Welches Buch lest Ihr gerade?

Die Faszination des geschriebenen Wortes - Romane, Stories, Gedichte und Dramatisches. Auch mit Platz für Selbstverfasstes.
Padreic
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Fr 18. Nov 2005, 19:12 - Beitrag #1421

Erich Kästner - Fabian. Trotz der zur Schau gestellten Sachlichkeit eines der emotional erschütternsten Bücher, die ich kenne (so empfand ich genauso bei meiner ersten Lektüre wie nun bei meiner zweiten).

Worum geht es? Lassen wir den Klappentext sprechen: "Berlin zu Beginn der 30er Jahre: Jakob Fabian, arbeitsloser Germanist, durchstreift seine Stadt und studiert das Leben: möblierte Zimmer, Bars gewisse Damen und dazugehörige Etablissements, die Liebe und die Verlogenheit der Menschen..." Das trifft die Grundatmosphäre schon ganz gut. Es ist erstmal Zeitkritik, ein zu nicht unwesentlichen Teilen satirischer Roman, der aber auch über seine Zeit hinweg auf die Themen Moral und Sinn verweist.
Die Hauptfigur Fabian kann wohl als moralischer Mensch bezeichnet werden. In dem Sinne, dass er überall zu helfen bereit ist, obwohl er selbst arm dran ist. Nicht im Sinne eine spießbürgerlichen Moral, die er herzlich verachtet. Er sieht seine Hauptaufgabe darin, zu beobachten und sieht ansonsten wenig Sinn in seinem Leben. Und als in Form einer Frau ein Schimmer Sinn in sein Leben zu kommen verspricht, beginnt sein Niedergang (sein "Gang vor die Hunde", wie Kästner das Werk erst untertiteln wollte), in Form von mehreren Schicksalsschlägen, die in eminenter Sinnlosigkeit auf ihn hereinbrechen. Stellenweise kamen mir die Tränen, als ich davon las. Besonders dort, wo sein bester und einziger Freund Labude sich umbringt; ein Selbstmord, dessen letztendlicher Auslöser war, dass der Asisstent des Professors, bei dem Labude habilitiert, ihm mitteilt, seine Habilitation sei abgelehnt und völlig ungenügend. Ein schlechter Scherz, wie sich nachher herausstellt: in Wirklichkeit war die Habilitation, an der Labude fünf Jahre arbeitete, herausragend. Zu spät...

Maurice
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Mo 21. Nov 2005, 16:27 - Beitrag #1422

Nach einer kurzen Einführung in die Philosophie lese ich von Mill "Über die Freiheit" weiter. Kurz noch was zur Einführung: Eigentlich hatte ich sie ja nicht nötig (habe mittlerweile ja genug Einführungen gelesen), aber ich hatte sie stark reduziert bei einem Räumungsverkauf entdeckt und deshalb zugeschlagen. Das Buch ist auch ganz nett gemacht, weil es auch die gesellschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten der jeweiligen Epochen beleuchtet.
Nun aber zu Mill: Ich bin jezt mit fast 2/3 des Buchs durch und muss sagen, dass es sich wie erwartet angenehm lesen lässt. Nachteil ist nur, das mich das Thema im Moment nicht so sehr interessiert und ich mich mehr auf sein wichtigste ethisches Werk "Der Utilitarismus" freue. Da "Über die Freiheit" vorher geschrieben wurde, hatte ich mir vorgenommen dieses vorher auch noch zu lesen. Mill argumentiert darin, für eine liberale und pluralistische Gesellschaft, für das Recht des Individuums auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit. Wieder ein Buch, das alle lesen sollten, die diejenigen als Menschenverächter beschimpfen, die sich als Utilitaristen bezeichnen. Auf Grundlage meiner bisherigen Erfahrungen wird Mill am häufigsten im Zusammenhang mit Utilitarismus benannt, sogar noch häufiger als Bentham, der doch als Begründer dieser ethischen Richtung gilt. Wenn man nun Mill als einer DER Utilitaristen bezeichnet, dann passt die Bezeichnung "menschenverachtend" recht wenig zu ihm. Außer man versteht ein Plädoye für die Freiheit des Menschen als menschenverachtend.

