Metapher oder nicht?

Die Faszination des geschriebenen Wortes - Romane, Stories, Gedichte und Dramatisches. Auch mit Platz für Selbstverfasstes.
Maurice
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Fr 18. Feb 2005, 22:31 - Beitrag #1

Metapher oder nicht?

"Der Reichtum gleicht dem Seewasser:
Je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man."
- Arthur Schopenhauer

E-noon und ich haben diskutiert, ob es sich hier um eine Metapher handelt oder nicht. Was meint ihr?

e-noon
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Fr 18. Feb 2005, 22:34 - Beitrag #2

Also ich sage nach wie vor, dass es keine Metapher ist, sondern die Entsprechung zum englischen "simile" ... dessen deutsche Übersetzung ich leider nicht kenne ^^*
Wenn es nicht so ist, sollte es aber zumindest zu sein, da es imo schon einen Unterschied macht, ob man Begriffe wie "wie" oder "als ob" benutzt oder nicht, um den Vergleich herzustellen.

Traitor
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Fr 18. Feb 2005, 22:44 - Beitrag #3

Ich denke, ich schließe mich e-noon an. Wenn ich mich korrekt an den Unterricht erinnere (und Wikipediascheint dies nach flüchtigem Querlesen zu bestätigen) liegt eine Metapher nur dann vor, wenn ein Begriff oder eine Eigenschaft tatsächlich durch einen bildlich dasselbe aussagenden ersetzt wurde. Wenn ein Bild dem Begriff durch irgendeine Konstruktion nur erklärend zur Seite gestellt wird, handelt es sich um einen simplen Vergleich - oder vermutlich, je nach dieser Konstruktion, um irgendein anders definiertes spezielles Stilmittel.

janw
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Sa 19. Feb 2005, 02:44 - Beitrag #4

Sehe ich auch so, und simile, also Entsprechung, Verähnlichung, erscheint mir als adäquate Bezeichnung

Maglor
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So 27. Feb 2005, 13:37 - Beitrag #5

Der genormierte Name dieses Stilmittels lautet ganz einfach Vergleich, mal ganz und gar ungriechisch.
Eine Metapher wäre: Reichtum ist ein Seewasser.

MfG Maglor

dmz
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Mi 16. Mär 2005, 03:27 - Beitrag #6

Zitat von Maurice:"Der Reichtum gleicht dem Seewasser:
Je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man."

von Arthur Schopenhauer.
-
Ob es sich hier um eine Metapher handelt, oder nicht?

Post Scriptum:
Ich bin gerade dabei, mir eine kleine Ausarbeitung zu erstellen
ueber den Unterschied zwischen den Begriffen -
Metapher und Aphorismus
:::
Da Schopenhauer auch als Verfasser von Aphorismen bekannt geworden war/ ist,
koennte es sich bei dem oben zitierten Satz um einen Aphorismus handeln.
Ein Aphorismus ist ein kurzer, einprägsamer Sinnspruch, ein Gedankensplitter von Tiefgang.
Er wird weder begründet noch hergeleitet und wird als Prosa-Text verfasst. http://de.wikipedia.org/wiki/Aphorismus

Traitor
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Mi 16. Mär 2005, 12:22 - Beitrag #7

Was willst du groß über den Unterschied zwischen Metapher und Aphorismus schreiben? Ersteres ist ein rhetorisches Stilmittel, letzteres eine Textform. Völlig verschiedene Kategorien, also ist die Unterschiedlichkeit ziemlich trivial. In einem Aphorismus kann eine Metapher verwendet werden, aber auf irgendeine Art vergleichbar sind sie nicht.

Feuerkopf
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Mi 16. Mär 2005, 12:40 - Beitrag #8

Traitor,
wat bisse wieda streng! ;)

Ich meine, es handelt sich um einen Aphorismus in der Gestalt eines Gleichnisses, das wiederum etwas umfangreicher ist als ein üblicher Vergleich.

e-noon
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Mi 16. Mär 2005, 15:35 - Beitrag #9

Ich denke auch, das ist ein Aphorismus, aber "Gleichnis" anstelle von Vergleich halte ich für unangemessen, als Gleichnis würde ich eher eine kurze Geschichte bezeichnen, nicht aber lediglich ein, zwei Sätze. Also für mich ist das ein normaler Vergleich ^^

dmz
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Do 17. Mär 2005, 04:30 - Beitrag #10

Zitat von Traitor:Was willst du groß über den Unterschied zwischen Metapher und Aphorismus schreiben?

Ich stelle mir die Regeln zusammen und entwerfe oder sammele
Beispiele von Metaphern und Aphorismen.
Denn ich habe festgestellt, dass waehrend einer Unterhaltung
haeufig beide Begriffe verwechselt worden sind.
Vorzugsweise verwendete man den Begriff 'Metapher';
es handelte sich aber um einen Aphorismus.

