Brennende Suche

Die Faszination des geschriebenen Wortes - Romane, Stories, Gedichte und Dramatisches. Auch mit Platz für Selbstverfasstes.
Nuvoin
Cool Member
Cool Member

Benutzeravatar
 
Beiträge: 258
Registriert: 28.02.2003
Di 28. Sep 2004, 22:20 - Beitrag #1

Brennende Suche

Brennende Suche


Part I

„Sterbt!“, rief er lachend und warf einen Feuerball in die vor ihm auftretende Wachentruppe. Mehrere Gardisten gingen in Flammen auf und rannten schreiend umher. Wenige Augenblicke später wurden sie von den Schmerzen übermannt und stürzten zu Boden. Auf der harten Straße schrien sich einige die Seele aus dem Leib, während die Flammen sie endgültig verzehrten – andere waren zu diesem Zeitpunkt bereits tot.
Es war amüsant für ihn. Er liebte es. Den Geruch von verbranntem Fleisch, die Angst in ihren Augen – Er mochte es sogar seinem eigenem Lachen zuzuhören.
Mit einem weiteren Feuerball ließ er den Hauptmann dieser Truppe in Flammen aufgehen.

„Hast du es schon gehört? Gestern Nacht war ein neuer Angriff des Feuerteufels!“, erzählte ihr ihre Nachbarin. „Schon wieder? Wo war diesmal der Angriff?“, unterbrach sie sie seufzend.
So ging es schon mehrere Monate. Am Anfang erhielten sie die Nachrichten in längeren Abständen. Heute erhielten sie fast jeden zweiten Tag eine. Doch trotzdem brach jedes Mal aufs neue Panik aus. Ein Feuerteufel – so nannte man ihn – streifte umher und griff wahllos Städte und Dörfer an. Hatten die Attacken anfangs nur kleinen Bauernhöfen gegolten, so zielten sie jetzt schon auf große Zentralstädte. Das einzige, was er hinterließ, war schwarzer Ascheboden. Er griff die Menschen an, tötete die Wachen und verbrannte die gesamte Stadt, so dass noch nicht einmal mehr die Grundmauern standen. Bis jetzt konnten keine Truppen, so zahlreich sie auch waren, ihn aufhalten. Tag für Tag wurden in Erethol schon Wachmannschaften verstärkt und erhöht. Sie fragte sich immer, ob er es wagen würde, selbst die Hauptstadt anzugreifen. Früher wohl kaum, aber heute? Doch konnte sie mit niemandem darüber reden. Alle hatte schon der Mut verlassen.
„Er war diesmal in einer unserer Nachbarstädte!“, sagte ihre Nachbarin mit zitternder Stimme, „was ist, wenn wir die nächsten sind!?“
Ihre Blicke streiften fort von den großen verzierten Häusern des Marktplatzes, weiter über die Häuser der Kaufleute bis hin zur Stadtmauer. Es war eine große und breite Mauer, keine andere im Land sah so königlich aus. Doch ihre Blicken gingen weiter, weiter auf das Land hinter den Mauern. Sie gingen zu den großen Wiesen und dem morgendlichen Dunst über den fernen Wäldern, welcher ihnen oftmals Regen bescherte.
„Mach dir keine Sorgen, keine Stadt ist so gut bewacht wie Erethol! Hier sind wir absolut sicher.“, antwortete sie, immer noch mit ihren Blicken weit am Horizont. „Meinst du wirklich?“, war die Reaktion. Sie sah wieder zu ihrer Nachbarin, lächelte sie an und sagte: „Aber natürlich, wir sind absolut sicher.“
Auch wenn sie es selbst nicht glaubte, musste sie den anderen wenigstens Mut machen. Doch war es sehr anstrengend und erschöpfend.
Waren diese Mauern wirklich groß und stark genug um den Feuerteufel aufzuhalten? Auf der Mauer spazierten mehrere Hundert der besten Bogenschützen ihre Patroulie. Wie sollte ein Mann gegen hunderte Bogenschützen ankommen?

„Was wollt Ihr trinken?“, fragte der Wirt. Der Wanderer bestellte und ließ sich in seine dunkle Ecke zurückfallen. Er beobachtete die Menschen, wie sie lachten, tranken und sich amüsierten. Er wusste genau, dass solche Wanderer hier nicht gerne gesehen wurden, aber genau das machte ihm Spaß. Er wusste, dass sie über ihn redeten. Er blickte sich um. Es war ein großes Gasthaus. Viele Tische standen hier, alle voll besetzt. Auch die Theke schien gut besucht zu sein. Neben ihm prasselte das Feuer des Kamins. Die Flammen warfen Schatten. Man sah große schwarze Stuhlbeine, gestreckte Menschen und breite Tische auf dem Boden. Es machte Spaß Dinge über ihre Schatten zu betrachten. Es verlieh einem eine ganz andere Sicht der Dinge, vielleicht sogar eine klarere?
Durch die feiernden Menschen ging der kräftig gebaute Wirt, welcher sich sehr selbstsicher seinen Weg durch die Menge bahnte. Er hatte das Getränk des Wanderers auf dem Tablett und ging mit festem Schritt auf diesen zu. Er stellte es auf seinen Tisch ab, wartete kurz auf eine Reaktion und als diese ausfiel, ging er weiter.
Nachdem der Wirt ihm den Rücken zugedreht hatte, nahm der Wanderer sein Glas und kostete. „Hey.“, rief er diesem hinterher. Doch der Wirt reagierte nicht. „HEY!“, schrie der Wanderer lauter. Einige Besucher des Gasthauses blickten auf. Der Wirt blieb stehen und drehte sich langsam um: „Stimmt etwas nicht?“ „Ja, dein Gesöff hier schmeckt scheußlich!“, brüllte der Wanderer ihm zu. „Hast du etwa etwas gegen meine Getränke!?“, antwortete der Wirt leicht erzürnt „Das ist der beste Gasthof in der ganzen Stadt!“, fügte er hinzu. „Es schmeckt trotzdem scheußlich“, wiederholte der Wanderer, stand auf und warf das Glas zu Boden. Es zersprang mit einem lauten Klirren und der Inhalt lief über den Holzboden. Jetzt war der Wirt sichtlich erzürnt. Er stürzte zu dem Wanderer und hob ihn an seinem Mantel in die Luft empor. „Was ist dein Problem, Bürschchen?“
Die Menschen schienen so primitiv. War es nicht offensichtlich, dass er ihn provozieren wollte? Und jedes Mal aufs neue fielen sie darauf herein. Es konnte sein, wer wollte. Bestimmt wäre es selbst beim König nicht anders gewesen.
Er kostete es noch einen Moment aus. Er sah zu, wie die Stühle leer wurden, da alle aufstanden um besser sehen zu können. Er hörte, wie sich eine Stille ausbreitete – eine angespannte Stille. Man hätte in dem Moment eine Stecknadel fallen hören können, alle wollten wissen, was der Wanderer sagen würde. Die Menge starrte mit großen Augen auf die beiden Männer. Wie würde der Wirt reagieren?
„Mein Problem?“, flüsterte er leise. „Du fragst mich, was mein Problem ist!?“, sprach er jetzt deutlich lauter, so dass jeder es hören konnte. Dann war es kurz still. „Ihr seid mein Problem“, lachte er. Alle sahen ihn verwundert an. Auch war sein Lachen sehr ungewöhnlich für einen Menschen, es klang so tief und dunkel. „Sag mal Bürschchen, ich glaube, du hast eine Abreibung verdient!“, rief der Wirt laut. „Versuchs doch!“, war die trockene Antwort.
Grade in diesem Moment fing die Luft an zu kochen. Die Kleidung des Wanderers begann zu brennen. Seine ganze Haut brannte. Er brannte. Der Wanderer wurde zu purem Feuer. Schreiend vor Schmerz ließ der Wirt ihn los. Er sackte auf die Knie und sah erschrocken auf seine verbrannten Hände. „Der Feuerteufel!“, schrie die Menge in plötzlicher Panik. Alle versuchten zum Ausgang zu rennen. Es gab eine Massenhysterie. Der Wirt hingegen sackte nur noch weiter zu Boden. Er konnte wegen seinen Verletzungen nicht mehr anders handeln. „Und jetzt sterbt...“, flüsterte der Feuerteufel. Mit einer Handbewegung brannte die ganze Gaststätte. Kaum einer schaffte es zum Ausgang. Sie starben alle den grausamen Tod des Feuers. Der hölzerne Fußboden, die hölzernen Tische und Stühle, es stand alles in Flammen. Es dauerte nicht lange, bis der rote Tod auch auf die Decke überschlug. „Lebt wohl“, sagte er mit einem Grinsen auf dem Gesicht und verließ die brennende Hölle.
Als er aus der Tür schritt, standen sofort hunderte Wachen vor ihm. „Oh, ihr seid aber wirklich schnell.“, rief er ihnen zu. Er hob den Arm und öffnete die Hand. Über seinem brennenden Körper erschien eine rote Kugel, welche sehr schnell zu einem gigantischen Feuerball heranwuchs. Er drehte sich mit großer Geschwindigkeit um und warf diese mit einem lauten Schrei in das lodernde Haus. Es gab viel Lärm und das Gebäude stürzte in sich zusammen. „Pfeile!!!“, hörte er hinter sich schreien.
„Es kitzelt jedes Mal aufs neue...“, dachte er sich, als mindestens hundert Pfeile auf seinen Rücken trafen und sofort verbrannten. Der Feuerteufel drehte sich wieder um: „Ihr Narren! Glaubt ihr, ihr könnt einen Feuerteufel töten, in dem ihr ihm Brennholz gebt!?“ Doch die einzige Antwort, die er bekam, war der Befehl für die Schwertkämpfer.

