Workshop "Charaktererschaffung"

Die Faszination des geschriebenen Wortes - Romane, Stories, Gedichte und Dramatisches. Auch mit Platz für Selbstverfasstes.
Seeker
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Mi 23. Jul 2003, 15:17 - Beitrag #1

Workshop "Charaktererschaffung"

Hallo Zusammen!

Angeregt durch evigrashalms Frage hier ein passender Thread dazu. An alle Interessierten und diejenigen, die Schreiben:

Wie erschafft man Charaktere, die nicht hölzern, eindimensional oder langweilig sind?
Was ist zu beachten, damit der Leser nicht gelangweilt ist?
Oder gar den Charakter als unglaubwürdig empfindet?
Gibt es Werkzeuge, um Charaktere zum Leben zu bringen?
Wenn ja - wo und wie wendet man sie an?
Fragen über Fragen ... ich könnte die Liste ewig erweitern.

Dies hier ist ein "Eröffnungspost", kein abgerundeter Beitrag, der mit Antworten versucht aufzuwarten. Dies ist nur zur Anregung ...

Hier ein paar Büchertips (natürlich über Amazon!) :D

James N. Frey - Wie man einen verdammt guten Roman schreibt.
James N. Frey - Die Kraft des Mythos
Stephen King - Das Leben und das Schreiben
Orson Scott Card - Charakters & CViewpoints (englisch)
Schreibkunst

So, das erstmal von mir. Wer noch Tips hat, posten!
Obig aufgeführte Bücher habe ich - bis auf Card - alle gelesen. Empfehlen kann ich sie alle! Wobei Schreibkunst das umfangreichste Werk ist! Natürlich geht aus den Titeln hervor, daß nicht unbedingt die Charakterentwicklung als Hauptthema auftritt, aber sie ist in jedem Buch enthalten!

Gruss,
Seeker
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Noriko
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Mi 23. Jul 2003, 15:22 - Beitrag #2

Klingt interessant. ^^
James N. Frey - Wie man einen verdammt guten Roman schreibt.

der titel ist mir gleich sympatisch XD

MagicMagor
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Mi 23. Jul 2003, 19:40 - Beitrag #3

James N. Frey - Wie man einen verdammt guten Roman schreibt

Besagtes Buch steht bei mir im Regal. Es war ganz interessant aber sicher nicht der Bringer.

Nun gut, Charaktere sind so ziemlich der wichtigste Bestandteil jeder Geschichte.
Ich persönliche statte meine Charaktere immer mit ein oder zwei besonderen Merkmalen aus, so daß sie aus der Masse an Personen herausstechen. Wenn ich mehrere Charaktere erschaffe, die auf jeden Fall zusammenkommen, achte ich auch darauf ein wenig Konfliktpotential einzubauen.
Was aber auf keinen Fall fehlen sollte ist eine Kurzbiographie des Charakters.

PS: Ist dieser Thread nur für Charakterentwicklung oder auch für andere schreibteschniche Tipps gedacht?

Seeker
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Do 24. Jul 2003, 07:39 - Beitrag #4

Original geschrieben von MagicMagor
Ist dieser Thread nur für Charakterentwicklung oder auch für andere schreibteschniche Tipps gedacht?


Hm ... fändest Du eine Differenzierung besser? Ich wollte mal sehen, wie die Resonanz ist. Ich kann die Überschrift ja ändern in "Literaturwerkstatt". Das triffts wahrscheinlich besser. Freut mich, daß Interesse besteht!

Gruss,
Seeker

Feuerkopf
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Do 24. Jul 2003, 07:44 - Beitrag #5

Wenn einer richtig die Kappe aufhat in Sachen literarische Charaktere, dann ist es definitiv Stephen King!
Ich kenne wirklich keinen anderen Schriftsteller, der so lebendige Typen erschaffen kann, voller innerer Abgründe, mit glaubwürdiger Vita.
Er schafft es, grausam zu seinen Helden zu sein, was mehr als schwierig ist. Er schreibt mit sehr viel Zuneigung. Wunderbar.

