Von einer, die auszog, ein Buch zu schreiben...

Die Faszination des geschriebenen Wortes - Romane, Stories, Gedichte und Dramatisches. Auch mit Platz für Selbstverfasstes.
Fargo
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Sa 26. Jun 2004, 19:41 - Beitrag #21

Willkommen zurück, aleanjre. Tröste Dich, wenn Du erst mal Stephen K. und seine dunklen Türme von der Bestsellerliste gescheucht hast, werden auch die Urlaube länger. Ich rede mir am viel zu frühen Rückreisetag immer ein, dass die hohe Miete ja irgendwie rausgewohnt werden will und lange Urlaube nur den Schnitt der Erlebnisminuten pro Quadratmetereuro senken.

Original geschrieben von aleanjre
Suche noch händeringend seriöse, zuverlässige, kompetente Testleser. Jemand Lust?


Ich bin bei so was mangels Zeit sofort aus dem Rennen. Aber wir haben ja auch ein paar glückliche Menschen mit mehr Freizeit in der Matrix, Leute, die sogar Zeit für die höhere Schule und ein Studium haben. Tagdiebe, alle miteinander. Wir früher dagegen.... ;)

Woher kennst du diese Prozent - Zahlen?


Eigentlich aus diversen Etagen des Literaturbetriebs. Von Freunden und Bekannten, die bei Verlagen arbeiten. Von Freunden, Bekannten und meiner Frau, die Bücher schreiben. Von Verträgen, die Verlage mir angeboten haben, für erst noch zu schreibende Bücher. (Nee, ich habe dankend abgelehnt, ich kenne meine Grenzen.)

Leider weiß ich immer noch nicht, wo ich selbst stehe. Liebevolle Leserreaktionen bringen mich wirklich nicht in meiner Arbeit weiter, auch wenn es mich ermutigt, weiterzumachen.


Das kommt auch darauf an, wo Du stehen möchtest. Wenn Du andere Menschen einfach ein wenig Freude machen willst, dann sind solche Leserreaktionen (diejenigen, die nicht soziales Geplänkel sind) doch prima Standortbestimmungen.

Wenn Deine Ansprüche allerdings weiter gehen, wenn Du z.B. einen Text schreiben möchtest, dessen Sprach- und Gedankenwelt erkennbar Deine eigene ist , dann brauchst Du vielleicht sehr gute und erbarmungslose Lektoren (ich nenne jetzt auch mal mit dem Rotstift arbeitende Testleser aus dem Freundeskreis so). Und eine enorme Frustrationsresistenz. Das nötige Talent immer vorausgesetzt. Allerdings soll es auch Autoren geben, die sich wirklich hauptsächlich selbst anhand der wachen, kritischen Lektüre fremder Texte geschult haben.

Zum Selberschreiben/Lesen: Weiß jetzt nicht, ob das ein allgemein zu wertendes Statement war?


Es war keine fiese Spitze, sondern tatsächlich eine ganz allgemeine Beobachtung.

Dafür hab ich ja auch das Fernstudium belegt, das mir beim theoretischen Teil dieses Handwerks weiterhalf.


Könntest Du da noch ein bisschen erzählen, was Du aus dem Fernstudium gelernt hast, was Dir zuvor als Leserin fremder Texte nicht klar geworden war? Das interessiert mich sehr.

Deutsche versus ausländische Fantasy.... Uaaah. Düsteres Kapitel. Nein, ist mir zu traurig, darüber etwas zu schreiben.


Hm. Pretty please? Das klingt doch sogar nach einem eigenen hochinteressanten Thread. Bei Gelegenheit? An einem sowieso schon versauten Tag? ;)

Ich hoffe, du durftest deinen Tee genießen.


Teegenießen gehört zu meinen wenigen Talenten. Leider ist es ökonomisch nicht verwertbar.

Aber jetzt gibt's gleich wieder nice cuppa. Es wünscht Dir auch eine,

Gemütsbrite Fargo

aleanjre
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So 27. Jun 2004, 00:37 - Beitrag #22

Tja. Sollte ich tatsächlich jemals Mr. St.K. von irgendeiner Liste scheuchen, brauche ich mir um Kinkerlitzchen wie Miete oder Urlaub wohl wirklich keine Gedanken mehr zu machen.
Wir haben das Glück, sehr günstig zu hausen, die niedrigere Quadratmerzahl unserer Urlaubswohnung war tatsächlich teurer als unsere Stammwohnsitzes. Dessen Hauptvorzug tatsächlich der niedrige Preis ist.

Meinst du, ich würde hier in der Matrix tatsächlich Leute mit Lust und Zeit finden, die als Testleser in Frage kämen? Na ja, ich kann ja mal im Smalltalkforum nachfragen gehen.

Verlage haben dich gebeten, Bücher zu schreiben und du wolltest nicht? Darf ich fragen, welches Thema? Und warum du abgelehnt hast?