Nuvoin
Cool Member
Cool Member

Benutzeravatar
 
Beiträge: 258
Registriert: 28.02.2003
Di 28. Sep 2004, 22:21 - Beitrag #2

Part II

„Diese Dummköpfe“, dachte er sich, „jedes Mal ist es dasselbe. Jedes Mal erst die Bögen und dann die Schwerter. Jedes Mal wird wegen ihrer Dummheit eine ganze Stadt vernichtet.“
Die Gardisten rannten mit gehobenen Schwertern auf ihn zu. Doch er blieb seelenruhig stehen und wartete ab. Gleich würde es wieder geschehen.
„Ahhh!!! Ist das heiß!“, schrieen sie fast synchron. Sie warfen ihre Schwerter auf den Boden und versuchten sich aus ihren glühenden Rüstungen zu befreien. Doch verbrannten sie sich bei dem Versuch nur noch die Hände.
Wieso lernten sie nicht aus ihren Fehlern? Er dachte oft darüber nach. Vielleicht lag es auch daran, dass nie jemand überlebte. Aber wenn dem so wäre, woher wüssten sie dann von seiner Existenz?
„Sterbt für eure Dummheit!“, brüllte er auf den großen Platz. Es war ein Marktplatz, ringsherum von Häusern des Adels umgeben. Ob sie noch in ihnen waren? Ringsherum waren fast keine Bürger mehr zu sehen. Man erkannte nur noch ein paar, die in die Seitengassen rannten. Doch ob sie davon flohen oder nicht, ihr Schicksal stand fest.
Der Feuerteufel hob beide Hände. Er starrte zu Boden und schien sich mehr und mehr zu verkrampfen. Irgendetwas schien ihn sehr viel Kraft zu kosten. Schließlich schrie er laut auf. Über ihren Köpfen entstand eine Wolke, welche immer größer wurde. „Seht, eine Regenwolke!“, riefen die wenigen noch lebenden Gardisten, mit Glücksgefühlen überschüttet, „wir sind gerettet!“ Die Wolke wurde größer und größer. Und genau so wie sie wuchs, wurde sie immer dunkler. Als sie fast die ganze Stadt überdeckte und rabenschwarz war, atmete der Feuerteufel auf. „Lebt wohl“, lachte er und zeitgleich fing es an zu regnen. Doch was sonst Wassertropfen waren, waren nun Flammen.
Die gesamte Stadt fing an zu brennen. Es war ein gigantisches Inferno. Überall hörte man Schreie, Todesschreie. Erst brannten nur die Dächer, dann die ganzen Häuser und schließlich alles was sich in der Stadt befand. Selbst der steinerne Boden schien in Flammen aufzugehen.
Es dauerte nicht lange, bis man nur noch den roten Tod sah.
„Ist es nicht schön angenehm warm!?“, lachte er in das Feuer hinein. Doch konnte ihm nun keiner mehr antworten. Jetzt kam eigentlich der Teil, in dem er sich noch um die restlichen, fliehenden Menschen kümmerte. Doch hatte er heute nicht die Lust dazu. Diese Stadt war die größte, die er je angegriffen hatte, es würde wohl Stunden dauern. Normalerweise machte es ihm Spaß, doch hatte er nun genug davon. „Sollen diese Dummköpfe ruhig meine Taten weiter erzählen... damit sie nächstes mal nicht so dumm handeln!“, sagte er sich.
Er war es leid. Immer handelten sie gleich. Erst dachte er, in den größeren Städten würden sie klüger handeln, doch war dem nicht so. Sie handelten zwar größer, aber nicht klüger.