Sein Buch "Das Leben und das Schreiben" ist nicht nur eine tolle Autobiografie, sondern beinhaltet jede Menge Augenöffner für angehende Autoren.

Kampf dem Adverb!;)

Ich habe mir angewöhnt, für meine "Helden" tatsächlich lebende Vorbilder zu nehmen, zumindest für die "Grundausstattung", denn dann habe ich echte Menschen vor Augen.

Seeker
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Do 24. Jul 2003, 07:53 - Beitrag #6

Ich hab manchmal das Gefühl, ich muß eine Geschichte erzählen und fange einfach an. Dann kommt man aber schnell an das Problem der blassen Charaktere. Ich habe mir angewöhnt Interviews zu führen zwischen Autor und Charakter. Echt überraschend, was da manchmal ans Licht kommt (unter anderem einen ganz andere Geschichte!).

Wichtig ist eben auch, worauf der Schwerpunkt gelegt wird - Story oder Charaktere? Wenn man sich für die Story entscheidet, steht man vor dem Problem einen geeigneten (eingeschränkten, da im Rahmen der Story gefangenen) Charakter zu erschaffen.

Wenn die Charaktere im Vordergrund stehen, kann man die Geschichte drum herum aufbauen, das finde ich leichter.

Ansonsten halte ich es wie Feuerkopf: ich versuche eine Vorlage für die Person zu finden und erweitere ihre Stärken/Schwächen um eine oder zwei Fähigkeiten - um sie vom Alltagsmenschen abzuheben und für den Leser interessant zu machen.

Gruss,
Seeker

Padreic
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Do 24. Jul 2003, 14:43 - Beitrag #7

Ich habe einmal gelesen, dass die Hauptprotagonisten in gewisserweise ein Teil von einem selbst sein sollte. Für eine glaubwürdige Geschichte, muss man sowieso, wenn man aus der Sicht einer Person schreibt, in diesem Moment sie selbst sein, was einem naturgemäß bei einem Teil seiner selbst leichter fällt. Deswegen ist es auch gut, wenn Autoren einen widersprüchlichen Charakter haben, weil sie dann aus einem reicheren Fundus schöpfen können. Die Gefahr ist natürlich, dass die Charaktere zu ähnlich werden, weshalb Feuerkopfs Tipp, lebende (von einem selbst verschiedene) Vorbilder mit einzubeziehen, wohl sehr gut ist.
Mir persönlich fällt es am leichtesten, erst ein paar grobe Rahmenpunkte für den Charakter festzulegen und sie sich dann organisch aus der Geschichte heraus entwickeln zu lassen. Ich denke, bei Charakteren sollte man viel weniger vom Sein als vielmehr vom Werden ausgehen, weshalb man sich nicht zu starre Vorgaben machen sollte.

Padreic

Ratte
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Do 24. Jul 2003, 14:51 - Beitrag #8

Aber wenn man sich selbst zu sehr mit seinen Chrakteren identifiziert, taucht schnell das problem auf, dass man sich nicht von ihnen lösen kann. Man empfindet den Schmerz des Protagonisten buchstäblich selbst - was eine Beschreibung zwar sehr glaubwürdig machen kann, aber man kann diese Person nicht so einfach z.B. sterben lassen!

Padreic
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Do 24. Jul 2003, 18:12 - Beitrag #9

Es sollte auch niemals einfach sein, einen Hauptcharakter sterben zu lassen. Ich denke, wenn man (einen Handlungsfaden) aus der Sicht einer Person erzählt und diese dann sterben lässt und dies wirklich glaubwürdig geschehen muss, muss man auch (annähernd, völlig wäre höchst ungünstig) mit dieser Person sterben, wie es eben auch der Leser nachher tun soll (nur vielleicht schwächer).
Aber ich versteh dein Argument. Ich habe auch noch keinen Hauptcharakter, an dem ich wirklich gehangen hab, geopfert, aber bei mir war es zum Glück aus dramaturgischen Gründen auch noch nie notwendig.

