Noch eine Buchgenese

Hallöle!
Mei, wirklich interessant und dramatisch die Geschichte von aleanjres Erstlingsveröffentlichung!:)
Mal schaun, ob ich da mithalten kann...
Ok, Vorwarnung: Ich hab einfach mal so planlos drauflosgeschrieben. Das merkt man dem Text an. Er ist ein Liebesbrief an meinen Erstling und an die Zeit seiner Entstehung, die bis jetzt wirklich die geilste, schrecklichschönste, extremste Zeit in meinem Leben war (und das ganz ohne Drogen, huiii) und ich könnte keinen Menschen so lieben, wie ich meinen Erstling liebe (hähä, dass das mal mein Freund nicht liest:D).
!!!Aber es muss sich wirklich keiner verpflichtet fühlen, es zu lesen!!!
!!! Und es muss auch keiner Angst haben, dass das Buch so schrecklich geschrieben ist, wie dieser Text hier!!!
Ich bin nur manchmal ein Freak. Wie Doctress Jekyll und Mrs Hyde*lach*
Aaaalso, viel geschrieben hab ich eigentlich nie. Höchstens mal was für die Schule, wo ich dann auch in höchsten Tönen gelobt wurde "Christine, du wirst mal Autorin!" Haha, jaja, schon klar, als ob ich die Ausdauer hätte, hundert Seiten über ein Thema zu schreiben! Kurzgeschichten, ok, aber nen Roman???
Naja, erstens kommt es anders... Ich hab also diese beiden Bücher gelesen, 'Das Phantom der Oper' von Leroux und 'Das Phantom' von Kay. Zweieinhalb Jahre meines Lebens war ich quasi literarisch monogam auf ein Thema fixiert, es war ja sooooo schön! Ich war süchtig. So richtig. Diese Geschichten fand ich sowas von *seufz!!!*... aber sowohl bei Leroux als auch bei Kay waren Passagen total schlecht geschrieben und unvorteilhaft konstruiert in einigen Aspekten. Waren halt nicht genau -das- was ich lesen wollte.
Ok, ich also gesucht und gesucht, aber nix gefunden. Na gut. Wer weiß am besten, was ich lesen will? Ich. Und bekanntlich muss man ja eh alles selber machen, damit es was wird:D. Also hab ich eines Tages - es war kein besonderer Tag in den unglaublich langweiligen Sommerferien 1999 - ein ursprünglich als Tagebuch gedachtes Notizbuch (wer schreibt schon Tagebuch, wenn ihm nie was passiert...) zum ständigen Begleiter erkoren. Noch einen guten, zuverlässigen Kuli mit feiner Mine und besten ergonomischen Formen, aber nicht zu dick, damit er noch ins Buch geklemmt werden kann, gekauft (ja, Schreiben macht exzentrisch*lol*) und losgeschrieben. Das Notizbuch kam mit in Urlaub, mit an den Strand, fuhr mit im Bus, lag in der Pause auf meinem Schoß, und ständig schrieb ich oder phantasierte vor mich hin. Auf einem kleinen Campingplatz an der Côte d'Argent hatte ich dann -die- Idee: ich fand die Motivation der Malers, ich fand den Traum, ich fand das Kunstwerk, ich fand den Titel, ich rannte johlend über den Campingplatz. Die Eizelle meiner Phantasie war vom Spermium der Inspiration befruchtet worden, das Kind begann zu wachsen, sich zu entwickeln, und immer wieder versprach es, wunderschön zu werden und ich riss mir Stücke ausm Herz und aus der Seele um es zu ernähren:)
Nach einem halben Jahr hatte ich dann genug Notizen zusammen, um die ersten Kapitel in Angriff zu nehmen, bzw. den Winter vor dem PC zu verbringen und die ersten vier Kapitel hineinzubannen. Hatte da ne klare Aufteilung: Notizbuch: so wies mir grad einfällt, PC: strengstens chronologisch.
Zum Glück steigerte sich das Entwicklungstempo des Buches drastisch, so dass ich das, wofür ich am Anfang ein dreiviertel Jahr gebraucht hatte, das schaffte ich bald in zwei Monaten.
Sobald der Stil, den rechte Ton einmal gefunden ist, sobald man sich eingeschrieben und die ersten dicken handwerklichen Fehler gefunden und ausgemerzt hat, kann es richtig losgehen.
