NuvoinCool Member


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Part IV
Cyra schwebte in warmen Träumen. Um sie herum befand sich das Glück. Es umhüllte sie. Es schien ihr schon so lange her, dass sie dieses Gefühl wahr nahm. Wie aus dem Nichts entsprungen, nahm das Glück Gestalt an. Die Gegend nahm die Form jenes Glückes an, welches Cyra vermisste. Doch trotzdem stimmte etwas nicht.
Das Gras streichelte ihr Gesicht. Sie sah auf. Eine große, weite Wiese war der Ort, an dem sie sich befand.. An ihrem Enden konnte man nichts sehen, nur Weiß. Es war wie eine Plattform aus Gras, die in der Unendlichkeit schwebte. In der Mitte stand ein in weiß gekleideter Apfelbaum. Er blühte und würde bald Früchte tragen. Cyra versuchte mehr zu erkennen. Unter dem großen Baum stand ein Mensch. Dieser schien sie bemerkt zu haben, denn er ging auf sie zu. Als er direkt vor ihr war, erkannte sie die Person. Es war Thero, welcher sie anlächelte: „Da bist du ja, meine Geliebte.“ Cyra war überglücklich ihn zu sehen. Der Tod musste sie wohl geholt haben und nun war sie wieder bei Thero. Sie wollte antworten, doch keine Worte verließen ihren Mund. Geschockt versuchte sie es erneut, doch es war vergebens. Ihre Arme wollten sie aus ihrer Liegeposition befreien, doch sie versuchten vergebens ihren Körper hoch zu stemmen. Cyra fehlte die Kraft dazu. Aber zumindest konnte sie Thero sehen. Sein Anblick alleine reichte ihr. „Was ist los, Liebling? Wieso antwortest du mir nicht?“, fragte dieser traurig. Erschreckt über diese Frage, wollte ihm Cyra diesen Gefallen tun. Doch erneut brachte sie keine Worte über ihre Lippen. Thero ließ den Kopf traurig hinunter hängen. Er seufze, drehte sich um und ging. Wieso ließ er sie wieder alleine? Wieso konnte sie ihn nicht rufen? „Thero!“, versuchte sie mit aller Kraft, doch es blieb nur ein Gedanke. Wie als hätte dieser sie doch gehört, blieb er stehen und drehte sich um. „Komm mit mir und wir führen das Leben, das wir immer wollten.“, rief er ihr zu. Wie gerne hätte Cyra „ja“ geschrieen und wäre zu ihm gerannt. Sie hätten sich umarmt und alles wäre gut. Doch Cyra blieb stumm. Sie konnte nicht anders. Ihre Stimme ließ sie im Stich. Thero drehte sich traurig um und ging. Das Licht am Ende der Wiese empfing ihn. „Thero! Nein, geh nicht!“, versuchte Cyra ihn zu stoppen, überrascht plötzlich wieder Laute von sich geben zu können. Doch dieser hatte sie nicht gehört. Er ging unaufhaltsam weiter. Schritt für Schritt wurde er blasser, als er in das Licht am Ende der Wiese eintauchte. All die kräftigen Farben verschwanden, bis sie nicht mehr zu unterscheiden waren. So lange, bis er ganz verschwunden war. „Thero...“, flüsterte Cyra traurig. In ihr machte sich erneut das Gefühl breit, ihn verloren zu haben. Es wurde immer stärker, bis Cyra durch dieses Krämpfe und Schmerzen erlitt.