Milena
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Do 17. Mär 2005, 10:54 - Beitrag #11

ich stimme dmz zu, dass es sich dabei um einen Aphorismus handelt,
(siehe Zitat von Maurice), denn dies ist ein prägnant-geistreicher in Prosa formulierter Gedanke, der eine Erfahrung eine Erkenntnis oder eine Lebensweisheit enthält. Eine Metapher ist es nicht, da es nicht wirklich eine bildhafte Übertragung ist, wie z.B. das Haupt der Familie oder Hafen=Zuflucht.

Traitor
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Do 17. Mär 2005, 12:26 - Beitrag #12

@dmz: Wenn dieses Missverständnis verbreitet auftritt, dann tut eine Richtigstellung natürlich Not. Wobei diesen Personen dann am besten direkt auch ein noch umfangreicherer Kursus angedacht werden sollte, da scheinbar wirklich Grundlagen der Analysebegriffe fehlen.

e-noon
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Do 17. Mär 2005, 18:53 - Beitrag #13

Milena, Metapher und Aphorismus schließen sich nicht notwendigerweise aus ;)
Hier ist es tatsächlich keine Metapher, dafür aber ein Vergleich, also ein Stilmittel, das in einem Aphorismus verwendet wird.

Milena
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Fr 18. Mär 2005, 07:42 - Beitrag #14

nee, also ausschliessen muss es sich ja nicht e-noon:) , das war mir schon klar,
ich habe einfach die Erklärung a la Duden wiedergegeben..

dmz
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Fr 18. Mär 2005, 22:42 - Beitrag #15

Nun will ich meine vorherige Andeutung, - mir eine 'Uebungsdatei' anzulegen,
um die Definitionen der Begriffe (siehe URL)
-
http://de.wikipedia.org/wiki/Metapher
- und -
http://de.wikipedia.org/wiki/Aphorismus
-
in Zukunft eindeutig auseinanderhalten zu koennen,
durch erste ('eigene') gesammelte Beispiele belegen.
-
METAPHER:
(1) Eselsbruecke - Denkinhalte im Gehirn langfristig verankern
(2) URI - ............Schweizer Kanton > Ohmsche Gesetz U=RI fuer Gleichstrom
(3) Jeder ist seines Glueckes Schmied - .......................Jeder kann aus sich etwas machen im Leben
(4) Jeder hat seinen eigenen Generalsstab im Tornister - Jeder kann beruflich ganz nach oben kommen
(5) Abschied ist ein scharfes Schwert - .....Schlagertext v. RogerWhithacker
(6) Ueberzeugungen sind Gefaengnisse - ...FriedrNietzsche
-
APHORISMUS:
(1)
Die Geschichte liebt die Neuinszenierung des immer gleichen Dramas;
sie spinnt immer am gleichen Faden weiter.
Thema: Ewige Wiederkehr der Ereignisse, FriedrNietzsche
Metapher: Die Geschichte = Die Menschheit
(2)
The world is full of kings and queens,
who blind your eyes and steel your dreams
Woertlich:"Die Welt ist voll von Koenigen und Koeniginnen,
die deine Augen blindmachen und dir die Traeume stehlen"

Metapher: Kings and Queens = Menschen, die andere zu taeuschen versuchen
(3)
Man baut aus deutschen Eichen keine Galgen für die Reichen - HeinrHeine
(4)
Einmal vor längerer Zeit sprach ich völlig unvermittelt aus,
dass die Emotionen der größte Feind des Menschen sind.
(5)
Philosophieren ist nur ein Denken in Spiralen; wir kommen wohl höher, aber nicht eigentlich weiter.
Arthur Schnitzler
---
Kritik an der Einstufung obiger Beispiele und weitere erwuenscht .....

Milena
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Sa 19. Mär 2005, 12:37 - Beitrag #16

finde ich interessant dmz, obwohl es nicht immer, für mich jedenfalls, einfach ist den Unterschied zu erkennen und auszumachen, so z.B.
bei Metapher Nr.4 ganz unten-ist das tatsächlich eine Metapher?
und von Nietzsche hätte ich noch:
`stehlen ist oft seliger als nehmen`
oder
´bevor man den Menschen sucht, muss man die Laterne gefunden haben´
oder
aus Russland:
´Freunde finden ist leicht;sie behalten,schwer´.
oder
von Ludwig Börne
´je unfreier das Volk ist,
je romantischer wird seine Poesie`.
..aber ich habe das untrügliche Gefühl, das ist ein weder noch und ich bin
ganz einfach bei Sprichwörtern gelandet..:crazy:

dmz
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So 20. Mär 2005, 02:52 - Beitrag #17

Zitat von Milena:... finde ich interessant dmz, obwohl es nicht immer einfach ist,
den Unterschied zu erkennen und auszumachen ...