Jede freie Minute saß ich entweder über meinem Notizbuch oder am PC, in einer langweiligen Bio-Stunde dachte ich mir Bergerac aus, in Deutsch ging ich die Demaskierungsszene immerwieder durch, nur in Mathe hab ich aufgepasst, denn die Lehrerin war bissig:D
Tscha, dann wurde ich vorübergehend zum Krüppel, weil ich immer schief am PC gesessen hatte (Monitor in der rechten hinteren Ecke, ich fast parallel zum Schreibtisch, die Füße auf die Tür des Aktenschränkchens gelegt, Tastatur aufm Tisch, Rücken verkrümmt). -Das- tat weh! Arbeitsunfall, schrecklich! Ich konnte drei Tage lang kaum laufen, geschweige denn eine Haltung einnehmen, in der man schreiben konnte. Und keiner wollte sich von mir diktieren lassen! *verräter, allesamt* Na gut, hab ich statt dessen mit Ela telefoniert, Ela, meiner besten Freundin, die zeitgleich auch ein Buch schrieb (Der Rosenfriedhof, gleicher Verlag wie ich, lesenswert), Ela, die sich tapfer immer wieder von mir Szenen vorlesen ließ, die meinen Perfektionismus zu zügeln versuchte, wo er dann an meine Substanz ging, die mir mit Ideen half, wenn ich feststeckte und nichtmehr weiter kam, Ela, mit der ich eine superschöne SommerWG machte, Ela, mit der ich in Spanien überkreuz Korrektur las (ich ihrs, sie meins) [ah, Spanien, auf einem riesigen, sonnenwarmen Felsen am Mittelmeer flog mir die letzte Szene am Meer zu], Ela, ohne die das Buch nie so gut geworden wäre, wie es jetzt ist (oder wie ich meine, dass es ist), Ela, die auch der Meinung ist, dass der Leser einen Charakter nicht von Anfang an durchschauen können muss, dass man sich Zeit lassen kann, bis man etwas, das auf den ersten Blick wie ein Fehler wirkt, System bekommen lässt, dass man dem Leser ruhig was zu denken geben darf. *Ela, ich liebe dich! So von innen raus platonisch, du weißt scho;)*
Tja, ich also telefoniert, bis es wieder besser ging, und gleich zurück an den PC - Körperhaltung wie gehabt, wo kämen wir denn hin, wenn ich anfangen würde, dazuzulernen!
Dazulernen, ohweh, ja, ich habe nie, nie, nie in meinem Leben so viel gelernt, wie beim Schreiben. Sich Stilmittel selber zu erarbeiten ist so eine irrsinnig befriedigende Tätigkeit! Statische und dynamische Disposkizzen mit unterschiedlichem Zoom (also grafische Darstellungen von den psychischen Dispositionen/Entwicklung eines Charakters in einer bestimmten Szene, über einen kurzen oder langen Zeitraum hinweg und auf nur einen oder mehrere Aspekte bezogen) zu zeichnen, zu prüfen, zu überarbeiten, zu übernehmen, ist so erfüllend! Formulierungen auszubügeln, implizierte Dopplungen zu killen, Mono- und Dialoge auf-, aus- und umzubauen, Szenen zu sortieren, Verlaufspläne auszuklamüsern, Rechtschreib- und Kommafehler zu eliminieren, sich auch mal schweren Herzens von etwas wirklich Gutem zu trennen... Jaaa, ich gebe es zu, Überarbeiten macht mir fast noch mehr Spaß, als neue Szenen zu entwerfen. Und was habe ich überarbeitet! Verbissen. Aber mit Herzblut. "Ich les es lieber nochmal drüber, bevor ich die nächste Szene dransetze, denn vielleicht habe ich etwas übersehen, das man später nochmal aufgreifen kann/muss oder ein fehlendes Komma oder so."
Und was habe ich recherchiert! Es gibt keinen Band von Mamas Brockhaus, den ich nicht mindestens fünfmal in der Hand hatte. Waffen, Drogen, Medizin, Kunst- und Musikgeschichte, Philosophie (da kam mir zugute, dass ich auf Religion nichts gebe und aus meinem Philosophieunterricht zehren konnte)... Und das hat auch so irre Spaß gemacht! Da kamen so viele Inspirationen beim Blättern! Stichworte, über die man stolpert, Bilder oder einzelne Worte, die man aufschnappt...
Und was war ich jedes Mal euphorisch, wenn ich ein Problem gelöst hatte, wenn ich von mir selber begeistert war, weil mir eine Szene gut gefiel! Ich hielt mich für genial!
Und was war ich missmutig und enttäuscht und in Selbstzweifel gestürzt, wenn ich ein Problem nicht lösen konnte! Wenn ich nicht weiterkam, wenn mir ums Verrecken keine Alternative zu einer Formulierung einfiel (Thesaurus, ich liebe dich trotzdem!), wenn ich einfach das Gefühl hatte, dass ich nur Scheiße zusammenschreibe!
Naja, gegen Ende des ersten Arbeitsjahres kam die Schnapsidee mit der Außerschulischen Leistung.
In der Diskussion um ein fünftes Abifach hatten sich die faulen Lehrer durchgesetzt. Neue Regelung: jeder Schüler, der will, kann eine Außerschulische Leistung anmelden und in seine Abiturprüfung einbeziehen lassen. Fächer: jedes möglich.
Ich wollte das unbedingt machen. Weil so verdammt viel Zeit fürs Schreiben draufging und ich so viel dabei lernte, dass ich einfach mein Abi damit aufbessern können musste. Ich die Arbeit also angemeldet. Der Direx war auch einverstanden und wies mir einen Lehrer zu. Der gab in unserem Jahrgang aber gar keinen Literaturunterricht und wollte nicht. Aber die Literaturlehrerin war total senil. Der Meinung war auch der Direx. Also musste der störrisch Lehrer wohl oder übel ran.
Was hat er nicht alles versucht, um mir die Sache zu versauen.
"Trauen Sie sich das wirklich zu? Ich meine, einen Roman zu schrieben, das ist gar nicht leicht." Haaaha. Ach nee? "Ich hab das Teil schon zur Hälfte fertig. Ich weiß, was ich kann. Ich werde auch die zweite Hälfte schreiben."
