Friedrich Nietzsche - Nietzsche der Antichrist

Die Faszination des geschriebenen Wortes - Romane, Stories, Gedichte und Dramatisches. Auch mit Platz für Selbstverfasstes.
J.C.
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Mi 10. Nov 2004, 10:21 - Beitrag #1

Friedrich Nietzsche - Nietzsche der Antichrist

Hat irgendwer von euch das Buch schonmal gelesen?
Wenn ja, kann mir mal wer eine Rezession geben?
Ich brin grad dabei das Buch zu lesen und recht überrascht.
Ich hatte Nietzsche als einen bedachten, überlegten, rationalen Mensch im Kopf.
Aber wo ich grad das Buch lese, find ich seine Art, wie er über Christen und dergleichen herzieht zimmlich lächerlich.

Er bringt Thesen, Vorwürfe und Anschuldigungen vor und begründet sie kaum.

Oder seh ich das alles falsch? Kann ja sein.

So far.

aleanjre
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Mi 10. Nov 2004, 10:30 - Beitrag #2


keles
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Mi 10. Nov 2004, 13:01 - Beitrag #3

@J.C.: Ich kenne dieses Buch nicht. Bitte schick mir mal deine Meinung, nach dem Du das Buch durch hast.

J.C.
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Mi 10. Nov 2004, 17:03 - Beitrag #4

Die Amazon-Rezessionen kenn ich ja. Hab es ja da erworben.
Das Ding is nur: Man kann bei Amazon nicht darüber diskutieren ^^

J.C.
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Mi 10. Nov 2004, 17:05 - Beitrag #5

Original geschrieben von keles
@J.C.: Ich kenne dieses Buch nicht. Bitte schick mir mal deine Meinung, nach dem Du das Buch durch hast.


Jop, kann ich machen, bin aber erst am Anfang. Seite 15 oder so von 125.

Was ich bisher las, fand ich trastisch ernüchternd!
Er zieht schwer über Imanuel Kant und das Christentum her.
Klar, daher auch der Titel, aber Kant... für mich ist das eine seeehr monotone Sichtweise.

Maurice
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Mi 10. Nov 2004, 17:24 - Beitrag #6

Ich ahbe den Anti-Christ nur z.t. gelesen, ic hglaube bis zum 17. Aphorismus war es.
Dass Nietzsche scheinbar nicht viel argumenteiert, hatte mich nicht gewundert, weil ich vorher schon "Morgenröte" von ihm gelesen hatte, wo Texte drin waren, die zwischen 2 Zeilen und 4 Seiten variirten und meistens nur knapp (und leider oft unverstädnlich) einen Gedanken repräsentierten.
Im Verlgeich zur Morgenröte, argumentiert Nietzsche imo sogar vergleichweise viel in dem Anti-Christ. :D
Ich habe das Buch nicht mehr sehr in Erinnerung, aber ich gebe dir recht, dass es sehr nach einer Hass-Propaganda gegen die Religion klingt... um diesen Aspekt mag ich es ja auch. ^^
Dass Nietzsche aber gar nicht argumentiert, stimmt auch nicht, es verwischen bei ihm nur häufig These und Argument und was einem als neue These erscheinen mag, kann auch ein Argument für eine vorangegangene These sein.

So ich hoffe ich konnte dir wenigstens ein kleines bisschen helfen, wenn wohl auch nicht viel. :)
Wie gesagt ich habe das Buch nicht durchgelesen (mache ich aber bestimmt irgendwann noch) und kann deshalb nur von dem Teil sprechen, den ich gelesen hatte.

Dreamer
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Mi 10. Nov 2004, 17:36 - Beitrag #7

Also ich habe noch kein vollständiges Werk von Nietzsche gelesen, aber mich einige Zeit mit ihm beschäftigt.
Er gilt ja als Begründer des "Nihilismus", einer Glaubensform die jegliche höhere Werte verneint, ohne irgendeine Hoffnung an Besserung der Welt anzuführen.
Für ihn endet alles früher oder später im "nichts".
Ich weiß ja nicht welche persönlichen Motive dahinter stecken, aber für mich hört sich das alles wenig rational und durchdacht an. Eher wie die Thesen einer gestrandeten Persönlichket.....
Und eben diese Verneinung sämtlicher Werte führte ihn auch dazu das Christentum zu negieren. Ich kann mir also nicht vorstellen dass es lohnenswert ist das Buch zu lesen, da es sehr dastisch oder nahezu fanatisch gegen den Glauben an sich und speziell im Christentum vorgeht....