„Wo willst du hin?“, fragte ihre Nachbarin. In ihr Gesicht war förmlich der Schrecken geschrieben. „Meine Großmutter ist vor kurzem verstorben. Ich habe heute Morgen die Nachricht erhalten. Ich werde mich sofort auf den Weg machen.“, antwortete sie, während sie noch einmal ihren Koffer überprüfte. „Du kannst nicht gehen! Es ist viel zu gefährlich!“, sagte die Nachbarin und wurde dabei kreidebleich, „er ist hier in der Gegend, du hast doch gehört, dass wir in der Stadt bleiben sollen.“
Eigentlich war sie froh, von hier weg zu kommen. Sie hielt es nicht mehr aus, den Menschen andauernd Mut zu machen. Die Auszeit würde ihr gut tun.
„Mach dir doch nicht so viele Sorgen. In einer Woche werde ich zurück sein.“, sagte sie mit einer lieben Stimme und sah ihre Nachbarin dabei ruhig an. Doch eine Antwort bekam sie nicht. Sie wurden von den Wachen unterbrochen, welche ihr Gepäck zu der Kutsche brachten. „Ich werde für euch beten“, waren die letzten Worte ihrer Nachbarin.
Sie nickte zum Abschied dankbar und folgte dann den Wachen zu ihrer Kutsche. Als ihre Koffer verstaut waren, stieg sie ein. Es war eine große Kutsche, welche den Reichtum ihrer Familie zeigten. Außen war sie sogar mit Goldmalereien verziert. Sie hätte am liebsten darauf verzichtet, aber ihre Familie wollte es so. Vier Pferde zogen die große Kutsche hinter sich her und wurden dabei von dreißig Soldaten begleitet. Kaum eine andere Familie konnte sich so etwas leisten. „Alles zu deiner Sicherheit“, sagten sie immer. Doch dies gefiel ihr nicht. Wäre sie doch viel sicherer, wenn sie alleine in der Kleidung einer Bäuerin ginge. So würde sie nicht auffallen. Doch gegen das Wort ihrer Eltern konnte sie nichts tun.
Als sie in die Kutsche stieg und sich setzte, zogen die Pferde sofort an und die Fahrt ging los. Sie wollten nur zum Nachbarort, es war wohl eine dreistündige Reise. Als sie das große Stadttor passiert hatten, zog sie den Vorhang des Fensters zur Seite und betrachtete das Gelände. Es tat ihr gut, auch mal etwas anderes zu sehen. Sonst konnte sie alles nur von weitem betrachten, jetzt auch mal etwas näher.

Er ging die Straße entlang. Wanderte er sonst immer abseits, so hielt er es heute nicht für nötig. Er hatte sich neu eingekleidet und seine menschliche Gestalt angenommen.
Mehrere Stunden schon ging er dahin, ohne auch nur ein bisschen Müdigkeit zu verspüren. Seine Beine trugen ihn einfach über den Boden. Hunger oder Durst verspürte er nicht. Damals hatte er noch gegessen und getrunken, heute ließ er es sein. Es schien, als würde die Energie auf andere Weise zu ihn kommen.
Sein Ziel war Erethol, die größte und mächtigste Stadt im ganzen Land. Er hoffte, wenn wohl auch vergebens, dass die Menschen dort nicht so waren wie überall. Er hoffte, dort etwas besonderes zu finden.
Als er schon lange auf der Straße ging, sah er am Horizont eine kleine Karawane. Von weitem konnte man es nicht erkennen, aber es schien, als wäre es eine Kutsche und ein paar Menschen. „Komisch... sonst habe ich noch nie Menschen außerhalb ihrer Städte gefunden“, dachte er sich. Doch dann fiel ihm ein, dass er ja sonst immer abseits der Wege ging.
Als er die Straße immer weiter ging, ließ sich die kleine Karawane besser beäugen. Es war eine sehr edle Kutsche, die von vier Pferden gezogen wurde. Auf der Kutsche waren goldene Wappen zu erkennen. Sie wurde von mehreren Kriegern umgeben und beschützt. Es waren alles Fußsoldaten, die vorderen hatten Schwerter, die hinteren Bögen. „Dieser Adel... wozu das alles?“, sprach er vor sich hin.
Es dauerte noch ein bisschen, dann stand er vor den ersten Soldaten. „Geht zur Seite!“, sagte der vorderste. Doch der Wanderer rührte sich nicht. „Ich wiederhole: Geht zur Seite!“, rief der Soldat. Nun ergriff der Wanderer das Wort: „Wo gedenkt ihr hinzugehen?“ „Diese Straße führt nur nach Aledo. Und nun macht Platz, oder wir wenden Gewalt an.“ Der Wanderer schmunzelte: „Aledo existiert nicht mehr. Der Feuerteufel hat es verbrannt! Ich wollte zum König und ihm Bericht erstatten!“

„Wieso geht es denn nicht weiter?“, fragte sie sich. Sie öffnete das Fenster und sah, wie der Hauptmann sich mit einem Wanderer unterhielt. Normalerweise taten dies ihre Truppen nie, weswegen sie etwas verwundert war. Sie drückte den Griff der Tür hinunter, öffnete diese, stieg aus und ging nach vorne. „Was ist los?“, fragte sie, als sie ankam. „Ihr solltet doch nicht Aussteigen, Mylady.“, sagte der Hauptmann und verbeugte sich. „Ob und wann ich aussteige, entscheide immer noch ich.“, sagte sie stur, „wer seid ihr?“ „Ich bin ein Wanderer und komme aus Aledo“, antwortete er und verbeugte sich ebenfalls, „was macht so eine Schönheit wie Ihr mit so einem Gesindel von Soldaten?“ Wenige Sekunden nachdem diese Worte fielen, hatte sich schon der Hauptmann zwischen den Wanderer und sie gestellt. Die restlichen Wachen kamen und umzingelten ihn. „Oh, habe ich jetzt etwa meine Zunge nicht zügeln können?“, lachte der Wanderer. „Das sind tapfere Männer! Sie begleiten mich, obwohl hier draußen der Feuerteufel sein Unwesen treibt! Also redet nicht so von ihnen.“, sagte sie. „Oh, ich bitte um Verzeihung. Aber seien wir mal ehrlich. Was sollten diese Idioten denn schon machen, wenn der Feuerteufel hier auftauchen würde?“, sprach er so laut, dass man es noch zehn Schritte weiter hätte hören können. Die Wachen zogen ihre Schwerter und gingen näher auf ihn zu. „Wie könnt ihr so von ihnen reden? Ich bin mir sicher, dass sie mich verteidigen könnten!“, sagte sie aggressiv. Sie wusste zwar, dass ihre dreißig Männer nichts hätten tun können, aber war sie jetzt so aufgebracht, dass sie es trotzdem behauptete. Immerhin schien es ihr nur ein harmloser Wanderer zu sein.
„Wir werden uns um ihn kümmern, Mylady!“, rief der Hauptmann.