Gut. Ich ihm also ne Leseprobe gegeben, ne gaaanz kleine. Er war beeindruckt und hats nichtmal richtig versteckt *freu* Trotzdem wollte er meine ASL nicht betreuen. Da ging der Krieg los. Letzten Endes mussten sogar meine Eltern in die Schule kommen, weil ich wegen der Sache total aufgelöst war, ein Häufchen Rotz und Tränen.
Ich meine, Aufgabe eines Lehrer ist es, seine Schüler zu fördern. Dass ich das Recht auf eine ASL habe, steht in den Richtlinien. Dass ich nicht nur sone Teenietuse war, die sich irgendwelchen Scheiß zusammengeschrieben hat, wusste er nach der Leseprobe dann auch. Trotzdem war er nicht bereit, mich zu unterstützen. Das tat -verdammt- weh!
Er wollte meinen Roman anhand von 30 Seiten bewerten. Er meinte, er wollte sich von mir nicht vorschreiben lassen, was er zu lesen habe! Dieses Arschloch hat anscheinend überhaupt nicht begriffen, worum es bei der ganzen Sache überhaupt ging! Es wäre sein verdammter -Job- als Lehrer gewesen, mein als ASL zugelassenes Buch zu lesen, um es adäquat bewerten zu können! So wie es mein Job als Schüler ist, den Käse zu lesen, den mir ein Lehrer aufdrückt, und den Stoff adäquat in Klausuren umsetzen zu können! Und wie will man ein Gesamtwerk anhand eines Ausschnittes bewerten? Und dann auch noch so ein komplexes wie meins! Da kommt einem doch alles nur noch spanisch vor! Kompromiss: ich habe das ganze Buch abgegeben und die gelungensten Szenen auf 50 Seiten markiert. Natürlich hab ichs marketingstrategisch ausgewählt und nur Szenen genommen, die bei einem normalen Menschen Appetit auf mehr machen müssten*fiesgrins* Das war mir ein innerer Reichsparteitag (nich politisch unkorrekt gemeint), mit Ela diese Auswahl zusammezustellen! Hähäää, ham wir uns gemein und verschlagen gefühlt. Das war herrlich.
Dann musste ich noch einen Reflexiven Bericht dazu schreiben, in dem ich die Geschichte, die Charaktere, das Genre und sämtliche Stilmittel zerpflücken, auflisten und analysieren musste. Das war der totale Krampf, weil ich irgendwann einfach keinen Bock mehr hatte. Aber dank der Kameltreiberei und der Formulierungshilfe meiner Mum hatte das Teil am Ende doppelt so viele Seiten, wies als Mindestmaß in den Richtlinien stand und Universitätsqualität:D Im Nachhinein: Mama, ich liebe dich dafür. Dann gabs noch ein Kolloquium, in dem ich lockerflockig die dummen Fragen des Lehrers beantwortet habe, die nur bewiesen, dass er das Buch nicht gelesen hatte (keiner seiner Kritikpunkte hatte deshalb Konsistenz, keine seiner Fragen Biss und ich kam mir total verarscht vor - und die Zweitkorrektorin und der Direx, die bei dem Kolloquium danebensaßen und auch Fragen stellten, dachten wohl das gleiche. Hähä. Beste Frage zum Schluss: "Der Epilog Ihres Buches ist ja nun sehr idyllisch..." Mein Güte, der Typ den Schluss zwar gelesen, aber -kein- Stück mitgedacht!).
Tja, ich hab gewonnen:D Und eine glatte Eins dafür gekriegt. Hatt ich so nicht mit gerechnet. Ne Zwei hatte ich erwartet. Warn guter Tag, das. Und mein Abidurchschnitt ist dadurch um 0,4 Punkte besser geworden.
Naja, gut, war der Brösel dann auch in der Tasche.
Mein Buch war dann halt auch fertig.
Boah, das war ein Krampf, ehe ich mich getraut habe, die letzten Szenen vorm Finale zu schreiben! Fertigwerdeangst; genau so schlimm wie Weiterschreibangst; ich habe die Theorie, dass das mit ein Grund für meinen Perfektionismus ist. Diese Angst ist Schwachsinnig, aber es ist (bei mir) beim Schreiben wie in der Liebe, man will den nächsten Schritt machen, aber irgendwie hat man auch tierischen Bammel davor.
Aber ich hab mich getraut, ich habs geschrieben, ich bin geschwebt vor Glück. Dann kam das mit dem Verlegen. In meinen Träume prügelten sich Diogenes und Reclam um mein Werk und die Lektoren machten mir unmoralische Angebote. Der Literaturnobelpreis war mein.
In der Realität sah das alles etwas anders aus.
Erstmal blechte ich 30€ bei einem Notar, um mir die Urheberschaft bescheinigen zu lassen. Man wird vorsichtig, wenn man sich eine Geschichte aus lebenswichtigen Organen geschnippelt hat:)
20 Bewerbungen, soviele wollt ich probieren (weil Robert Schneider sein 'Schlafes Bruder' auch 20 mal verschicken musste, ehe einer dieses Meisterwerk deutscher Literatur verlegen wollte). Ich also tapfer Verlagsadressen gesucht, zwischendurch meinen Opa zu meinem Manager erkoren und brav ein Anschreiben und ein Exposee formuliert.
Meine Fresse, Exposees! Es gibt nichts schwereres, als ein Exposee schreiben zu müssen, wenn man noch nicht den nötigen Anstand zum Buch gewonnen hat...