J.C.
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Mi 10. Nov 2004, 17:44 - Beitrag #8

Lesenswert ist es allemal!


@Maurice
Was mich wundert, ist seine sture Ansicht, dass nach dem Menschen was besseres kommen muss (Übermensch).
Das is halt mal wieder ein roter Faden der sich durch das ganze Buch zieht!

Maurice
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Mi 10. Nov 2004, 17:44 - Beitrag #9

Hier stehen wir imo einem Problem gegenüber, nämlich dem der Definition "Wert". Wenn ein "Wert" ein Bewertungsmaßstab ist, dann hat auch Nietzsche durchaus Werte, nämlich Macht, Willensstärke und Entschlossenheit.
Ich weiß jetzt nicht wie man seine Werte aufzählen sollte, das ist nur ein Versuch von mir.

@J.C.: Nein nach dem Menschen muss nicht höheres, also ein Übermensch kommen. Nietzsche sagt, dass der Mensch die Chance hat den Abgrund des Mensch-Seins zu überwinden, der zwischen Tier und Übermensch klafft. Ob er das nun schafft ist fraglich.

J.C.
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Mi 10. Nov 2004, 17:55 - Beitrag #10

Eben, das mein ich doch. In "Also sprach Zarathustra" hat er auch gemeint, es wäre eine logische Folge, dass nach dem Mensch, der Überrmensch kommt!

Maurice
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Mi 10. Nov 2004, 18:05 - Beitrag #11

So würde ich das nicht sagen. Nach dem Menschen kann auch nichts kommen. Nach dem Menschen heißt, wenn der Mensch nicht mehr da ist. Er muss ja nicht zum Übermenschen werden, sondern auch in den Abgrund stürzen. In diesem Fall wäre nach dem Menschen, nicht mehr was auf seiner Stufe oder darüber wäre.

J.C.
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Mi 10. Nov 2004, 18:08 - Beitrag #12

So zumindest hat Nietzsche es in dem Buch geschrieben, bzw, hab ich es verstanden!

Maurice
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Mi 10. Nov 2004, 19:00 - Beitrag #13

Meinst du jetzt den Zarathustra oder den Anti-Christ?
Zum Thema Übermenschen hier zwei Textabschnitte:

Also Sprach Z.:
"Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch - ein Seil über einem Abgrunde. Ein gefährliches Hinüber, ein gefährliches Auf-dem-Wege, ein gefährliches Zurückblicken, ein gefährliches Schaudern und Stehenbleiben. Was groß ist am Menschen, das ist, daß er eine Brücke und kein Zweck ist: was geliebt werden kann am Menschen, das ist, daß er ein Übergang und ein Untergang ist. Ich liebe Die, welche nicht zu leben wissen, es sei denn als Untergehende, denn es sind die Hinübergehenden."

Anti-Christ:
"Nicht, was die Menschheit ablösen soll in der Reihenfolge der Wesen, ist das Problem, das ich hiermit stelle (- der Mensch ist ein Ende -): sondern welchen Typus Mensch man züchten soll, wollen soll, als den höherwerthigeren, lebenswurdigeren, zukunftsgewisseren."

Ich glaube Z. war nach dem Anti-Christen und es klingt für mich so, als hätte Nietzsche seine Ansicht in diesem Punkt durchaus verändert. Oder aber er zählt den Übermenschen noch zum Menschen, was aber imo in dem Ausschnitt aus dem Z. paradox wäre, weil er diese beiden Begriffe offensichtlich voneinander unterscheidet. Deshalb denke ich auf das Erste.
Aus dem Z.-Text foglt nicht mit dem Ende des Menschens zwangsläufig, dass an seiner Stelle der Übemensch tritt, denn der Mensch kann ja auch verschwinden, indem er in den Abgrund stürzt. Wenn der Mensch aber den Abgrund des Mensch-Seins überwindet, wird er nicht mehr Mensch, sondern Übermensch sein.