Ging mir anfangs genau so, und eine gewisse *Unsicherheit* ist noch vorhanden]Ich will kurz darstellen, wie ich hinsichtlich der Einstufung vorgehe:[/b]
(1) METAPHER:
Es gibt Unterschiede hinsichtlich der Komplexitaet des Ausdrucks.
Wichtig ist zunaechst einmal, dass die Metaphern praegnante Ersatzbegriffe und keine Prosa-Texte sind,
und dann mit der beabsichtigten Aussage und Bedeutung ueberhaupt nicht in Beziehung stehen;
alternativ aber Wortspiel oder Widerspruch formulieren koennen.
Man muss die beabsichtigte Aussage der Metapher eventuell voher wie eine Fremdsprachen-Vokabel gelernt haben,
sonst weiss man nicht, was sie aussagen soll;
oder sie ist ein Wortspiel, welches mit der Realitaet nicht in Einklang zu bringen ist
[>meinBsp.(6): 'Vorurteile sind realiter keine Gefaengnisse Herr Nietzsche'].
::: Beispiele :::
(1.1)
Als einfache Form ein Ausdruck, der aus einem(1), haeufig 2 Bestandteilen besteht.
Die Metapher ESELSBRUECKE hat hinsichtlich der damit beabsichtigten Ausssage
weder etwas mit Esel *noch mit* Bruecke sondern mit einer mnemotechnischen Verfahrensweise
zu tun, um Denkinhalte besser im Gehirn langfristig zu behalten.
(1.2)
Als komplexere Form die Metapher aus einem Satz:
'Jeder hat seinen eigenen Generalsstab im Tornister',
- sagte mir mal ein Abteilungleiter anlaesslich eines Vorstellungsgespraeches,
um mir zu signalisieren, dass in der Firma fuer mich Entwicklungschancen bestaenden,
wenn ich diese durch meinen Einsatz rechtfertigen wuerde;
ich also hierarchisch gesehen was werden koennte (Gruppenfuehrer, Abteilungsleiter ...)
-
Ich besass natuerlich nicht den 'Karrierestab' eines Generals einer anerkannten Armee;
auch lief ich nicht mit einem Tornister auf dem Ruecken herum.
Auch ein General einer Armee traegt bekanntlich den Generalsstab nicht in einem Tornister durch die Gegend.
:::
(2) APHORISMUS
Pointierter *(weiser, kurzer)* Prosa-Text, der eine Aussage mit gedanklichem Tiefgang macht,
dessen Bedeutung man erst durch Reflektieren gewinnt.
::: Beispiel :::
'Die Geschichte liebt die Neuinszenierung des immer gleichen Dramas;
sie spinnt immer am gleichen Faden weiter.
'
Die Bedeutung der Aussage = Uebersetzung im uebertragenen Sinne:
Die ewige Wiederkehr der GeschichtsEreignisse mit im Kern gleichen Inhalten.
-
Der Aphorismus kann metaphorische Bestandteile enthalten,
was in diesem Fall m.E. der Fall ist.
Denn ich kenne naemlich keine Geschichte(Historie), die Theaterauffuehrung macht und Faeden spinnt;
das machen nur Menschen.
Deshalb ist der Ausdruck 'Geschichte' Metapher und will auf die 'Menschheit' im allgemeinen hinweisen.
:::
In diesem Sinne sind folgende Beispiele m.E. weder Metapher noch Aphorismus:
`stehlen ist oft seliger als nehmen`
oder
aus Russland:
´Freunde finden ist leicht; sie behalten,schwer´.
oder
von Ludwig Börne
´je unfreier das Volk ist,
je romantischer wird seine Poesie`.
-
Rev * 21/03/2005, 18:55h, dmz

Milena
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Mo 21. Mär 2005, 18:59 - Beitrag #18

dmz, so lernt Mensch nie aus..., nicht wahr?:rolleyes:

dmz
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Mo 21. Mär 2005, 20:31 - Beitrag #19

Ich meine, dass unsere Sprache, wenn man sie 'kreativ/kuenstlerisch/hintersinnig' benutzt,
voller Metaphern und Aphorismen steckt.
Wir merken es meistens gar nicht mehr, dass wir gewisse Ausdruecke 'verschluesselt' formulieren.
Deshalb muessen wir manches 'anders herum' ein zweites Mal erklaeren,
damit wir besser verstanden werden.
:::
Wir koennten uns bisweilen ein-eindeutiger ausdruecken
und dann besser verstanden werden,
wenn metaphorische und aphoristische Ausdrucksweisen unterblieben.
Ich vermute, dass sie haeufig benutzt werden,
weil man dann InterpretationsSpielraeume hat;
auf Anhieb nicht mehr so beim Wort genommen werden kann.
:::
Hier noch ein paar Metaphern:
:::
Lebensabend > fuer Alter
Herz aus Stein
:::
- und weitere ..... (?)


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