Die ersten zehn Bewerbungen kamen zurück. Acht mit Absage, eine mit unmoralischem Angebot über 7.500€ Zuschuss, eines mit Zuschussankündigung und einer Homepage, die verriet, dass der Zuschuss wohl über 10.000€ würde liegen müssen - auf der ersten Seite prangte gleich: "Auch Goethe musste auf seine ersten Werke draufzahlen" und die Autorenliste las sich wie ein Who-is-Who der Reichen, Arroganten, Gelangweilten. *würg*
Ich also weitere fünf abgeschickt. War auch nix. *schnüff*
Dann kam die himmlische Ela mit dem Hinweis, sie hätt da nen heißen Tip gekriegt, BoD, ganz günstige Verlege, nettes Haus, man behält fast alle seine Rechte an dem Buch, seriös, ehrlich, klein und autorennah, kein Werbebudgé (wie immer man es schreibt...) aber hohe Tantiemen und immer nen Stand auf der Frankfurter Buchmesse.
Die haben mich dann auch genommen. Und damit gings dann los.
Ich peilte an, das Weihnachtsgeschäft mitzunehmen (es war derzeit Sommer). War garnicht so abwegig. Dann ging die Kommunikation schief. Die warteten auf meine Datei, sagten aber kein Wort davon, ich dachte, sie würden noch was ausklamüsern und mir dann Bescheid sagen, wenn ich ihnen das Manuskript schicken sollte. Ein Monat rum und nix passiert.
Gut. Dann hab ich die liebe Britta Zeiler dazu gebracht, mir ein Coverbild zu zeichnen *hugs to Britta*.
Dann kam das Korrekturexamplar an. Ich es in einer Stunde runtergerissen (mit Ela zusammen) und sofort zurückgeschickt (es war schon Dezember!). Hatte auch Angst, noch Fehler zu finden, dich nicht korrigiert werden konnten, weil ich sie im Manuskript mitgeschickt hatte und nicht dieSetzerei sie verbockt hatte.
Dann war das Buch fertig, und als ichs aufschlag seh ich als erstes einen Rechtschreibfehler. Toll. War trotzdem glücklich. Hab das Buch geknuddelt und geherzt und wollte es auch kurz heiraten und seine Kinder gebären, hab es mir dann aber noch anders überlegt.
Das eine Autorenexemplar behielt ich, das andere bekam Ela. Signiert. Für die beste Freundin der Welt.
Dann hab ichs in der Verwandtschaft verteilt, das wahnsinnig teure Teil, und eine Lesung vor dem Wanderclub von meinem Opa gehalten. Kam nicht so gut an. Ist halt nicht so das Buch für Senioren.
Am 23. 12.2002 verteilte ich 12 Kommissionsexemplare über Aachen. Bis dato ist nicht ein einziges davon verkauft worden.
Im Klenkes, dem Stadtmagazin von Aachen (da hab ich zu der Zeit noch gewohnt) hatte ich eine Anzeige geschaltet, im Weihnachtskalender des Käseblattes. War teuer. Hat nix gebracht.
Dann ließ ich die Sache erstmal ruhen und wartete ab. *jeopardy-jingle*
Meine erste Tantiemenabrechnung im April 04: ganze 8€. Vier Bücher über den Verlag verkauft. Wow. *gääähn*
Mittlerweile ist mir die Sache mit dem Verlegen ziemlich egal geworden.
Ich meine, ich habe es für mich geschrieben. Für mich ganz alleine.
Und wenn ein anderer Mensch die Geschichte liest und dabei eine gute Zeit hat, bin ich überglücklich. Und wenn er mir dann auch noch erzählt, was er gut und was er schlecht fand an dem Buch, dann bin ich im siebenten Himmel.
Ist natürlich schon schön, das Buch in einem kompakten Format im Regal stehen zu haben, ist schön, ein Cover zu haben, ist schön, die ISBN-Nummer auswendig zu können. Ist schön, zu hoffen, dass es vielleicht doch was gibt, mit dem Bekanntwerden, dem Gefeiertwerden und dem Diogenes-Verlag.
Aber so viel Glück ist nur wenigen beschieden. Und nur wenige von diesen Glücklichen haben diese Glück per Leistung verdient.
Literarisches Genie ist 1% Inspiration, 2% Transpiration und 97% Marketing.
Naja, und wenn Erfolg fast nur Marketing ist, will ich gar keinen.
Da mache ich lieber mit 1%Insp. und 99%Transp. ein paar interessierte Leute glücklich.
Ach ja, wenn man viel von Hand schreibt, lernt man tausende Abkürzungen, die sonst keiner versteht und kann sich sehr professionell fühlen.
Ich liebe es!
Schreiben ist, was ich tun will. Schreiben ist, wodurch ich mich nützlich und sinnvoll, tätig und lebendig fühle. Schreiben ist, was mir im Blut, im Herzen und in der Seele liegt. Und Schreiben werde ich, solange ich noch einen Stift halten und eine Tastatur handlen kann.
Aber - und das macht mich etwas traurig aber auch etwas glücklich - keine Geschichte wird je wieder so tief aus mir raus kommen, wie diese erste. Traurig, weil das Erlebnis, diese Geschichte geschrieben zu haben, jetzt schon lang vorbei ist. Glücklich, weil ich die Geschichte jetzt lesen und lieben kann, so oft ich will.
So. Fertig. Tadaaaaa. Seelenstriptease eine Schreiberin, die eigentlich schon seit einer Stunde inner Heia sein will. Aber gut.