Sie gefiel ihm. Es bereitete ihm Freude, sie aufgebracht zu sehen. Sollte er es tun? Sollte er ihr zeigen, dass er der Feuerteufel war? Sie würde wohl in panischer Angst fort laufen.
„Es tut mir leid“, sprach er und verbeugte sich, „ich wollte nicht so von Euren Truppen reden. Ich wollte nur die Wahrheit sagen.“ Er machte eine kurze Pause und wartete auf eine Reaktion. Als er merkte, dass diese ausfiel ,sprach er weiter: „Ihr wollt also nach Aledo, stimmts?“ „Ja das wollen wir! Und nun geht aus dem Weg!“, rief die Frau. „Dann tut es mir leid, aber ihr könnt wieder umkehren.“, sagte er so traurig, dass jeder im ganzen Land ihm seine Rolle abgekauft hätte, „Der Feuerteufel hat es verbrannt. Es blieb nichts mehr übrig.“ Er sah, wie sie erschrocken nach Worten suchte. Es schien ihr irgendwas an diesen steinernen Schluchten gelegen zu haben. „Wo.. woher wisst Ihr das?“, sagte sie mit leiser Stimme.
Der Wanderer hielt es nicht mehr aus. Er spürte, wie es in ihm aufstieg. Schließlich lachte er laut auf. „Woher ich es weiß!?“, rief er, „weil ich die Stadt zerstört habe! Und wenn ich sagen würde, ich hätte sie bis auf ihre Grundmauern niedergebrannt, dann wäre das falsch, denn noch nicht einmal diese sind noch da!“ Er lachte laut und fürchterlich. „Was für ein Irrer!“, rief der Soldat, der ganz vorne stand, „ergreift ihn!“
Die Soldaten kamen alle weiter auf ihn zu. Sie steckten ihre Schwerter weg und hielten ihn fest, um ihn von der Straße zu ziehen. Der Wanderer glaubte es nicht. Er hatte ihnen erzählt, wer er war und trotzdem hielten sie ihn nur für einen Lügner und Taugenichts. „Die gesamte Menschheit scheint nur aus Narren zu bestehen!“, rief er laut und entflammte. Er verwandelte sich in den Feuerteufel. Sein Körper wurde zu purem Feuer und ließ die Soldaten, welche ihn ergriffen hatten, wie einst beim Wirt, in Flammen aufgehen. „Ahhh“, schrieen sie laut vor Schmerz. Während die eine Hälfte der Schwertkämpfer loderte, begannen die Bogenschützen ihre Bögen mit Pfeilen zu bestücken. Sie zogen die Sehne weit nach hinten und ließen schließlich los. Mit Zischen durchschnitten die Pfeile die Luft, bis sie beim Aufprall verbrannten.
Der Feuerteufel stand immer noch so da und lachte. „Lebt wohl, Hauptmann.“, sagte er und in diesem Moment ging dieser in Flammen auf und rannte schreiend weg. Die Soldaten, die verschont geblieben waren, ergriffen jetzt die Flucht, falls sie es nicht schon längst taten.
Doch die Frau blieb stehen. „Wieso tut ihr das diesen tapferen Männern an? Für wen haltet ihr Euch!“, schrie sie ihm zu. Er stand nur vier Schritte weit weg und trotzdem fürchtete sie sich nicht. „Erstaunlich“, dachte er. So eine Person war ihm noch nie über den Weg gelaufen. Der erste Mensch, der etwas mehr Mut als die anderen zeigte. Wenn auch gleich mehr Dummheit als alle anderen. Sie ganz alleine gegen den Feuerteufel?

Nuvoin
Cool Member
Cool Member

Benutzeravatar
 
Beiträge: 258
Registriert: 28.02.2003
Di 28. Sep 2004, 22:24 - Beitrag #3

Part III

Dieses Monster hatte all ihre Leibwächter getötet. Er stand vor ihr, der gefürchtete Feuerteufel. Doch sie konnte nicht wegrennen. War es die Angst, die sie zum stehen bleiben zwang? Oder war es doch etwas anderes?
Sie sah den Feuerteufel vor sich. Er sah aus wie ein brennender Mensch. Doch bei näherem Hinsehen musste sie sich verbessern, er sah aus wie ein Mensch aus Feuer. Er hatte alle anderen verjagt, und nun sah er sie an. Obwohl es durch seine Anwesenheit heiß war, fror sie.
„Für wen ich mich halte? Was glaubt ihr denn, für wen ich mich halte?“, riss der Feuerteufel sie aus ihrer Starre. Er ging einen kleinen Schritt auf sie zu. Sie suchte nach einer Antwort. Was sollte sie ihm sagen? Würde er sie gleich töten? Doch auch wenn, durfte sie jetzt nicht den Mut verlieren. „Ihr seit ein bösartiger und gemeiner Schuft, welcher nichts besseres zu tun hat als zu Zerstören und zu Morden!“, schrie sie ihm so laut sie konnte ins Gesicht. Doch ihre Worte schienen an seinem flammenden Körper zu ersticken. „So, und was seid Ihr dann? Ein verlassenes Weib, dass nichts besseres zu tun hat, als sich mit einem Mörder zu streiten?“, lachte er. Sie trat einen großen Schritt auf ihn zu und schrie ihn an: „Warum seid Ihr nur so kalt in Eurem Innersten? Nach außen hin so heiß wie die Sonne, aber doch kalt wie Eis.“
Woher sie diesen Mut nahm, wusste sie nicht. Er fiel ihr scheinbar einfach so zu. Doch woher er auch kam, sie nutzte ihn. „Und warum nennt ihr mich Weib? Ihr habt wohl nie gelernt, wie man sich gegenüber einer Lady verhält!“, fuhr sie fort.
Der Feuerteufel ging noch ein bisschen auf sie zu. Sie standen nur noch einen Schritt voneinander entfernt. Sie dachte, es müsse viel wärmer sein. Ihr war nicht heiß, und auch der Frost hatte sie verlassen. Sie fühlte sich ganz normal. Was war los? Hatte sie schon solche höllischen Schmerzen, dass sie ganz taub durch diese war?
„Ihr wollt in mein Innerstes hinein sehen? Glaubt ihr etwa, dort etwas zu finden?“, er lachte laut auf, „ihr seid wirklich mutig, Weib. Doch zugleich auch dumm.“ Sie sah ihn zitternd an. Waren dies jetzt seine letzten Worte? War dies das Letzte, was sie hören sollte? Er fuhr fort: „Einen so außergewöhnlichen Menschen wie Euch habe ich noch nicht getroffen. Es wäre zu schade um Euch, so will ich Euch am Leben lassen.“

