Ächz, ich hätte nicht fragen sollen.
Also: von den Zeitschriften mit kritischem Anspruch - es gibt ja auch Blättchen, die sich nur als Verkaufshilfe für den Buchhandel verstehen - ist "Literaturen" sicher am engsten dran am aktuellen Buchmarkt. Gegründet hat diese monatlich erscheinende Zeitschrift die Kritikerin Sigrid Löffler, die mal mit den Herren Karasek und Reich-Ranicki zusammen sowie einem von Sendung zu Sendung wechselnden Gast "Das Literarische Quartett" im ZDF bestritt. Hier findest Du Kritiken zu Neuerscheinungen und Wiederveröffentlichungen sowie Autorenporträts. Das Heft gibt's an jedem besseren Kiosk und in fast jeder Buchhandlung gleich vorn an der Kasse. Natürlich auch
im Web vorab beschnüffelbar.
Das "Schreibheft" funktioniert etwas anders. Es erscheint zwei mal im Jahr, hat meist einen Länderschwerpunkt, und hier kommen auch Autoren und Übersetzer zu Wort. Mancher Text ist vielleicht ein bisschen spezieller, dafür sind viele auch sehr klug und kenntnisreich. Überfliegerei und Schnellschüsse gibt's hier nicht. Du findest das "Schreibheft" wohl nur in besseren Buchhandlungen, richtig gute - oder schlecht kalkulierende -haben sogar eine größere Auswahl älterer Titel vorrätig. So kannst Du Dir zum Kennenlernen einen Heftschwerpunkt heraussuchen, der Dich besonders interessiert. Im Netz
hier zu finden
Recht ähnlich verfahren "die horen", ein altehrwürdiges Projekt, dessen Hefte meiner bescheidenen Ansicht nach in den letzten Jahren den schlechteren Autorenmix haben. Hier gibt's alle drei Monate zu interessanten Schwerpunktthemen ein Sammelsurium an Schreibtalenten und -untalenten: echte Experten, die sich schon wieder erlauben dürfen, unterhaltsam und witzig zu sein; ein paar verquälte kleine Unigehilfen, die ein bemüht besserwisserisches Elaborat zusammenkleckern, in der Hoffnung, es werde ihrer zusammengebrochenen Karriere nutzen; sogar Deutschlehrer aus der Provinz, die gerne Kritiker gerne geworden wären; dazu Autoren, die herzerfrischende Bekenntnisse ihrer Liebe zur Arbeit von Kollegen abliefern.
Die "Federwelt" erscheint alle zwei Monate und widmet sich hauptsächlich dem deutschen Nachwuchs. Hier gibt's viel Blicke in die Werkstatt, und Artikel über das praktische Leben als Autor, es geht also auch um Rechts- und Finanzfragen. Eine normale Sortimentsbuchhandlung leistet sich den Luxus gewiss nicht, diese Zeitschrift vorrätig zu haben.
Online gibt's Kostproben.
Sogar am besseren Kiosk gibt's dagegen "Lettre International" - wie der Name schon sagt, eine Zeitschrift, die sich mit der internationalen Literatur und großen Zeitdebatten beschäftigt. Überformat, eigenwilliges Layout, manchmal etwas linksforsches Kulturschickimickigetue, aber auch viel blitzgescheite Texte und Leseproben aus neuen Werken wichtiger Edelfedern. Die Hefte sind Sammlerstücke - sie werden jeweils von einem Künstler exklusiv gestaltet. Daher auch das oben erwähnte manchmal anstrengende Layout. Im Netz
hier zuhause.
Und dann wäre da noch als Beispiel für die vielen Netzprojekte
wortlaut.de zu nennen. Viele Rezensionen, die nicht zu hochgestochen und nicht zu platt an die Sache herangehen - hier kannst Du Dir auch eine ruinöse Shoppingliste interessanter Bücher zusammenstellen.
So, mehr Tipps sollen jetzt andere geben, mir qualmen die Finger.
Fargo