Erich Kästner - Fabian. Trotz der zur Schau gestellten Sachlichkeit eines der emotional erschütternsten Bücher, die ich kenne (so empfand ich genauso bei meiner ersten Lektüre wie nun bei meiner zweiten).
Worum geht es? Lassen wir den Klappentext sprechen: "Berlin zu Beginn der 30er Jahre: Jakob Fabian, arbeitsloser Germanist, durchstreift seine Stadt und studiert das Leben: möblierte Zimmer, Bars gewisse Damen und dazugehörige Etablissements, die Liebe und die Verlogenheit der Menschen..." Das trifft die Grundatmosphäre schon ganz gut. Es ist erstmal Zeitkritik, ein zu nicht unwesentlichen Teilen satirischer Roman, der aber auch über seine Zeit hinweg auf die Themen Moral und Sinn verweist.
Die Hauptfigur Fabian kann wohl als moralischer Mensch bezeichnet werden. In dem Sinne, dass er überall zu helfen bereit ist, obwohl er selbst arm dran ist. Nicht im Sinne eine spießbürgerlichen Moral, die er herzlich verachtet. Er sieht seine Hauptaufgabe darin, zu beobachten und sieht ansonsten wenig Sinn in seinem Leben. Und als in Form einer Frau ein Schimmer Sinn in sein Leben zu kommen verspricht, beginnt sein Niedergang (sein "Gang vor die Hunde", wie Kästner das Werk erst untertiteln wollte), in Form von mehreren Schicksalsschlägen, die in eminenter Sinnlosigkeit auf ihn hereinbrechen. Stellenweise kamen mir die Tränen, als ich davon las. Besonders dort, wo sein bester und einziger Freund Labude sich umbringt; ein Selbstmord, dessen letztendlicher Auslöser war, dass der Asisstent des Professors, bei dem Labude habilitiert, ihm mitteilt, seine Habilitation sei abgelehnt und völlig ungenügend. Ein schlechter Scherz, wie sich nachher herausstellt: in Wirklichkeit war die Habilitation, an der Labude fünf Jahre arbeitete, herausragend. Zu spät...