Padreic

Seeker
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Mo 4. Aug 2003, 11:06 - Beitrag #10

Feuerkopf - was mich schon immer interessiert hat:
Beginnst Du mit einer Geschichte und entwickelst dann die Charaktere oder anders rum?

Gruss,
Seeker

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Fr 22. Aug 2003, 10:56 - Beitrag #11

Feuerkopf?

+Luinalda+
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Do 8. Apr 2004, 09:58 - Beitrag #12

Mmmh also ich mach es immer so , dass ich mir erst einmal (vor allem bei Fantasy - Geschichten , die schreib ich hauptsächlich)überlege welcher rasse und /oder welchem Geschlecht die person angehört : Dann überlege ich mir ein äußeres Erscheinungsbild und danach wo er/sie wohnt , und dann ein wichtiger Punkt welche Vergangenheit er/sie hat . Und das wars dann schon

Amy
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Fr 16. Apr 2004, 11:30 - Beitrag #13

Ich mache es auch immer so wie Lui. Zu aller erst erschaffe ich das Aussehen der Person, denn das kann schon wieder ein Grund des Verhalten und der Vergangenheit sein.
z.B. eine hässliche Frau ist ängstlich und ihr Gesicht wurde von ihrer neidischen Schwester verunstaltet.
z.B. eine schöne Frau ist bestimmt (in mancher Geschichte) etwas arrogant und bildet sich viel ein.
Bei meinen Figuren ist mir meist die Vergangenheit am Wichtigsten. Weil man darin sehr spannende Punkte erzählen kann.

DarkMousy
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Do 10. Jun 2004, 18:17 - Beitrag #14

Ok...

... ich erstelle Charaktere anhand eines von mir selber entwickelten Charbogens.

Ich beschreibe Aussehen, Alter am Anfang des Abenteuers, Rasse, Hobbys und Gründe warum gerade die, Charaktereigenschaften, Hintergrund, Familie und was mit der geschah.

Die so erschaffenen Charaktere sind ziemlich blass, es sei denn, ihre mir spontan eingefallene Vergangenheit ist besser, als ich es erwartet habe.

Diese Charaktere schmeiß ich meistens in irgendeinen Plot rein. Da entwickelt sich die Geschichte so, wie ich will und der Charakter macht sich früher oder später selbstständig. Ich hatte da beispielsweise mal einen Mutisten, der ist mir mittlerweile völlig entglitten, aber einer meiner Lieblingscharaktere. Er trägt sich selber.

Mousy Dark

P.S.: Meinen Charakteren etwas von mir zu verleihen, das ist eigentlich immer so und sie leiden zu lassen, damit habe ich absolut kein Problem. Ich schreib am liebsten, wenn sie leiden... da komme ich besser voran, als wenn es ihnen gut geht. ^^

Raiden/Yuji
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Do 10. Jun 2004, 20:02 - Beitrag #15

Ich orientiere mich mit den Chars an den Menschen in meiner Umgebung. Sie haben viele Merkmale von Freunden oder Verwandten. Dannwerden sienicht allzu blass. Manchmal kehre ich die Eigenschaften auch einfachum.
lg
Yuji

DarkMousy
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Do 24. Jun 2004, 17:27 - Beitrag #16

Hm...

... bin zu einer detaillierteren Methode gewechselt.

Da ich meine Chars meistens für Rollenspielsessions im Internet oder RealLeben brauche, bekommen sie nun eine ziemlich genaue Vergangenheit. Sie soll detailliert sein und zu den Charaktereigenschaften passen, die der Char zu Spielbeginn hat. Meistens sind das sehr traurige Schicksale^^ Das schreibt sich, meiner Meinung nach, besser.

Ich enwerfe auch Bilder zu den Charakteren, aufbauend auf dem Charakterprofil - habe in letzter Zeit ne Menge von meinen Chars gezeichnet.

*sweet^^*

Mousy Dark


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