Er sah, wie ihre Augen bei diesem Satz immer größer wurden. Sie suchte scheinbar nach den passenden Worten, um sich bei ihm zu bedanken. Es tat gut, einen Menschen zu sehen, der gleichzeitig Angst hatte, aber dennoch genug Mut um zu bleiben. Warum er ihr das Leben schenkte, verstand er selbst nicht. Vielleicht war es die Vorfreude auf Erethol, welches ihn erwartete.
„Ihr schenkt mir mein Leben!? Wie wollt ihr mir ein Leben schenken, welches Euch nicht gehört!“, sagte sie immer lauter werdend.
Diese Antwort überraschte ihn. Was wollte sie damit sagen? Er war so gnädig und verschonte sie, aber sie bedankte sich nicht, sondern beschuldigte ihn. Wollte sie etwa ihr Leben genommen bekommen?
„Was sagt Ihr da? Ich habe Euch in meiner Gewalt, Ihr könnt nichts tun. Also ist es mein Leben. Und da ich Eurer gnädig bin, seid Ihr frei.“, antwortete er. Er verstand es nicht. Sie schien nach diesem Satz sogar noch wütender zu sein.
„Und was will ich mit diesem Leben!? Ihr werdet nach Erethol gehen und mir all das nehmen, was mir mein Leben ausmacht!“, erklärte sie ihm mit kräftiger Stimme.
Hing sie etwa an den steinernen Schluchten und stinkenden Menschenmassen? Er konnte es nicht fassen. „Schweigt, Lügnerin! Ihr sprecht die Unwahrheit! Schwört Ihr mir etwa bei Eurem Leben, dass Ihr an dieser Stadt hängt?“, sprach er. Nach diesen Worten war Stille. Es war sogar so leise, dass man das Gras hörte, wie der Wind mit ihm spielte. Man hörte auch noch ab und zu die Pferde mit ihren Hufen scharren. Selbst diese schienen mutiger gewesen zu sein als die restlichen Soldaten, dachte er. Sein Blick versuchte sie zu durchbohren. Sie stand da, sah zu Boden und wusste nicht, was sie tun sollte. Dachte sie über seine Sätze nach? Oder war sie etwa so närrisch und betete um Hilfe?

Er hatte Recht. Sie hing nicht an dieser Stadt. Sie hing nicht an diesen Menschen. Es war nicht ihr Leben. Doch welches war das Ihre? Sie starrte auf den Boden. In der Nähe ihrer Füße kroch eine Raupe. Selbst diese schien wohl glücklicher zu sein als sie. Die Raupe kroch von einem Schuh zum anderen. Die Zeit verstrich, ohne das etwas geschah.
Wieso musste gerade er sie von dieser Tatsache überzeugen? Und jetzt, wo sie nicht antwortete? Was würde geschehen. Tötete er sie jetzt doch?
Plötzlich spürte sie eine Hand an ihrer Wange. Sie sah auf. Vor ihr stand der Feuerteufel, in voller Größe und entflammtem Körper. Er hielt mit seiner brennenden Hand ihre Wange. Doch schien das Feuer nicht über zu springen und er tat auch nicht weh. Es war nur wärmend. Sie konnte sogar die menschliche Hand unter den Flammen fühlen, auch wenn er in dieser Gestalt keinen richtigen Körper zu haben schien.
„W...wie...“, stotterte sie. „Mein Feuer ist nur für die tödlich, die ich töten will. Ansonsten kann es ganz ungefährlich sein.“, antwortete er, „und, gesteht Ihr Eure Lüge? Wie könnt Ihr sagen, Ihr würdet an der Stadt hängen? Habe ich Euch gleich von Anfang an anders eingeschätzt als die restliche Menschheit. Ihr seid nicht so wie diese armseligen Kreaturen, also warum solltet Ihr an ihrer Welt hängen?“ Sie wusste nicht, wie ihr geschah. Wie konnte er ihr all das sagen? Wie konnte er ihr das sagen, was sie jahrelang versuchte zu verdrängen!? Was sollte sie tun? Wie sollte sie fühlen? In ihrer Ratlosigkeit konnte sie ihn nur anstarren, nicht mehr und nicht weniger. Doch plötzlich tat er etwas, was sie nie geglaubt hätte. Er gab ihr etwas, was ihr alles gab und gleichzeitig noch mehr entriss. Er tat etwas, was noch viel schlimmer war als jeder Tod- sei er noch so grauenvoll.
Er küsste sie. Sie spürte, wie sich von ihrem Mund eine Wärme ausbreitete. Eine Wärme, die den ganzen Körper ausfüllte, ihn überflutete. Es ging von jedem einzelnen Haar bis hin zu ihren Fußzehen. Sie sah vor sich ein brennendes Ungetüm, welches sie küsste. Doch sie spürte keinen Schmerz, ganz im Gegenteil. Sie spürte all das Glück, welches sie ihr ganzes Leben vergebens gesucht hatte. Sie spürte all diese Zufriedenheit, die sie nie bekam. Sie schloss die Augen. Wie lange der Kuss dauerte, wusste sie nicht. Ob sich die Zeit in Sekunden bewegte oder ganze Tage verstrichen, sie wusste es nicht. Sie wusste nur, dass es ihr gut ging. Sie genoss es. Der einzige Mensch, der ihr all das gab, was sie nie bekommen hatte, war der brutalste Mörder den es je gab.
Als der Kuss endete, wurde ihr all dies auf einmal entrissen. Sie spürte, wie die Wärmequelle erlosch und von diesem Punkt langsam wieder die Kälte in ihren Körper eintrat. Dort, wo bis eben noch all das Glück war, zeigte sich nun nur die Trauer. Sie spürte, wie die Wärme immer weiter schwand, bis schließlich Haar und Zehen wieder kalt waren.
„Und nun geht zur Seite, Weib. Ich werde nun nach Erethol gehen.“, sagte der Feuerteufel trocken. Er schritt an ihr vorbei, direkt auf ein Pferd zu und begann dieses loszubinden.
Das war alles, was er ihr zu sagen hatte!? Nach so einem Kuss sollte sie nur zur Seite gehen? Warum tat er dies? Hatte er sie etwa nur aus Spaß geküsst? Oder wollte er sie all diesen Schmerz fühlen lassen? Vielleicht war sie in seinen Augen so arm, dass er nur Mitleid hatte? Sie verstand nicht. „Mit diesem Kuss...“, sagte sie leise, „mit diesem Kuss, habt ihr mir wirklich mein Leben genommen.“
Als er das Pferd losgebunden hatte, zündete er die Kutsche an. Die anderen Pferde rannten voller Panik vor dem Feuer weg, zogen aber dabei die Kutsche weiter hinter sich her. „Ich werde nun meine Reise nach Erethol fortsetzen. Versucht nicht mir zu folgen.“, sagte er in dem selben stumpfen Ton wie seine letzten Worte.
„Ihr könnt Erethol nicht zerstören! Das kann ich nicht zulassen!“, rief sie laut. Der Feuerteufel sah sie mit finsterem Blick an. Dann hob er seinen Arm und zielte mit seiner Hand auf sie. „Und genau das werde ich jetzt verhindern!“, rief er. Plötzlich stieß um sie herum eine hohe Feuermauer aus dem Boden. Sie war von den Flammen umzingelt. „Es wird Euch nicht töten. Sie werden nach einiger Zeit erlöschen. Doch dann sollte es zu spät für Euch sein.“, rief er ihr über den feurigen Rauch zu.
Gerade als er auf sein Pferd aufsteigen wollte, begann sie ein Gespräch, welches ihn noch einmal zum Warten brachte: „Was sucht Ihr denn in Erethol? Wieso das Ganze?“ Der Feuerteufel drehte sich um und sah sie an: „Ihr würdet es nicht verstehen. Also lasst es lieber bleiben.“ Doch sie bestand auf einer Antwort. Nachdem er so viel von ihr wusste, ohne das sie es erzählt hatte, wollte sie auch etwas über ihn wissen. „Wollt Ihr etwa so bis zu eurem Tode weiterleben?“, fragte sie. Er schien nachzudenken. „Auch wenn Ihr Euch sicherlich nicht das selbe unter euren Worten vorstellt wie ich, so habt Ihr doch recht. Ich will bis zu meinem Tode so weiter machen.“, war sein letzter Satz. Danach nahm er seine normale Gestalt an, stieg auf das Pferd und ritt fort.
Sie stand nun da, in dem Feuerkreis gefangen und konnte nichts tun. Was meinte er mit seinen Worten? Wieso wollte er bis zu seinem Tode weiter machen? Wann oder wie sollte denn sein Tod sein, wenn er sich seiner zukünftigen Handlung so sicher war?

