. Dieser verändert den Klang seiner Stimme, so dass sie ein kleines Stück vor ihm stehen bleibt.
In ihrem weißen, mit sonderbaren Figuren bedruckten Nachthemd sieht sie aus wie ein Wesen aus einer anderen Welt; ein wunderschönes Wesen mit vom Schlaf sanft geröteten Wangen.
Er überbrückt den Abstand zwischen ihr und sich mit einem entschlossenen Schritt, hebt zögernd die Hand und streicht ihr zärtlich eine Strähne ihres zerzausten Haares aus der Stirn. Ein leichter Schauer überläuft sie und ihm fällt auf, wie kühl es auf der Lichtung ist. Rasch hebt er die Frau hoch, um sie ins Haus zu bringen; doch dann hält er einen Moment lang inne, um die Wärme ihres Körpers, den leichten Druck ihres Kopfes gegen seine Schulter, den Duft ihres Schlafes, das sanfte Geräusch ihres Atems und ihren leisen Herzschlag bewusst wahrzunehmen und auszukosten. Er badet in einer Flut aus völlig neuen Eindrücken und kann sich nicht erinnern, jemals so glücklich gewesen zu sein wie in diesem Moment, da sie ihm ausgeliefert ist und er die Macht hat, ihr nichts zu tun.
(...)
©2002 Christine Klotz

Aus: Christine Klotz: 'Das Kunstwerk' – zweite überarbeitete Fassung (Juni 2003 [die Version im Buchhandel ist von 2002]). Derzeit noch alle Rechte vorbehalten (ich kümmer mich gerade um eine CC-Lizenz).

Kontakt: christine_klotz@web.de

Grüßlies
Christine


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