Ich habe in den letzten Tagen einige Kurzgeschichten sowie die Katharina Blum gelesen, dabei wird es vermutlich auch erstmal bleiben - nicht aus Nichtgefallen, sondern aus höherem Interesse an neuen Autoren.
Was mir bei Böll sehr auffällt, ist der Stil. Er benutzt sehr lange Sätze, aber ohne Notwendigkeit. Normalerweise dienen lange Sätze ja zur Darstellung komplizierter Sachverhalte mittels Schachtel- und Nebensatzstrukturen. Böll stellt aber meist eher banale Dinge dar, die langen Sätze sind oft eher gebundene, einzelne Hauptsätze. Das Ganze wird wohl ein bewusstes Stilmittel sein (das Scheitern des großen Geistes an der Banalität der Welt, oder sowas? Vielleicht kennt sich ja jemand damit aus), aber ich empfinde es als etwas störend. Lange Sätze mag ich, aber eben nur, wenn sie gerechtfertigt sind. So wirken sie mir zu gekünstelt.
Allgemein habe ich das Gefühl, dass Böll etwas zu sehr Literat und Sprachliebhaber ist. Bei der Katharina Blum ist das extrem, er kommt immer wieder auf eine Pfützenstau-Metapher für den Erzählstil zurück. Der Sinn dieser Metapassagen bleibt mir eher unklar. Auch bei den Kurzgeschichten merkt man diese Neigung zur Metaschreibe gelegentlich.
Diese beiden Kritiken sollen nicht heißen, dass ich Bölls Schreibe nicht mag; im Gegenteil, es ist durchaus interessant zu lesen. Aber diese Details finde ich etwas befremdlich.