Padreic
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Di 22. Nov 2005, 00:04 - Beitrag #1423

Mit dem Utilitarismus Mills könnte ich mich sicherlich auch eher anfreunden als mit dem Benthams. Wenn man ihn menschenverachtend heißen will, dann sicherlich auf einer Basis, die sich nicht durch eine wie auch immer geartete politische Folgerung entkräften lässt.

Momentan "Der Zauberberg" von Thomas Mann. Schlägt mich nach anfänglich etwas schleppender Handlung langsam in seinen Bann...

Die Maschine
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Di 22. Nov 2005, 21:56 - Beitrag #1424

"Worte des Vorsitzenden Mao Tsetung"

Auch bekannt als die "Mao-Bibel".

Sehr interessant, wenn auch nicht mehr ganz zeitnah.... aber man fühlt welch Zeitgeist ihn und die Gesellschaft umgeben hat. Für mich ganz persönlich auch interessant als Geschichte-LK-Teilnehmer, der im April vorhat seine Abi-Klausuren zu schreiben.... sehr hilfreich und aufschlussreich um die Politik Chinas unter Mao Tsetungs zu kennzeichnen...

Lykurg
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Di 22. Nov 2005, 22:05 - Beitrag #1425

Christa Wolf: Kassandra

Auf seine Art auch ein zeitgeschichtliches Dokument. Und die Darstellung der Unabwendbarkeit des grausamen Schicksals, der Fluch, zu wissen, und niemanden zu finden, der einem glaubt, ist mE unheimlich gut dargestellt. Habe es vor ein paar Jahren sehr gerne gelesen, muß es jetzt für ein Konversatorium nur kurz auffrischen.

Maurice
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Di 22. Nov 2005, 22:09 - Beitrag #1426

Wo hast du die Mao-Bibel her und wieviel hat sie gekostet?
Interessiert mich nämlich auch mal, was da genau drinsteht.

Padreic
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Di 22. Nov 2005, 23:09 - Beitrag #1427

Wobei man immer im Hinterkopf behalten sollte, dass Mao nicht der gute Kommunist im Gegensatz zum bösen Stalin war, sondern dass aufgrund seiner Herrschaft auch viele Millionen Menschen draufgegangen sind. Und dass, wo Kommunismus ist, auch Propaganda ist. [ich weiß, wir haben hier auch Formen von Propaganda, aber die sind IMHO nicht vergleichbar]

Maurice
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Di 22. Nov 2005, 23:19 - Beitrag #1428

Keine Sorge ich habe kein idealisiertes Bild von Mao. Unter moralischen Gesichtspunkten würde ich ihn nicht auf die Seite der "Guten" einordnen, sondern in eine Ecke mit Hitler und Stalin stellen.
Trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) interessiert mich, was so in dieem kleinen roten Büchlein steht.

janw
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Di 22. Nov 2005, 23:32 - Beitrag #1429

Man muß auch sehen, daß die chinesische Kaiserherrschaft auch ein "recht" brutales System war und Maos Gegenpart Tschiang Kai-Shek ebenfalls kein Demokrat.
Der einzelne Mensch zählte für sie alle wenig auf dem Weg zur Erreichung ihrer Ziele.

Wobei...vielleicht Mao am ehesten noch Ideale hatte im Sinne einer besseren Welt für alle. Ob wirklich und ob vielleicht am Ende mißverstanden, ausgenutzt, vereinnahmt, überrollt, kann ich derzeit aber nicht beurteilen. Ich füchte aber solches etwas...

Lykurg
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Mi 23. Nov 2005, 00:00 - Beitrag #1430

Und auch unter Sun Yat-Sen, dessen Andenken und Mausoleum die Kommunisten sehr in Ehren halten, fanden mit (und zwischen) den Warlords und mit den Japanern blutige Kämpfe und Massaker statt - das waren schon finstere Zeiten. Das entschuldigt aber die Kollateralschäden des Großen Sprungs und der Kulturrevolution (zig Millionen verhungerte Bauern; systematische Zerstörung von unschätzbaren Kulturgütern) nicht wirklich.