Padreic
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Mi 10. Nov 2004, 20:02 - Beitrag #14

Zarathustra: 1883-85
Antichrist: 1888

Ich habe nur den Anfang des Anti-Christen gelesen (wir hatten ihn mal in Religion und hab vor kurzem noch mal reingeschaut) und ich muss sagen, dass Nietzsches Geisteskrankheit meines Erachtens hier schon offenbar wird. Trotzdem oder wohl vielmehr gerade deshalb ist die Sprache absolut genial (wie auch in z. B. in Ecce Homo oder, wenn auch auf andere Weise, im Zarathustra). Solche Kraft findet man vielleicht bei keinem anderen Autor.
Wenn man etwas argumentatives von Nietzsche lesen will, ist vielleicht die Genealogie der Moral besser. Hier entwickelt er wirklich recht systematisch seine Gedanken. Das ist ein Werk, was selbst mich, der ich großen Teilen von Nietzsches Gedanken eher ablehnend gegenüber stehe, sehr beeindruckt hat.

Padreic

Maurice
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Mi 10. Nov 2004, 20:14 - Beitrag #15

Danke Pad für die Daten. :)
Wie beurteilst du unter diesem Gesichtspunkt die imo paradox zueinanderwirkenden Aussagen zum Übermenschen?

Zur Genealogie der Moral sollte ursprünglich dieses Semester ein Seminar stattfinden, was ich auch gerne besucht hätte, was aber leider doch nicht stattgefunden hat. :(
Aber das Thema könnte bestimmt irgendwann nochmal aufgegriffen werden, ich hoffe es zumindest.

J.C.
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Mi 10. Nov 2004, 20:29 - Beitrag #16

Also in Z. sagt er inhaltlich folgendes:
Alles auf Erden, ist erpicht mehr aus sich zu machen, über sich hinaus zu wachsen und eine weiter Stufe zu erklimen.

Somit denke ich, definiert er Tier, Mensch und Übermensch jeweils getrennt.
Aus Tier wurde Mensch, aus Mensch sollte Übermensch werden.
Also eine neue Stufe der "Evolution".

Maurice
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Mi 10. Nov 2004, 20:47 - Beitrag #17

Darin widersprechen wir uns ja auch nicht, oder? :)
Das Wort "Evolution" hast du hier imo richtigerweise in Anführungszeichen gesetzt, weil sich Nietzsche kein, wenn ich richtig verstanden habe, biologische Evolution des Menschens zum Übermenschen vorstellt, sondern eine interlektuelle.
Mein "Übermensch"-Konzept unterscheidet sich ja von seinem, aber das tut hier nichts zur Sache.

J.C.
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Mi 10. Nov 2004, 20:55 - Beitrag #18

Also ich unterscheid mich kaum noch von dem Übermenschen-Konzept das Nietzsche hatte ;] ^^

Joah, ne, also "Evolution" kann man hier auch mit "geistiger Weiterentwicklung" ersetzen!

Milena
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Di 25. Jan 2005, 23:02 - Beitrag #19

Brief an seine Mutter...

ich möchte hier einen Ausschnitt eines Briefes 21.12.1888 von
Friedrich Nietzsche an seine Mutter, zwei Jahre vor seinem Tod
wiedergeben:
Meine alte Mutter,
.....im Grunde ist Dein altes Geschöpf jetzt ein ungeheuer
berühmtes Tier:
nicht gerade in Deutschland, denn die Deutschen sind zu dumm
und zu gemein für die Höhe meines Geists
und haben sich immer an mir blamiert,
aber sonst überall.
Ich habe lauter ausgesuchte Naturen zu meinen Verehrern,
lauter hochgestellte und einflussreiche Menschen,
in St.Petersburg, in Paris, in Stockholm, in Wien, in Neuyork...
siehst Du, das ist das Kunststück:
ohne Namen, ohne Rang, ohne Reichtum werde ich hier
wie ein kleiner Prinz behandelt...
Meine Gesundheit ist wirklich ausgezeichnet;
die schwersten Aufgaben, zu denen noch nie ein Mensch
stark genug war, fallen mir leicht.
Meine alte Mutter,
empfange zum Schluss des Jahres meine herzlichsten Wünsche
und wünsche mir selber ein Jahr, das den grossen Dingen,
die in ihm geschehn müssen,
in jeder Hinsicht entspricht.
Dein altes Geschöpf.


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