Gute Nacht
vogel
Mei, wirklich interessant und dramatisch die Geschichte von aleanjres Erstlingsveröffentlichung!:)
Mal schaun, ob ich da mithalten kann...
Ok, Vorwarnung: Ich hab einfach mal so planlos drauflosgeschrieben. Das merkt man dem Text an. Er ist ein Liebesbrief an meinen Erstling und an die Zeit seiner Entstehung, die bis jetzt wirklich die geilste, schrecklichschönste, extremste Zeit in meinem Leben war (und das ganz ohne Drogen, huiii) und ich könnte keinen Menschen so lieben, wie ich meinen Erstling liebe (hähä, dass das mal mein Freund nicht liest:D).
!!!Aber es muss sich wirklich keiner verpflichtet fühlen, es zu lesen!!!
!!! Und es muss auch keiner Angst haben, dass das Buch so schrecklich geschrieben ist, wie dieser Text hier!!!
Ich bin nur manchmal ein Freak. Wie Doctress Jekyll und Mrs Hyde*lach*
Aaaalso, viel geschrieben hab ich eigentlich nie. Höchstens mal was für die Schule, wo ich dann auch in höchsten Tönen gelobt wurde "Christine, du wirst mal Autorin!" Haha, jaja, schon klar, als ob ich die Ausdauer hätte, hundert Seiten über ein Thema zu schreiben! Kurzgeschichten, ok, aber nen Roman???
Naja, erstens kommt es anders... Ich hab also diese beiden Bücher gelesen, 'Das Phantom der Oper' von Leroux und 'Das Phantom' von Kay. Zweieinhalb Jahre meines Lebens war ich quasi literarisch monogam auf ein Thema fixiert, es war ja sooooo schön! Ich war süchtig. So richtig. Diese Geschichten fand ich sowas von *seufz!!!*... aber sowohl bei Leroux als auch bei Kay waren Passagen total schlecht geschrieben und unvorteilhaft konstruiert in einigen Aspekten. Waren halt nicht genau -das- was ich lesen wollte.
Ok, ich also gesucht und gesucht, aber nix gefunden. Na gut. Wer weiß am besten, was ich lesen will? Ich. Und bekanntlich muss man ja eh alles selber machen, damit es was wird:D. Also hab ich eines Tages - es war kein besonderer Tag in den unglaublich langweiligen Sommerferien 1999 - ein ursprünglich als Tagebuch gedachtes Notizbuch (wer schreibt schon Tagebuch, wenn ihm nie was passiert...) zum ständigen Begleiter erkoren. Noch einen guten, zuverlässigen Kuli mit feiner Mine und besten ergonomischen Formen, aber nicht zu dick, damit er noch ins Buch geklemmt werden kann, gekauft (ja, Schreiben macht exzentrisch*lol*) und losgeschrieben. Das Notizbuch kam mit in Urlaub, mit an den Strand, fuhr mit im Bus, lag in der Pause auf meinem Schoß, und ständig schrieb ich oder phantasierte vor mich hin. Auf einem kleinen Campingplatz an der Côte d'Argent hatte ich dann -die- Idee: ich fand die Motivation der Malers, ich fand den Traum, ich fand das Kunstwerk, ich fand den Titel, ich rannte johlend über den Campingplatz. Die Eizelle meiner Phantasie war vom Spermium der Inspiration befruchtet worden, das Kind begann zu wachsen, sich zu entwickeln, und immer wieder versprach es, wunderschön zu werden und ich riss mir Stücke ausm Herz und aus der Seele um es zu ernähren:)
Nach einem halben Jahr hatte ich dann genug Notizen zusammen, um die ersten Kapitel in Angriff zu nehmen, bzw. den Winter vor dem PC zu verbringen und die ersten vier Kapitel hineinzubannen. Hatte da ne klare Aufteilung: Notizbuch: so wies mir grad einfällt, PC: strengstens chronologisch.
Zum Glück steigerte sich das Entwicklungstempo des Buches drastisch, so dass ich das, wofür ich am Anfang ein dreiviertel Jahr gebraucht hatte, das schaffte ich bald in zwei Monaten.
Sobald der Stil, den rechte Ton einmal gefunden ist, sobald man sich eingeschrieben und die ersten dicken handwerklichen Fehler gefunden und ausgemerzt hat, kann es richtig losgehen.