Nuvoin
Cool Member
Cool Member

Benutzeravatar
 
Beiträge: 258
Registriert: 28.02.2003
Di 28. Sep 2004, 22:24 - Beitrag #4

Part IV

Als der Wanderer Erethol am Himmelsrand erspähte, stieg er von dem Pferd ab. Er gab ihm einen Klapser auf den Hintern, damit es wegrannte. Dann ging er zu Fuß weiter.
Er staunte, als er durch das große Tor schritt. Hunderte Bogenschützen standen auf der großen Mauer, während wieder hunderte Fußsoldaten die Tore bewachten. Es war ein großer Anblick, jeder normale Mensch wäre von dieser gigantischen Mauer mit den vielen hundert Wachen begeistert gewesen. Doch der Wanderer nicht. Er war enttäuscht. All diese Sicherheitsvorkehrungen halfen ihnen nichts. Sie glaubten auch tatsächlich, dass der Feuerteufel sie einfach so angreifen würde. Er konnte als unscheinbarer Wanderer einfach so in die Stadt spazieren. Er konnte einfach all die Wachen hinter sich lassen und zur Mitte der Stadt gehen. Es schien alles so einfach...
Als der Wanderer das Tor passiert hatte und sich eine Straße bergauf zum Marktplatz begab, hielt er kurz inne und drehte sich um. Er blickte dorthin, woher er kam. Dann schüttelte er den Kopf und ging weiter.
All die Häuser, die auf der Straße standen, waren sehr groß. Noch um einiges größer als in Aledo. An jedem hingen Wappen. Scheinbar wohnten hier die höchsten Fürsten im ganzen Land. Doch der Wanderer verstand nicht, so viele Fürsten in den Städten, wer war denn da noch ein normaler Bürger? Die Straßen waren voll von Menschen, so dass er auf eine Nebenstraße auswich, um leichter zum Marktplatz zu kommen. Hier schien man nicht ganz so gut auf die Straße acht zu geben. Überall lag Dreck herum, welcher schon bei halber Menge störend wäre.
Als sich der Wanderer endlich durch die Straßen Erethols gekämpft hatte, kam er zum Markplatz. Auch dieser war mächtig groß. Er war der Gipfel eines kleinen Hügels. Von hier aus konnte man die ganze Stadt sehen und einen großen Teil des Landes. Doch deswegen war er nicht hier. Er suchte sich das nächste Gasthaus und trat ein.
Als er drinnen war, sah es auch nicht sehr viel anders aus als alle anderen Gasthäuser. Die Tische sowie Stühle waren aus Holz. Genau so wie Fußboden und Decke. Die Gasthäuser waren zwar dahingehend anders, dass immer andere Schnitzereien in dem Holz waren, doch das war eher Nebensache. Holz war Holz.
Wie schon in Aledo nahm er sich einen Tisch in einer dunklen Ecke in der Nähe des Kamins. Er setzte sich erst einmal hin und entspannte. Er wollte noch nichts zu trinken bestellen, dazu war es noch zu früh. Die Zeit lief ihm nicht davon.
Wie er dort saß, ging ihm einiges durch den Kopf. Vor allem die Frage „Wollt Ihr etwa so bis zu Eurem Tode weiterleben?“ ließ ihn nicht mehr los. Er fragte sich selbst, was er hier machte. Er suchte und suchte, doch fand er nichts. Was er finden wollte, hatte er schon ganz vergessen, so lange suchte er schon. Er rief sich all die Gedanken aus längst vergangenen Tagen noch einmal in den Sinn. Wieso, dachte er nur. All diese Menschen, alle konnten ihn nicht stoppen. Er kam, zerstörte und verließ. Egal wo er war, nichts änderte sich. Immer und immer wieder dieselbe Geschichte. Wann würde er es wohl zu weit treiben?
Irgendwann war er des Denkens müde und sah sich einmal genauer in der Taverne um. Die Menschen, die hier saßen waren hier vorhin noch nicht gewesen. Er musste schon ziemlich lange hier gesessen haben, bemerkte er. Doch obgleich es andere Menschen waren, machte es keinen Unterschied. Sie tranken, lachten und stanken genau so wie die vorherigen auch. Ihre Schatten waren mal kleiner, mal größer, sie waren mal dicker, mal dünner, doch sahen sie fast immer gleich aus. Dieselben schwerfälligen Bewegungen, dieselbe nichtige Wirkung. Er könnte die Schatten noch größer machen als sie waren. Jawohl, er konnte sie sogar sehr viel größer machen, doch wirkten sie dann auch anders? Wie schon so oft musste er seufzen. Nein, es wären immer noch dieselben mickrigen Schatten...
Nachdem er noch mehrere Stunden mit Nachdenken verbracht hatte, wurde er von ein paar Rufen zurückgeholt. „Das ist er!“, schrie jemand. Erschrocken blickte der Wanderer auf. Er erkannte einen Mann, der zwei Soldaten mit sich führte. Der eine hatte schon Pfeil und Bogen gezogen und ehe sich der Wanderer versah, verließ der Pfeil schon die Sehne. Er flog mit großer Geschwindigkeit direkt auf ihn zu und durchbohrte ihn. Vom Schmerz getroffen sackte der Wanderer auf seinem Stuhl zusammen.
Der Schmerz durchströmte seinen ganzen Körper. Es war das erste Mal, dass er so etwas wie Schmerz fühlte. Es war ein Geschenk für ihn. Es tat ihm so gut. Vor seinen Augen verschwamm alles. Er begann das Gefühl in Armen und Beinen zu verlieren und fühlte sich völlig frei. Es schien, als würde die Zeit still stehen. War er tot? Fühlte es sich so an, wenn man tot war? Aber er wusste, dass er unmöglich tot sein konnte. Ein einziger Pfeil? Pah, wie lächerlich, dachte er.
