Original geschrieben von Chiro
Aber ich werde sehen.
Daraus scheint nichts geworden zu sein?

Eine Frage: was hat Dir an den letzten beiden nicht gefallen?
Das hatte ich in meinen damaligen Post ja schon erwähnt. Dass die Bücher den Spagat zwischen der Verständlichkeit & Bekömmlichkeit für sehr junge Leser und der Komplexität & Gebrochenheit für ältere Fans nur unter Mühen hinbekamen. Dass Rowling die Erfahrungen, die ihre Figuren in den vorigen Bänden gemacht hatten, jeweils wieder auslöschte und sie immer wieder mit der gleichen Naivität auf die Umtriebe der Voldemort-Anhänger stoßen ließ. Dass doch noch ein relativ klares Gut-Böse-Schema diese Welt zu bestimmen schien, das durch zwielichtige, irritierende Figuren wie Snape eher aufgelockert als in Frage gestellt wurde.
Nun aber mal was Neues: In den letzten Wochen ist der Erfolg von "Harry Potter" in diversen Zeitungsartikeln (und vermutlich auch in TV-Magazinen) als Beleg für die Infantilisierung der Gesellschaft gedeutet worden. Um mal die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" zu zitieren (der Autor heißt Matthias Heine):
..."Weil Harry-Potter-Bücher millionenfach auch von Erwachsenen verschlungen werden, fahnden die Verlage verzweifelt nach weiteren Autoren, deren kindgerechte Werke mit dem Etikett "All Age" auch Lesern jenseits des achtzehnten Lebensjahres angepriesen werden können. Und nicht ganz zufällig ist ein "All Age"-Film, die computeranimierte Fischtragikomödie "Findet Nemo", die erfolgreichste Hollywood-Produktion der jüngsten Zeit.
Zwar hat es immer auch erwachsene Disney-Bewunderer gegeben, und kluge Köpfe wie Michael Maar reklamieren Harry Potter für die Weltliteratur. Doch jene Zielgruppen, die die Industrie künftig vermehrt mit Kind-im-Mann-und-in-der-Frau-gerechten "All Age"-Produkten ködern will, lesen nicht Harry Potter neben Nabokov - sie können oft gar nichts anderes mehr lesen....
Vielleicht dauert jede gesellschaftliche Entwicklung so lange an, bis ihr lächerlichstes Extrem erreicht ist. Jedes Gemeinwesen, das das Alter zum Leitbild erklärt, erstarrt irgendwann in Gerontokratie. Und nachdem die Popkultur fünfzig Jahre lang mit Botschaften wie "Die young, stay pretty"das Altwerden zum Fluch erklärt hat, war die Machtübernahme der Suppenkasper unvermeidlich: Nirgendwo fühlt man sich vor dem Gespenst des Alters sicherer als im Puppenhaus der Infantilität...."
Was haltet Ihr von dieser These?
Fargo