Jede freie Minute saß ich entweder über meinem Notizbuch oder am PC, in einer langweiligen Bio-Stunde dachte ich mir Bergerac aus, in Deutsch ging ich die Demaskierungsszene immerwieder durch, nur in Mathe hab ich aufgepasst, denn die Lehrerin war bissig:D
Tscha, dann wurde ich vorübergehend zum Krüppel, weil ich immer schief am PC gesessen hatte (Monitor in der rechten hinteren Ecke, ich fast parallel zum Schreibtisch, die Füße auf die Tür des Aktenschränkchens gelegt, Tastatur aufm Tisch, Rücken verkrümmt). -Das- tat weh! Arbeitsunfall, schrecklich! Ich konnte drei Tage lang kaum laufen, geschweige denn eine Haltung einnehmen, in der man schreiben konnte. Und keiner wollte sich von mir diktieren lassen! *verräter, allesamt* Na gut, hab ich statt dessen mit Ela telefoniert, Ela, meiner besten Freundin, die zeitgleich auch ein Buch schrieb (Der Rosenfriedhof, gleicher Verlag wie ich, lesenswert), Ela, die sich tapfer immer wieder von mir Szenen vorlesen ließ, die meinen Perfektionismus zu zügeln versuchte, wo er dann an meine Substanz ging, die mir mit Ideen half, wenn ich feststeckte und nichtmehr weiter kam, Ela, mit der ich eine superschöne SommerWG machte, Ela, mit der ich in Spanien überkreuz Korrektur las (ich ihrs, sie meins) [ah, Spanien, auf einem riesigen, sonnenwarmen Felsen am Mittelmeer flog mir die letzte Szene am Meer zu], Ela, ohne die das Buch nie so gut geworden wäre, wie es jetzt ist (oder wie ich meine, dass es ist), Ela, die auch der Meinung ist, dass der Leser einen Charakter nicht von Anfang an durchschauen können muss, dass man sich Zeit lassen kann, bis man etwas, das auf den ersten Blick wie ein Fehler wirkt, System bekommen lässt, dass man dem Leser ruhig was zu denken geben darf. *Ela, ich liebe dich! So von innen raus platonisch, du weißt scho;)*
Tja, ich also telefoniert, bis es wieder besser ging, und gleich zurück an den PC - Körperhaltung wie gehabt, wo kämen wir denn hin, wenn ich anfangen würde, dazuzulernen!
Dazulernen, ohweh, ja, ich habe nie, nie, nie in meinem Leben so viel gelernt, wie beim Schreiben. Sich Stilmittel selber zu erarbeiten ist so eine irrsinnig befriedigende Tätigkeit! Statische und dynamische Disposkizzen mit unterschiedlichem Zoom (also grafische Darstellungen von den psychischen Dispositionen/Entwicklung eines Charakters in einer bestimmten Szene, über einen kurzen oder langen Zeitraum hinweg und auf nur einen oder mehrere Aspekte bezogen) zu zeichnen, zu prüfen, zu überarbeiten, zu übernehmen, ist so erfüllend! Formulierungen auszubügeln, implizierte Dopplungen zu killen, Mono- und Dialoge auf-, aus- und umzubauen, Szenen zu sortieren, Verlaufspläne auszuklamüsern, Rechtschreib- und Kommafehler zu eliminieren, sich auch mal schweren Herzens von etwas wirklich Gutem zu trennen... Jaaa, ich gebe es zu, Überarbeiten macht mir fast noch mehr Spaß, als neue Szenen zu entwerfen. Und was habe ich überarbeitet! Verbissen. Aber mit Herzblut. "Ich les es lieber nochmal drüber, bevor ich die nächste Szene dransetze, denn vielleicht habe ich etwas übersehen, das man später nochmal aufgreifen kann/muss oder ein fehlendes Komma oder so."
Und was habe ich recherchiert! Es gibt keinen Band von Mamas Brockhaus, den ich nicht mindestens fünfmal in der Hand hatte. Waffen, Drogen, Medizin, Kunst- und Musikgeschichte, Philosophie (da kam mir zugute, dass ich auf Religion nichts gebe und aus meinem Philosophieunterricht zehren konnte)... Und das hat auch so irre Spaß gemacht! Da kamen so viele Inspirationen beim Blättern! Stichworte, über die man stolpert, Bilder oder einzelne Worte, die man aufschnappt...
Und was war ich jedes Mal euphorisch, wenn ich ein Problem gelöst hatte, wenn ich von mir selber begeistert war, weil mir eine Szene gut gefiel! Ich hielt mich für genial!
Und was war ich missmutig und enttäuscht und in Selbstzweifel gestürzt, wenn ich ein Problem nicht lösen konnte! Wenn ich nicht weiterkam, wenn mir ums Verrecken keine Alternative zu einer Formulierung einfiel (Thesaurus, ich liebe dich trotzdem!), wenn ich einfach das Gefühl hatte, dass ich nur Scheiße zusammenschreibe!
Naja, gegen Ende des ersten Arbeitsjahres kam die Schnapsidee mit der Außerschulischen Leistung.
In der Diskussion um ein fünftes Abifach hatten sich die faulen Lehrer durchgesetzt. Neue Regelung: jeder Schüler, der will, kann eine Außerschulische Leistung anmelden und in seine Abiturprüfung einbeziehen lassen. Fächer: jedes möglich.
Ich wollte das unbedingt machen. Weil so verdammt viel Zeit fürs Schreiben draufging und ich so viel dabei lernte, dass ich einfach mein Abi damit aufbessern können musste. Ich die Arbeit also angemeldet. Der Direx war auch einverstanden und wies mir einen Lehrer zu. Der gab in unserem Jahrgang aber gar keinen Literaturunterricht und wollte nicht. Aber die Literaturlehrerin war total senil. Der Meinung war auch der Direx. Also musste der störrisch Lehrer wohl oder übel ran.
Was hat er nicht alles versucht, um mir die Sache zu versauen.
"Trauen Sie sich das wirklich zu? Ich meine, einen Roman zu schrieben, das ist gar nicht leicht." Haaaha. Ach nee? "Ich hab das Teil schon zur Hälfte fertig. Ich weiß, was ich kann. Ich werde auch die zweite Hälfte schreiben."
Gut. Ich ihm also ne Leseprobe gegeben, ne gaaanz kleine. Er war beeindruckt und hats nichtmal richtig versteckt *freu* Trotzdem wollte er meine ASL nicht betreuen. Da ging der Krieg los. Letzten Endes mussten sogar meine Eltern in die Schule kommen, weil ich wegen der Sache total aufgelöst war, ein Häufchen Rotz und Tränen.