Ich schreibe für mich. In erster und letzter Instanz. Wenn ich die Sache als Einnahmequelle betrachten würde, würde ich mich auf Liebes- und Kriminalromane verlegen, die sich gut verkaufen. Beides Genre, die mir nicht sehr liegen, schreibtechnisch. Mein wichtigstes Anliegen ist es, mich stetig weiterzuentwickeln. Na ja, und anderen Menschen ein paar fröhliche Stunden schenken, das ist auch toll. Und ein paar Euronen verdienen, da sage ich nicht grundsätzlich nein. Nun hatte ich einen Lektor, der nicht mit mir persönlich kommuniziert hat, sondern nur via Email die Korrekturen zuschickte und die gesamte notwendige Kommunikation über die Verlagschefin laufen ließ.
Meine beste Freundin, selbst Autorin, wetzt gerne den Rotstift, würde mir aber nie sagen: "Mädel, das ist ÖDE!" Sondern an den Details rumdoktern, an der Rechtschreibung...
Alle anderen Testleser sind noch enger sozial mit mir verstrickt und bejubeln jedes wohlgesetzte Ausrufezeichen. :sad:

Fernstudium:
Ich war 16, hatte gerade mein erstes Buch geschrieben, wissend, wie grottig schlecht das war. Also hab ich dieses Studium begonnen und zum ersten Mal theoretische Überlegungen zum Thema Kapiteleinteilung, Einstieg in eine Geschichte, Charakterentwicklung, Titelfindung, Perspektivenwechsel etc. gelesen. Übungstexte geschrieben, die von einer wildfremden Person bewertet wurden. Vielleicht hätte ich im Laufe der Jahre selbst dieses Wissen anhand kritischen Lesens entwickeln können, auf diesem Wege war es jedenfalls eine Abkürzung, die mir sehr geholfen hat.

Wenn du gerne über deutsche versus ausländische Fantasy diskutieren willst - nur zu! Vielleicht hänge ich mich mit rein. :D
Prinzipiell halt ein trauriges Thema.

Gibt es keinen Berufszweig, der Teetrinken erfordert?
Ich könnte stundenlang in einem Teeladen stehen und mich sinnlich genießend durch sämtliche Sorten schnuppern (außer grüner Tee, der riecht bäääh). Trinken mag ich das Zeug nicht.

Fargo
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So 27. Jun 2004, 12:55 - Beitrag #23

Original geschrieben von aleanjre
Verlage haben dich gebeten, Bücher zu schreiben und du wolltest nicht? Darf ich fragen, welches Thema? Und warum du abgelehnt hast?


Im Lauf der Jahre waren das mehrere Angebote. Die schmeichelhaftesten waren sicher die offenen, Motto: „Schreib, wir publizieren’s!“ Über die konkreten Angebote, bei denen dann auch sehr klar über Konditionen geredet wurde, um mich ins Boot zu holen, werde ich anstandshalber nicht nennen. Weil die Bücher dann alle von anderen Leuten geschrieben wurden, denen man das Thema auch angetragen hat – oder die sich, unwissend, dass der Verlag das Projekt bereits selbst entwickelte, mit einem Expose zum Thema beworben hatten. Da ist in der Öffentlichkeit also ein wenig Diskretion angebracht. Es waren mit einer Ausnahme Sachbücher, mal ging’s um einen historischen Stoff, meist um Themen oder Personen der Populärkultur. Die eine Ausnahme war die Bitte, doch über einen Krimi zu einem ganz bestimmten Thema nachzudenken.

Der Grund, warum ich abgelehnt habe? Keine Geduld und Puste für die langwierige Arbeit an solch einem Buch, keine Zeit für gründliche Recherche, viel zu geringe Gewinnerwartung und vielleicht auch ein wenig Einsicht, dass es schon viel zu viel mittelprächtig zusammengebluffte Sachbücher von den richtig guten werken ablenken. Außerdem waren die Angebote sehr viel schmeichelhafter als die Kritiken, die ich mir eingefangen hätte. So leben meine Freunde und Bekannten in der Verlagswelt weiter in dem Irrglauben, ich könnte das eigentlich, wenn ich nur wollte.

Alle anderen Testleser sind noch enger sozial mit mir verstrickt und bejubeln jedes wohlgesetzte Ausrufezeichen. :sad:


Das ist allerdings ein Problem. Ein Testleser muss das Risiko eingehen, dass Du ihn oder sie zumindest zeitweilig hasst.

Fernstudium... Ich war 16...


In dem Alter ist das eine wirklich frühreife Erkenntnis, dass Schreiben nicht (nur) Seelenerguss ist, sondern Handwerk. Warst Du da familiär vorbelastet ?

Wenn du gerne über deutsche versus ausländische Fantasy diskutieren willst - nur zu! Vielleicht hänge ich mich mit rein. :D


Wo doch alle anderen so gerne ihre eigenen Threads aufmachen. :) Na gut, falls Du’s nicht doch noch übernimmst, bastele ich demnächst mal einen entsprechenden Thread im SF & Fantasy-Forum.

Teeriechen wäre mir übrigens zu wenig, ich muss schon spüren, wie das Teein an meine Rezeptoren andockt und mich kurzzeitig zur Mehrleistung aufputscht.