Das Licht, welches die grüne Grasplattform umgab, fing an sich zu wachsen. Es wurde immer größer und ließ die Wiese, wie schon Thero, nach und nach verblassen. Jeder einzelne Grashalm strahlte noch einmal mit all seinen Farben, bevor ihn die Leere verschluckte. Cyra wollte dem entgehen und fliehen, doch sie konnte noch immer nicht aufstehen. Noch immer fehlte ihr die Kraft dazu. Doch die Leere kam immer näher auf sie zu. Immer näher und immer schneller drang sie weiter zu Cyra vor. Und als die Wiese schon fast all ihre Pracht verloren hatte, erreichte das Licht auch sie. Doch bevor es sie überfallen konnte, drückte Cyra fest die Augen zusammen. Als sie kein Gras mehr spürte, hatte sie kurzzeitig das Gefühl zu fliegen. Ihr kam es so vor, Raum und Zeit würden keine Rolle mehr spielen und sie bewegte sich einfach in ihnen wie es ihr beliebte. Ein unangenehmes Ende bereitete der Fall auf den Boden. Cyra war jedoch nicht mehr auf der Wiese von eben. An ihren Beinen spürte sie wieder Steine und Sand, bis hin zu ihrer Hüfte. Mit ihrem Bauch lag sie auf einem etwas größeren Stein, der ihr leichte Schmerzen zubereitete. Aber was war das? Mit ihren Armen und ihren Kopf spürte sie etwas, was sie lange gesucht hatte. Es fühlte sich so erfrischend und nass an. War es wirklich Wasser? Cyra öffnete ihre Augen. Licht blendete sie, doch allmählich erkannte sie die neue Landschaft. Vor ihr war kleiner See. Sein Wasser war glasklar und frühlingskalt. Eine Palmenkulisse umgab ihn. Die Schatten der großen und hohen Pflanzen verdeckte die eine Seite des Ufers. Manche der Palmen trugen Kokosnüsse. Doch wenn man durch die Palmen hindurch sah, erkannte man den staubigen und steinigen Boden, auf dem Cyra die ganze Zeit gereist war. Wo war Cyra gelandet? War dies eine Oase? Aber wie kam sie hier her.
Sie entschied, dass diese Fragen auch noch später geklärt werden könnten und trank erst einmal. Als das kühle Nass ihren trockenen Hals hinunter lief, fühlte sich Cyra wie neu geboren. Erst jetzt bemerkte sie, wie ihr Körper es vermisst hatte.
Sie trank so viel, bis sie nicht mehr konnte. Cyra wusste ja nicht, wie lange ihre Reise noch dauern würde. Wann hätte sie ihr Ziel erreicht? Als sie im Geiste ihre bisherige Reise durchging, fiel ihr wieder eine wichtige Frage ein: Wie kam sie hier her? Doch die Antwort kam in nächster Sekunde. „Na Freundin? Hast du dich endlich satt getrunken?“, hörte sie eine zu bekannte Stimme, als das man sie verwechseln könnte. „Ne.. Nele?“, fragte Cyra geschockt. Noch immer hatte sie leichte Probleme beim Reden. Sie versuchte sich umzudrehen und etwas zu erkennen. Doch sie war noch zu schwach. „Tragt sie wieder herein!“, befahr Nele und kurz darauf spürte Cyra wie zwei kräftige Männer sie an den Armen hoch zogen. Erst als sie Cyra drehten, erkannte sie etwas. Vor ihr stand wahrhaftig Nele. Sie wirkte stark und sicher. Ihr Ausdruck war der einer Befehlshaberin. Hinter Nele standen drei große Zelte. Ein paar der Barbaren hatten sie und ihn wohl begleitet. „Wie... wie komme ich hier her?“, flüsterte Cyra mit der Kraft, die sie noch hatte. „Wir haben dich hinter diesem Hügel gefunden“, war Neles Antwort. Sie streckte ihren rechten Arm aus und zeigte auf einen leichte Erhöhung. „Du lagst ohnmächtig im Sand, meine Freundin“, fügte Nele hinzu. „Ich bin nicht deine Freundin!“, erzürnte Cyra, „und ich we...“ Erneut fielen ihre Augen zu und die Ohnmacht hieß sie willkommen.
Mit Mühe versuchte Cyra ihre Augen zu öffnen. Blinzelnd sah sie sich um. „Wo bin ich?“, flüsterte sie sich zu. Sie lag in einem Zelt auf etwas Stroh. Vor sich sah sie Brot und Wasser stehen. Hungrig nahm sie die Gelegenheit einer Mahlzeit war. Als ihr Magen gefüllt und ihr Hungergefühl gestillt war, fielen ihre Augen wieder zu. Cyra war noch zu schwach und müde.