Ich meine, Aufgabe eines Lehrer ist es, seine Schüler zu fördern. Dass ich das Recht auf eine ASL habe, steht in den Richtlinien. Dass ich nicht nur sone Teenietuse war, die sich irgendwelchen Scheiß zusammengeschrieben hat, wusste er nach der Leseprobe dann auch. Trotzdem war er nicht bereit, mich zu unterstützen. Das tat -verdammt- weh!
Er wollte meinen Roman anhand von 30 Seiten bewerten. Er meinte, er wollte sich von mir nicht vorschreiben lassen, was er zu lesen habe! Dieses Arschloch hat anscheinend überhaupt nicht begriffen, worum es bei der ganzen Sache überhaupt ging! Es wäre sein verdammter -Job- als Lehrer gewesen, mein als ASL zugelassenes Buch zu lesen, um es adäquat bewerten zu können! So wie es mein Job als Schüler ist, den Käse zu lesen, den mir ein Lehrer aufdrückt, und den Stoff adäquat in Klausuren umsetzen zu können! Und wie will man ein Gesamtwerk anhand eines Ausschnittes bewerten? Und dann auch noch so ein komplexes wie meins! Da kommt einem doch alles nur noch spanisch vor! Kompromiss: ich habe das ganze Buch abgegeben und die gelungensten Szenen auf 50 Seiten markiert. Natürlich hab ichs marketingstrategisch ausgewählt und nur Szenen genommen, die bei einem normalen Menschen Appetit auf mehr machen müssten*fiesgrins* Das war mir ein innerer Reichsparteitag (nich politisch unkorrekt gemeint), mit Ela diese Auswahl zusammezustellen! Hähäää, ham wir uns gemein und verschlagen gefühlt. Das war herrlich.
Dann musste ich noch einen Reflexiven Bericht dazu schreiben, in dem ich die Geschichte, die Charaktere, das Genre und sämtliche Stilmittel zerpflücken, auflisten und analysieren musste. Das war der totale Krampf, weil ich irgendwann einfach keinen Bock mehr hatte. Aber dank der Kameltreiberei und der Formulierungshilfe meiner Mum hatte das Teil am Ende doppelt so viele Seiten, wies als Mindestmaß in den Richtlinien stand und Universitätsqualität:D Im Nachhinein: Mama, ich liebe dich dafür. Dann gabs noch ein Kolloquium, in dem ich lockerflockig die dummen Fragen des Lehrers beantwortet habe, die nur bewiesen, dass er das Buch nicht gelesen hatte (keiner seiner Kritikpunkte hatte deshalb Konsistenz, keine seiner Fragen Biss und ich kam mir total verarscht vor - und die Zweitkorrektorin und der Direx, die bei dem Kolloquium danebensaßen und auch Fragen stellten, dachten wohl das gleiche. Hähä. Beste Frage zum Schluss: "Der Epilog Ihres Buches ist ja nun sehr idyllisch..." Mein Güte, der Typ den Schluss zwar gelesen, aber -kein- Stück mitgedacht!).
Tja, ich hab gewonnen:D Und eine glatte Eins dafür gekriegt. Hatt ich so nicht mit gerechnet. Ne Zwei hatte ich erwartet. Warn guter Tag, das. Und mein Abidurchschnitt ist dadurch um 0,4 Punkte besser geworden.
Naja, gut, war der Brösel dann auch in der Tasche.
Mein Buch war dann halt auch fertig.
Boah, das war ein Krampf, ehe ich mich getraut habe, die letzten Szenen vorm Finale zu schreiben! Fertigwerdeangst; genau so schlimm wie Weiterschreibangst; ich habe die Theorie, dass das mit ein Grund für meinen Perfektionismus ist. Diese Angst ist Schwachsinnig, aber es ist (bei mir) beim Schreiben wie in der Liebe, man will den nächsten Schritt machen, aber irgendwie hat man auch tierischen Bammel davor.
Aber ich hab mich getraut, ich habs geschrieben, ich bin geschwebt vor Glück. Dann kam das mit dem Verlegen. In meinen Träume prügelten sich Diogenes und Reclam um mein Werk und die Lektoren machten mir unmoralische Angebote. Der Literaturnobelpreis war mein.
In der Realität sah das alles etwas anders aus.
Erstmal blechte ich 30€ bei einem Notar, um mir die Urheberschaft bescheinigen zu lassen. Man wird vorsichtig, wenn man sich eine Geschichte aus lebenswichtigen Organen geschnippelt hat:)
20 Bewerbungen, soviele wollt ich probieren (weil Robert Schneider sein 'Schlafes Bruder' auch 20 mal verschicken musste, ehe einer dieses Meisterwerk deutscher Literatur verlegen wollte). Ich also tapfer Verlagsadressen gesucht, zwischendurch meinen Opa zu meinem Manager erkoren und brav ein Anschreiben und ein Exposee formuliert.
Meine Fresse, Exposees! Es gibt nichts schwereres, als ein Exposee schreiben zu müssen, wenn man noch nicht den nötigen Anstand zum Buch gewonnen hat...
