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Rilke=Unklar

BeitragVerfasst: Di 13. Apr 2004, 15:34
von AngelOfSilence
Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.


Das gedicht beschäftigt mich jetzt schon seit einer Woche und nun muss ich es einfach mal hier rein setzen. :s143:
Wieso "fürchtet er sich so vor der Menschen Wort" wenn er selbst Dichter ist (war) und "die Dinge singen hör ich so gern". Hä? steh aufm schlauch.....:s155: was sagt ihr denn zu dem Gedicht und wie würdet ihr es "interpretieren"?

BeitragVerfasst: Di 13. Apr 2004, 15:41
von Traitor
Mein Ansatz:
Das Gedicht wehrt sich gegen die Durchrationalisierung der modernen Gesellschaft. Die Menschen sind so sehr damit beschäftigt, alles exakt und wissenschaftlich zu untersuchen, dass sie keinen Blick mehr für die simple, natürlich-emotionale Schönheit der Welt haben. Dadurch, dass sie alles mit Worten benennen, statt es mit dem Herzen zu erfassen, geht ihnen die Essenz der Dinge verloren.

BeitragVerfasst: Fr 16. Apr 2004, 11:22
von Amy
Ich kenne den Text aus einem Lied.
Und bin Traitors Meinung. Er hat Angst vor den Worten des Mensches, weil er alles streng benennt:

"Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort."

BeitragVerfasst: Mi 28. Apr 2004, 15:58
von AngelOfSilence
Danke, Leutz hat mir schon weitergeholfen ;)

BeitragVerfasst: Mi 26. Mai 2004, 21:36
von NiRvAnA
mir gefällt das gedicht.

ich finde um ein gedicht zu verstehen, sollte man immer schauen zu welchem zeitpunkt es entstanden ist. was da gerade bewegendes passiert ist. man kann es aber auch losgelöst "zeitlos" betrachten. *g*

ich mag gedichte, die man nicht deutlich verständlich sind :-) kann man so schön drüber grübeln.

BeitragVerfasst: Fr 28. Mai 2004, 15:36
von Tin
Original geschrieben von Amy
Ich kenne den Text aus einem Lied.


Rein zufällig von Xavier Naidoo und Ben Becker? *g*
Ich denke wie ihr... Wir Menschen haben einfach zu sterre Bezeichnungen für etwas so Lebendiges wie die Welt, in der wir leben.
"Ihr Garten und Gut grenz grade an Gott"
Wir sind uns keiner Grenze mehr bewusst...
"Die Dinge singen hör ich so gern"
Wenn wir nur genau genug hinsehen und hören, dann hat jeder Gegenstand, jede Pflanze, jedes Tier eine Geschichte zu erzählen...

Das war so das, was ich mir gedacht habe...