Und, janw, man sollte nicht vergessen, daß Mao sich mit der Wiedereinführung des Personenkultes von seinen unrühmlichen Vorgängern wenig unterschied...

Maurice
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Mi 23. Nov 2005, 00:13 - Beitrag #1431

Auch Hitler hatte Ideen, von denen er meinte, dass deren Verwirklichung die Welt zu einem besseren Ort machen würden...

janw
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Mi 23. Nov 2005, 01:51 - Beitrag #1432

Maurice, bei Hitler kann man von einer gestörten Persönlichkeitsstruktur ausgehen, und seine Ideologie war letztlich eine Umarbeitung des kruden Denkwirrwarrs eines österreichischen Provinzpolitikers.
Ihn mit einem anderen Diktator gleichzusetzen, hieße ihn zu verharmlosen.

Lykurg, der Personenkult ist äußerst fragwürdig, in der Tat.
Die Opfer des Großen Sprungs wären wohl in ähnlicher Dimension auch unter anderen Regimes aufgetreten, die Opfer des Kaiserreichs hat nie jemand gezählt.
Dennoch - jeder ein Mensch, jeder ein unendlicher Verlust.
Die Zerstörung der Kulturschätze fällt teilweise unter das, wo ich soetwas wie Vereinnahmung sehe, Nacheifern und über-das-Ziel-hinausschießen der Gefolgsleute.
Aber gut, hier kann ich nur spekulieren...

Baloth
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Mi 23. Nov 2005, 09:33 - Beitrag #1433

Ich reiß jetzt einfach das Nieveau mit Dan Brown´s "Illuminati" runter... Geiles Buch!!!

Maurice
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Mi 23. Nov 2005, 13:46 - Beitrag #1434

@Janw: Ich neige zu sagen, dass es sich genau umgekehrt verhält. Jemanden wie Stalin oder Mao nicht mit Hitler zu vergleichen, verharmlost diese.

Anaeyon
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Mi 23. Nov 2005, 14:19 - Beitrag #1435

Baloth, Illuminati ist doch nicht niveaulos ^^

Habe gestern Sophies World angefangen, die ersten paar Seiten versprechen (mir) einiges. Mhh..

Maurice
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Mi 23. Nov 2005, 14:26 - Beitrag #1436

Also mich hat "Sophies Welt" nicht überzeugt. Für einen ersten Einstieg in die Philosophie für jüngere Leser aber durchaus brauchbar. Fortgeschrittenere werden sich wohl in den meisten Fällen langweilen.

Lykurg
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Mi 23. Nov 2005, 17:57 - Beitrag #1437

Maurice, man muß "Sophies Welt" ja nicht nur als Einführung in die Philosophie sehen, es ist auch eine schön erzählte surreale Geschichte...

Und Illuminati... Hmmm, ich glaube, ich sollte es auch einmal lesen, einerseits, um endlich "mitreden" zu können, ^^ und andererseits, weil ich schon immer wissen wollte, was ein geiles Buch ausmacht. Ein phallisches Lesezeichen?

Maurice
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Mi 23. Nov 2005, 18:26 - Beitrag #1438

Schöne Geschichte? Naja Geschmäcker sind verschieden.
Wenn ich Surrealismus haben will, greife ich spontan zu Kafka. ;)

Lethe-Elbin
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Sa 26. Nov 2005, 00:33 - Beitrag #1439

Zur Zeit lese ich "Lasst Knochen sprechen" von Katy Reichs.
Einige ihrer Bücher habe ich mir als Hörbuch reingezogen und die Handelung war auch wirklich interessant, aber wenn man mal so ein Buch ließt ist es wirklich langatmig.
In dem Buch geht es um einen Bandenkrieg zwischen zwei Motorradgangs, wobei ausversehen ein Mädchen auf dem Weg zum Ballett-Unterricht erschossen wird. Doch der Fall wird wohl noch komplizierter.

Aydee
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Sa 26. Nov 2005, 15:39 - Beitrag #1440

Die Letzten ihrer Art

eine etwas andere "Reportage" über bedrohte Tierarten, von Douglas Adams & Mark Carwardine

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