Wie in Zeitlupe hörte er Schritte auf ihn zukommen. Er hörte nur diese. Er hörte, wie sich das Holz unter ihnen bewegte und knarrte. Wieso hörte er nur dies? Es schien der andere Soldat zu sein, der mit seinem Schwert auf ihn zu rannte. Er würde ihm wohl gleich den Kopf abschlagen, dann war es aus.
Mit diesem Gedanken entflammte der Wanderer und wurde zum Feuerteufel. Der Pfeil, der in ihm steckte, verbrannte sofort und jeglicher Schmerz verließ ihn. Mit einem lauten Schrei ging alles in drei Meter Entfernung in Flammen auf. „So leicht werde ich es euch nicht machen!“, brüllte er laut. Der Soldat mit dem Bogen rannte sofort aus dem Gasthaus hinaus ins Freie. „Dich werde ich mir holen!“, rief er ihm laut hinterher.
Doch der Pfeil hatte ihn geschwächt. Er spürte, wie sein Feuer nicht so kräftig brannte wie sonst. Er musste sich erst wieder erholen. Erst jetzt begriff er, wie nah er doch dem Tode war, bedachte man nur, wie verletzlich er als Wanderer war.
Mit großen, aber langsamen Schritten ging er zur Tür hinaus. Alle Menschen flohen nach draußen. Dort, wo der Flammenteufel hintrat, begann es lichterloh zu brennen.
Als er aus der Tür heraus kam und den Marktplatz betrat, konnte er seinen Augen nicht trauen. Es regnete! Hatte er so viel Zeit in dem Gasthaus verbracht? Es regnete sogar sehr stark. Die Wolken waren rabenschwarz. Ein Ende ihres Meeres war nicht zu sehen.
Doch war noch mehr auf dem Platz zu erkennen. Überall auf den Dächern der umliegenden Häuser waren Bogenschützen verteilt. Sie schienen auf den Befehl zu warten. Die Leute, die aus dem Gasthaus geflüchtet waren, jubelten über den Regen, als hätten sie eine große Schlacht gewonnen.
„Ihr Narren! So ein bisschen Regen hält mich auch nicht auf!“, rief er so laut und fürchterlich, dass sich einige schon die Ohren zuhielten. Die Flamme seines Körpers begann zu wachsen. Sie wurde immer und immer größer. Während sie wuchs, knurrte der Feuerteufel laut vor sich hin, er schien all seine Kräfte zu sammeln, um die Stadt so schnell wie möglich zu vernichten. Fürchtete er eine Niederlage?
Doch gerade, als er glaubte, die Flamme wäre groß genug, fielen direkt über ihm mehrere Liter Wasser zu Boden. Doch bevor es den Pflasterstein erreichte, traf es direkt auf den Feuerteufel.
Er fühlte wieder den Schmerz. Doch dieses Mal war er anderer Natur. Er brannte fürchterlich. Er ließ ihn laut aufschreien und auf die Knie stürzen. „Aaaaaarrr“, krisch er, als hätte man kochendes Pech über einen Menschen geschüttet. Doch trotz all dieser Qualen schaffte er es nach oben zu sehen. Er sah wie dort oben, auf dem Dach des Gasthauses, mehrere Menschen mit Wassereimern standen und sie über ihm ausgeleeer hatten.
Hatten sie etwa doch gelernt? Hatte er sich in der Hauptstadt getäuscht? Oder lag es nur daran, dass er letztes Mal nicht alle getötet hatte? Würde er jetzt dafür bestraft werden?
Plötzlich sah er vor sich mehrere hundert Menschen aus den Seitengassen herein strömen. Alle hatten sie Eimer, gefüllt mit Wasser.
Es regnete unaufhaltsam weiter. Als hätte sich die ganze Welt gegen den Feuerteufel verschworen. „So leicht werde ich nicht aufgeben...“, flüsterte er sich zu...
Er versuchte sich aufzurappeln. Doch er stürzte und der Feind rückte ihm näher. Als er es ein zweites Mal versuchte, gelang es ihm. Da stand er nun. Vor ihm mehrere hundert Menschen die mit Wassereimern auf ihn zurannten. Wenn er sich zurück verwandelte, um den Tod des Wassers zu entkommen, warteten mehrere Pfeile auf ihn, die die Aufgabe des Wassers bestimmt nicht minder taten.
Sie schienen ihn überlistet zu haben. Er hatte nicht mehr viel Kraft und auf Zeit konnte er auch nicht setzen. War er verloren? Wieso waren sie auf einmal so viel klüger? Es war fast so, als wollten sie die Fehler aller anderen jetzt wieder gut machen.
„Das kann ich nicht zulassen...“, sagte er. Er schrie laut auf und um ihn herum begann eine große Flamme sich zu entfachen. „Steeeerrrbt, ihr elendes Menschenpack!“, schrie er aus vollem Halse. Plötzlich begann der ganze Boden zu brennen, als könne ihm der herabfallende Regen nichts antun. Der Steinboden schien schon zu schmelzen, so heiß war das Feuer diesmal. Noch immer schrie der Feuerteufel so laut er konnte. Mit jeder Sekunde, die er weiter schrie, wurde das Feuer breiter und höher – und somit auch gefährlicher. Die Todesrufe der Menschen, die verbrannt wurden, konnte man nicht hören, sie wurden von einem einzigen Schrei übertönt, so laut war er. Es war das größte Inferno, dass man sich je hätte vorstellen können. Selbst die Bogenschützen auf den Dächern mussten auf die Flammen aufpassen, so hoch waren sie schon.