Die ersten zehn Bewerbungen kamen zurück. Acht mit Absage, eine mit unmoralischem Angebot über 7.500€ Zuschuss, eines mit Zuschussankündigung und einer Homepage, die verriet, dass der Zuschuss wohl über 10.000€ würde liegen müssen - auf der ersten Seite prangte gleich: "Auch Goethe musste auf seine ersten Werke draufzahlen" und die Autorenliste las sich wie ein Who-is-Who der Reichen, Arroganten, Gelangweilten. *würg*
Ich also weitere fünf abgeschickt. War auch nix. *schnüff*
Dann kam die himmlische Ela mit dem Hinweis, sie hätt da nen heißen Tip gekriegt, BoD, ganz günstige Verlege, nettes Haus, man behält fast alle seine Rechte an dem Buch, seriös, ehrlich, klein und autorennah, kein Werbebudgé (wie immer man es schreibt...) aber hohe Tantiemen und immer nen Stand auf der Frankfurter Buchmesse.
Die haben mich dann auch genommen. Und damit gings dann los.
Ich peilte an, das Weihnachtsgeschäft mitzunehmen (es war derzeit Sommer). War garnicht so abwegig. Dann ging die Kommunikation schief. Die warteten auf meine Datei, sagten aber kein Wort davon, ich dachte, sie würden noch was ausklamüsern und mir dann Bescheid sagen, wenn ich ihnen das Manuskript schicken sollte. Ein Monat rum und nix passiert.
Gut. Dann hab ich die liebe Britta Zeiler dazu gebracht, mir ein Coverbild zu zeichnen *hugs to Britta*.
Dann kam das Korrekturexamplar an. Ich es in einer Stunde runtergerissen (mit Ela zusammen) und sofort zurückgeschickt (es war schon Dezember!). Hatte auch Angst, noch Fehler zu finden, dich nicht korrigiert werden konnten, weil ich sie im Manuskript mitgeschickt hatte und nicht dieSetzerei sie verbockt hatte.
Dann war das Buch fertig, und als ichs aufschlag seh ich als erstes einen Rechtschreibfehler. Toll. War trotzdem glücklich. Hab das Buch geknuddelt und geherzt und wollte es auch kurz heiraten und seine Kinder gebären, hab es mir dann aber noch anders überlegt.
Das eine Autorenexemplar behielt ich, das andere bekam Ela. Signiert. Für die beste Freundin der Welt.
Dann hab ichs in der Verwandtschaft verteilt, das wahnsinnig teure Teil, und eine Lesung vor dem Wanderclub von meinem Opa gehalten. Kam nicht so gut an. Ist halt nicht so das Buch für Senioren.
Am 23. 12.2002 verteilte ich 12 Kommissionsexemplare über Aachen. Bis dato ist nicht ein einziges davon verkauft worden.
Im Klenkes, dem Stadtmagazin von Aachen (da hab ich zu der Zeit noch gewohnt) hatte ich eine Anzeige geschaltet, im Weihnachtskalender des Käseblattes. War teuer. Hat nix gebracht.
Dann ließ ich die Sache erstmal ruhen und wartete ab. *jeopardy-jingle*
Meine erste Tantiemenabrechnung im April 04: ganze 8€. Vier Bücher über den Verlag verkauft. Wow. *gääähn*
Mittlerweile ist mir die Sache mit dem Verlegen ziemlich egal geworden.
Ich meine, ich habe es für mich geschrieben. Für mich ganz alleine.
Und wenn ein anderer Mensch die Geschichte liest und dabei eine gute Zeit hat, bin ich überglücklich. Und wenn er mir dann auch noch erzählt, was er gut und was er schlecht fand an dem Buch, dann bin ich im siebenten Himmel.
Ist natürlich schon schön, das Buch in einem kompakten Format im Regal stehen zu haben, ist schön, ein Cover zu haben, ist schön, die ISBN-Nummer auswendig zu können. Ist schön, zu hoffen, dass es vielleicht doch was gibt, mit dem Bekanntwerden, dem Gefeiertwerden und dem Diogenes-Verlag.
Aber so viel Glück ist nur wenigen beschieden. Und nur wenige von diesen Glücklichen haben diese Glück per Leistung verdient.
Literarisches Genie ist 1% Inspiration, 2% Transpiration und 97% Marketing.
Naja, und wenn Erfolg fast nur Marketing ist, will ich gar keinen.
Da mache ich lieber mit 1%Insp. und 99%Transp. ein paar interessierte Leute glücklich.
Ach ja, wenn man viel von Hand schreibt, lernt man tausende Abkürzungen, die sonst keiner versteht und kann sich sehr professionell fühlen.
Ich liebe es!
Schreiben ist, was ich tun will. Schreiben ist, wodurch ich mich nützlich und sinnvoll, tätig und lebendig fühle. Schreiben ist, was mir im Blut, im Herzen und in der Seele liegt. Und Schreiben werde ich, solange ich noch einen Stift halten und eine Tastatur handlen kann.
Aber - und das macht mich etwas traurig aber auch etwas glücklich - keine Geschichte wird je wieder so tief aus mir raus kommen, wie diese erste. Traurig, weil das Erlebnis, diese Geschichte geschrieben zu haben, jetzt schon lang vorbei ist. Glücklich, weil ich die Geschichte jetzt lesen und lieben kann, so oft ich will.
So. Fertig. Tadaaaaa. Seelenstriptease eine Schreiberin, die eigentlich schon seit einer Stunde inner Heia sein will. Aber gut.
Gute Nacht
vogel