Nach langer Zeit des Schlafens öffnete sie erneut die Augen. Cyra erkannte wieder das Zelt, doch diesmal war etwas anderes. Eine fremde Person war noch anwesend. Mit zusammengekniffenen Augen versuchte Cyra den Schatten zu mustern. Es brauchte etwas Zeit, doch dann erkannte sie mehr Farbe und auch die Gestalt wurde erkennbar. „Guten Abend, Freundin“, begrüßte Nele sie. „Wieso?“, entgegnete Cyra bloß. Sie verstand nicht, wieso sie noch lebte und brachte nicht mehr Worte heraus. „Hier, ich habe dir einen Eimer mit frischen Wasser gebracht. Dann kannst du dich erst einmal etwas waschen. Falls du Hunger oder Durst hast, daneben sind Brot und Wasser.“, ignorierte Nele die Frage, „wenn du etwas ausgeruhter bist reden wir weiter.“ Ohne auf Antwort zu warten drehte sie sich um und ging aus dem Zelt heraus. Auch als Cyra rief, sie solle warten, hielt sie nicht inne. Als Nele den Vorhang des Zeltes beiseite warf um heraus zu kommen, erkannte Cyra ein Lagerfeuer. Mehrere Leute saßen an ihm, unterhielten sich fröhlich und aßen. Feierten sie? Doch bevor Cyra mehr erkennen konnte, war der Vorhang wieder am ursprünglichen Ort.
Seufzend stand sie auf und nahm Neles Angebot war. Cyra aß und trank erst etwas, dann wusch sie sich, so gut es mit einem bloßen Eimer Wasser ging. Es tat gut nach mal wieder etwas Wasser auf der Haut zu spüren.
Langsam öffnete Cyra ihre Augen. Sie streckte sich zunächst, dann setzte sie sich aufrecht. Es war wohl Vormittag, nahm Cyra an. Die Sonnenstrahlen durchdrangen das Zelt und ließen es heller wirken, als es eigentlich war. Nachdenklich betrachtete Cyra ihre Handinnenflächen. Sie ließ ihre Hände ganz locker, dann ballte sie sie fest zu einer Faust. Nach wenigen Augenblicken öffnete sie ihre Hände wieder. „Die Kraft kommt zurück“, murmelte sie. Die Bettruhe und das regelmäßige Essen, welche ihr auf der Reise ausblieben hatten sie gestärkt. Cyra spürte zwar, dass sie noch nicht stark genug und für ihre Verhältnisse eher schwach war, aber dennoch sprudelte mehr Kraft in ihr als vor kurzem.
Durch das Öffnen des Vorhangs kehrte Cyra aus ihren Gedanken zurück. Es war wieder Nele die eintrat. „Ah, du bist ja schon wach“, sagte sie freundlich, „schön das es dir wieder etwas besser geht, Freundin.“ Cyra betrachtete jedoch nur misstrauisch das Schwert was Nele in ihren Händen hielt. Es war ein großer Zweihänder. Sein Griff war schlicht gehalten, dennoch wirkte es Edel und die Klinge war scharf wie kein zweites. Sofort erkannte es Cyra wieder. Es war ihr Schwert. „Gib mir mein Schwert!“, forderte sie sauer. „Aber natürlich“, war Neles freundliche Antwort. Cyra sah sie erstaunt an. Man würde ihr einfach so ihr Schwert geben? „Du kannst es jeder Zeit haben“, wiederholte Nele, „jedoch nur wenn es auf unserer Seite ist.“ War das wirklich ihr ernst? War das der Grund, dass Cyra noch lebte? Erst tötete Nele ihren Geliebten, dann entführte sie mit dem gefährlichsten Mann des Reiches den König und jetzt sollte Cyra sich ihnen anschließen? Einfach so? „Eher sterbe ich!“, trotzte Cyra zornig, „wie kannst du es wagen mich auch noch danach zu fragen!“ Nele seufzte traurig. Dann wurde ihre Mine jedoch wieder fröhlich: „Du wirst dich uns noch anschließen, keine Sorge Freundin. Barmus hat mir auch geholfen mich zurecht zu finden. Dir wird er ebenfalls helfen.“ „Barmus?“, fragte sich Cyra. Wer war Barmus? Meinte sie etwa des Königs Bruder? Nie hatte sie dessen richtigen Namen erfahren. Man redete stets nur über „ihn“. Aber es konnte nur sein Bruder sein. Es war zu offensichtlich... die Namen... Barmus und Bormus. Sie klangen zu gleich, als das es nicht die Namen zweier Brüder waren. „Er hat dir geholfen?“, hakte Cyra nach. „Ja meine Freundin“, antwortete Nele, „er hat mir die Augen geöffnet. Und nun ruh dich aus. Ich habe ihn gebetet mir diese Aufgabe zu überlassen. Ich werde dich morgen erneut fragen. Und wenn du wieder uneinsichtig bist, dann wird er sich um dich kümmern.“ „Auch morgen wird meine Antwort die selbe sein!“, sprach Cyra grimmig, „und ich bin nicht deine Freundin!“ Nele lachte kurz auf: „Noch nicht...“ Kurzerhand verließ sie stumm und ohne Abschiedsworte das Zelt.