Suchtnatur Fargo

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Mo 28. Jun 2004, 11:51 - Beitrag #24

Fargo, ich verneige mich in Respekt. Nur wenige Menschen, die ich kenne, würden sich von einem solch schmeichelnden Angebot abwenden, wie es dir gleich mehrmals angetragen wurde! Eitelkeit ist nicht deine Sünde!

>>>Ein Testleser muss das Risiko eingehen, dass Du ihn oder sie zumindest zeitweilig hasst.

Wie wahr, wie wahr. Meine Freundin hat mich einige Male dazu gebracht, heftig ins Tischtuch zu beißen. Und dafür liebe ich sie.

>>>In dem Alter ist das eine wirklich frühreife Erkenntnis, dass Schreiben nicht (nur) Seelenerguss ist, sondern Handwerk. Warst Du da familiär vorbelastet ?


Vorbelastet bin ich eigentlich nicht, meine Eltern haben mir lediglich die Liebe und den Respekt vor dem geschriebenen Wort vermittelt. Es war die Erkenntnis, wie wenig mein Gestammel mit dem zu tun hat, was ich aus der Bücherei so mitbringe. Meine Mutter machte du dem Zeitpunkt ein Fernstudium "Zeichnen und Aquarelltechnik", das brachte mich auf die Idee, auch mein Hobby auf anderen Füße zu stellen.

Ich wünschte sehnlichst, ich könnte auch Teesüchtig werden und so meine Schokoladensucht überwinden. Zartschmelzende Vollmilch - Nuss - Schoki peitscht meine Inspiration zu akrobatischen Höchstleistungen. Gerade schwierige Plots erfordern dann leider sehr viel Kakaobohnenprodukt und läßt meine Waage beharrlich rechtslastig ausschlagen... :sad:

Neidvolle Grüße...

Fargo
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Mo 28. Jun 2004, 12:24 - Beitrag #25

Original geschrieben von aleanjre
Eitelkeit ist nicht deine Sünde!


Von wegen. Eben weil ich so ein eitler Fatzke bin, will ich mich nicht mit einem Buch blamieren. :)

Außerdem sehe ich an meiner Frau, welche Tortur das Schreiben darstellt. Feige bin ich eben auch noch...

Es war die Erkenntnis, wie wenig mein Gestammel mit dem zu tun hat, was ich aus der Bücherei so mitbringe.


Das ist jetzt nicht zynisch oder schnippisch gemeint, aber ich bin immer wieder erstaunt, wie vielen Menschen auch in vorgerückten Alter diese Vergleichs- und Selbstkritikfähigkeit völlig fehlt, die Du schon in jungen Jahren entwickelt hast.

Ich wünschte sehnlichst, ich könnte auch Teesüchtig werden und so meine Schokoladensucht überwinden....Neidvolle Grüße...


:boah: aleanjre, wie kann man nur so naiv sein??!? Seit wann schließt eine Sucht die andere aus?

Wenn ich nur in die Straße zum Supermarkt einbiege, fangen die Schokoladentafeln im Regal zu zittern an und versuchen, sich nach hinten ins Dunkel durchzudrängen. Auf Schokolade reagiere ich wie ein Vampir auf Halsschlagadern.

Es grüßt zurück

Schokoschlinger Fargo

aleanjre
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Di 29. Jun 2004, 00:38 - Beitrag #26

Von wegen. Eben weil ich so ein eitler Fatzke bin, will ich mich nicht mit einem Buch blamieren

Aber weil du weißt, dass du es nicht so fertig bringen kannst, wie du es vielleicht gerne würdest, bist du eben nicht eitel. Du passt nur gut auf dich auf.

Außerdem sehe ich an meiner Frau, welche Tortur das Schreiben darstellt. Feige bin ich eben auch noch...

Das wiederum verstehe ich nur zu gut... :D
Darf ich fragen, was deine Frau schreibt?


Das ist jetzt nicht zynisch oder schnippisch gemeint, aber ich bin immer wieder erstaunt, wie vielen Menschen auch in vorgerückten Alter diese Vergleichs- und Selbstkritikfähigkeit völlig fehlt, die Du schon in jungen Jahren entwickelt hast.


*holderröt*
Ja, erst vor kurzem hab ich etwas entsetzt ein vollkommen stilloses, von der Presse so hochgelobtes Werk von mir geworfen. Der Autor war Jahrgang 31. Seine Methoden, neue Figuren einzuführen und zu beschreiben, erinnerten mehr an einen dreizehnjährigen Schulaufsatzschreiber.

:boah: aleanjre, wie kann man nur so naiv sein??!? Seit wann schließt eine Sucht die andere aus?

Ooooch, Mensch. Lass mir doch meine Illusionen. :( Schokolade ist meine einzige, schwer kontrollierbare Schwäche. Ich dachte, wenn ich etwas vergleichbar wohlschmeckendes und stimulierendes finde... wo Tee doch so gesund ist. (solange es nicht mehr Kandis als Wasser enthält). Bis jetzt hab ich mit Gummibärchen experimentiert, aber die stimulieren höchstens meinen Zahnarzt.

*snüffende Grüße*

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