„Was ist dort drüben los?“, rief sie aus vollem Halse. Die Menschen rannten ihr entgegen und versuchten zu fliehen. Keiner hatte Zeit zu antworten. War er etwa dort? Sie versuchte sich mit aller Kraft durch die Menge zu kämpfen. Dabei half es ihr nichts, dass sie schon lange durch den Regen gewandert war, um zurück nach Erethol zu kommen. Sie war sehr erschöpft. Die Menschen, die ihr entgegen kamen, krischen oftmals laut um Hilfe. Was ging dort drüben vor?
Sie versuchte weiter nach vorne zu kommen. Es war nur noch eine Abbiegung, bis man den Marktplatz sehen konnte. Immer wieder wurde sie von den Menschen in die andere Richtung mitgerissen. Sie hatte Probleme, überhaupt stehen zu bleiben. Sie versuchte es so lange, bis fast alle Menschen geflohen waren. Erst dann konnte sie in schnellerem Tempo zum Marktplatz kommen.
Als sie um die Ecke bog, konnte sie ihren Augen nicht trauen. Meterhohe Flammen waren überall auf dem Marktplatz. Die eine Hälfte der Häuser des Platzes brannte bereits. Die Flammen bewegten sich schnell hin und her und hin und her. Nach links, nach rechts, zurück und nach vorne. Sie hatte es noch nie erlebt, dass Feuer so lebendig sein konnte.
Ein paar Männer standen noch in der Nähe des Feuers. Sie hatten alle irgendetwas in der Hand. Doch erkannte sie nicht was. Sie rannte weiter und versuchte so nah wie möglich an das Feuer heran zu kommen. Plötzlich erkannte sie, was die Männer in den Händen trugen. Es waren Wassereimer. „Oh nein!“, dachte sie. Aber wegen des großen Infernos waren ihre Befürchtungen wohl nicht angebracht.
Doch Plötzlich geschah etwas Unerwartetes. Die Flammen erloschen schlagartig. Allesamt wie weggepustet. Eben meterhoch und jetzt nichts mehr zu erkennen. Man hörte nur noch wie der Regen auf den Boden prasselte. Es gab einen hellen Blitz und sogleich darauf donnerte es laut. Obwohl sie sich sonst vor Gewittern fürchtete, durfte sie sich jetzt nicht mehr von dieser Angst abhalten lassen. Sie lief auf den Marktplatz. Sie rannte so schnell sie konnte und überholte dabei die Männer, die die schweren Wassereimer trugen.
Sie erkannte vor sich den Feuerteufel. Er stand da und sein Mund war geöffnet. Er wollte wohl schreien, doch schaffte er es nur noch zu einem Flüstern. Selbst die Regentropfen waren schon lauter als er. Als ihm scheinbar die Luft fehlte, um irgend etwas von sich zu geben, fiel er auf den harten Steinboden. Während er fiel, erlosch sein flammender Körper und er verwandelte sich zurück. Er schlug mit dem Kinn auf den harten Steinboden auf und sofort fing er an zu bluten, sofort begann das Blut den Untergrund mit roter Farbe zu verschmutzen.
Sie war fast bei ihm. Sie rannte und rannte, doch schien der Weg nicht kürzer zu werden. Sie dachte dabei an den Kuss. Alles hatte er ihr gegeben. Und jetzt lag er nur noch so da. Eigentlich müsste sie ihn dafür hassen, doch tat sie dies nicht.
Als sie fast bei ihm war, schrak sie zurück. Erst war es ein Pfeil, dann ein zweiter und schließlich ganze neun Pfeile. Neun Pfeile trafen auf den scheinbar leblosen Körper des Wanderers. Blut floss aus den Wunden heraus und wurde vom Wasser weggespült. Durch den Dreck des Bodens und das Blut, wurde das Wasser dunkelrot. „NEIN!“, rief sie so laut sie konnte, „Nicht! Ihr dürft ihn nicht töten!“ Sie stürzte sich auf den Wanderer, in der Hoffnung die Bogenschützen so zum Stoppen zu bringen. Hinter sich hörte sie die Schritte der Männer, wie sie in die Pfützen traten, die sich mittlerweile überall auf dem Boden gebildet hatten. „Lasst dieses Monster in Ruhe!“, befahlen sie aufgeregt.
Doch sie konnte nicht. Sie kniete sich vor ihn hin, drehte ihn auf den Rücken und nahm seinen Kopf in ihre Arme. „Nein“, schluchzte sie, „du darfst nicht tot sein.“ Sie zitterte vor Trauer am ganzen Körper. Der Wanderer hatte seine Augen geschlossen und zuckte nicht einmal mehr. „Wieso musstest du nur so handeln?“, meinte sie weiter. Plötzlich öffnete der Wanderer wider allen Erwartungen seine Lider. Sie erschrak gleichzeitig vor Furcht und vor Glück. „Du lebst!“, flüsterte sie ihm in sein Ohr. „Ich habe endlich das bekommen, was ich gesucht habe...“, stotterte er mit letzter Kraft, „lebt wohl.“ Mit diesen Worten schloss er seine Augen wieder und jeglicher Lebensgeist entwich ihm. Ab diesem Moment ging alles so schnell, sie wusste nicht, wie ihr geschah. Sie schrie nur noch und weinte dabei. Immer wieder rief sie „warum“ und „wieso“ und wollte dies alles nicht wahr haben. Warum musste er die Stadt angreifen? Wieso hatte er es ihr angetan?
Doch wenige Augenblicke später waren die Männer da. Zwei von ihnen zerrten sie weg. „Nein!“, schrie sie völlig fertig, „lasst mich zu ihm!“ Alle Worte die man zu ihr sagte, brachten nichts, sie schien sie zu ignorieren. Als mehrere Männer zugleich begannen, auf den leblosen Körper des Wanderers einzuprügeln, hielt sie es nicht mehr aus.
Er war alles, was sie je gehabt hatte. Und jetzt sollte er einfach tot sein? Sie wird von ihm weg gezerrt und mehrere Menschen prügeln auf ihn ein? Das konnte einfach nicht wahr sein. Das musste ein schlechter Alptraum gewesen sein.
Sie musste wohl jederzeit aufwachen und feststellen, dass alles nur ein böser Traum war.
Doch dieser Moment kam nicht. Der Regen fiel weiterhin auf den Boden, während der leblose Körper des Wanderers massakriert wurde.
„Ihr Narren!“, schrie sie mit letzter Kraft. Sie versuchte sich vergebens zu befreien. „STERBT!“, brüllte sie mit lauter Stimme. Alle auf dem Platz drehten sich zu ihr um und fragten sich, was diese Frau hatte. Doch dann geschah es.
Aus ihrem Mund kamen schier lautlose Töne, welche aber alle dazu brachten, sich die Ohren zu verschließen. In ihren Köpfen war ihre Stimme zu hören. Den Männern, die sie gepackt hatten, floss sofort Blut aus den Ohren. Plötzlich leuchtete sie rot. Ihr sonst so kleiner und zierlicher Schatten wurde größer und immer größer. Und als er den ganzen Platz bedeckte, hörte dieser abscheuliche Ton auf. Der Regen, der auf sie fiel, verdampfte sofort. Doch im gleichen Moment, wie die Männer die Hände von den schmerzenden Ohren nahmen, begann sie zu entflammen. Ihre Augen leuchteten rot auf und dann umhüllte sie der Flammenmantel. Alle Anwesenden des Platzes starrten sie voller Furcht an, während ihre Körper zitterten. Es blitzte noch einmal hell auf, gefolgt von einem lauten Donnergepolter. Dann entfachte ein großer Feuerwirbel um sie herum. Sie begleitete das Wachstum des Wirbels mit einem diabolischen Lachen.
Schließlich explodierte der Wirbel in einem so gigantischen Feuermeer, wie es auf der Welt kein zweites gab. Die gesamte Stadt wurde bedeckt und es blieb nichts mehr übrig...


---
So, das ist die erste richtige Geschichte die ich geschrieben habe. Ist aber mittlerweile wieder etwas länger her. Habe sie heute endlich mal fertig korrigiert (Rechtschreibung+Grammatik). Und das Lustige war, beim Korrigieren ist mir aufgefallen wie schlecht viele Stellen sind und was ich noch alles rausholen kann. Auch interessant, dass ich mich vom ersten bis zum letzten Satz stets gebessert habe. :)
Also, werde sie wenn ich meine aktuelle Geschichte fertig habe wohl nochmal komplett neu schreiben. Viel Spaß bis dahin mit der hier.
Freue mich auch über viele Kritiken (sowohl positiv wie auch negativ).


Zurück zu Literatur

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 6 Gäste

cron