Cyra ließ sich wieder zurück auf das Stroh fallen. „Ihr die Augen geöffnet?“, dachte sie, „wie meint sie das?“ Cyra dachte an all die Gerüchte die es über Barmus gab. Laut ihnen soll er des Teufels Zunge haben und Leute steuern können wie es ihm beliebte. Hatte er Nele unter Kontrolle? War es dieser Grund, aus dem sie handelte? Eine noch viel schlimmere Frage fiel ihr bei diesem Gedanken ein: Wenn Nele nicht widerstehen konnte, würde Cyra es dann schaffen? Nach wie vor hatte sie eine Mission. Sie war die einzige Hoffnung für das gesamte Reich. Falls sie versagte, würde ein neuer König aufsteigen. Cyra sah sich um. Sie saß im Zelt des Feindes, draußen waren mehrere der Barbaren die die Stadt angegriffen hatten und ihr Schwert wurde nicht mehr von ihr geführt. „Habe“, sprach sie langsam und mit weit aufgerissenen Augen, „ich nicht schon längst versagt?“
Es wurde Abend. Einer der Barbaren hatte Cyra grade ihr Essen gebracht und nun saß sie da und nahm Trank und Speis zu sich. Doch plötzlich trat ein unerwarteter Besucher ein. „Cyra, schön Euch endlich mal kennen zu lernen“, sprach er. „Barmus!“, brachte sie kräftig heraus und stand auf, „ihr wagt es zu mir zu kommen!?“ Doch Cyra konnte nichts machen. Barmus war in Begleitung zweier Barbaren. Doch diese wirkten sehr viel kräftiger und geschwinder als die anderen. Sie hatten bereits gezogene Schwerter. „Ich wollte mich nur versichern, dass ihr wohl auf seid“, antwortete er. „Und was ist mit euren zwei Wachen? Trauen sich drei Männer nicht mit ungezogenen Schwertern zu einer Frau?“, lachte Cyra. „Nun, es ist lediglich eine kleine Vorsichtsmaßnahme“, erklärte Barmus freundlich. Cyra missfiel dieses Getue von ihm. Sie musste vorsichtig sein, sie musste seinen gefährlichen Worten widerstehen. „Wo ist der König?“, fragte sie rasch, „was habt ihr ihm angetan?“ Barmus lächelte. „Keine Angst, er ist wohl auf. Ihr seid sozusagen Nachbarn“, lachte er. „Ich werde mich noch etwas seines Geistes bedienen bevor er stirbt.“, fügte er noch trocken hinzu. „Ihr werdet noch wünschen mich hier und jetzt getötet zu haben!“, versprach ihm Cyra sauer. „Große Worte die ihr da von euch gebt“, antwortete Barmus, „aber sie sind bedeutungslos. Entweder ihr werdet euch uns anschließen oder ich persönlich werde den Befehl für euren Tod geben.“ Dann beugte er sich etwas zu Cyra vor und flüsterte leise: „Wenn es nach mir ginge, dann wäret ihr bereits eine tote Frau. Doch Nele hat sich für euch eingesetzt. Zu schade, dass ich sie noch brauche. Aber bald wird es auch ihr egal sein.“ Cyra brachte keine Worte hervor. Nele? Sie war der Grund, dass Cyra noch lebte? Er konnte sie nicht töten, da Nele es nicht erlaubte? War da etwa noch ein winziger Teil ihrer selbst übrig?
Barmus lachte laut auf. „Ihr habt versagt“, provozierte er sie, „Leibgardistin des Königs.“ Mit diesen Worten verließ er wieder das Zelt .
Doch Cyra hatte seine letzten Worte überhört. Sie war zu sehr in Gedanken vertieft. Nele ist der Grund? Aber wenn sie doch noch sie selbst war, wie sollte Cyra sie dann für den Tode Theros hassen?
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