Es ist mir erst neulich aufgefallen, wie unbekannt spanische Literatur in Deutschland ist. Ich selbst habe erst zwei spanische Bücher gelesen, wenn ich richtig gezählt habe ('Schatten des Windes' von Zafon und 'Criticon' von Gracian). Von den Klassikern der spanischen Literatur ist eigentlich auch nur wenig mehr bekannt als Cervantes' Don Quixotte und selbst von diesem kennt man meist nur den Kampf gegen die Windmühlen, selbst der Autorenname wird vielen nicht sagen.
Anbetrachts dessen habe ich mich in den letzten Wochen ein wenig mit dem Siglo de Oro, der spanischen Klassik beschäftigt, die im 16. und 17. Jahrhundert ihren Platz fand. Besonders das Theater blühte zu dieser Zeit auf. Autoren die wie DeVeda, Moreto, Calderon und andere schrieben zu dieser Zeit sehr viele Stücke (deVeda soll angeblich sogar 1500 zu Papier gebracht haben), besonders Calderon (bekanntestes Stück: Das Leben ein Traum) soll dabei auch eine hohe literarische Größe erreicht haben und wurde auch in der deutschen Romantik geschätzt, teilweise sogar in einem Atemzug mit Shakespeare genannt.
Auffällig ist die Verquickung von Kirche und Literatur. Fast alle großen Schriftsteller des Siglo de Oro nahmen irgenwann katholische Weihen an, was sie aber nicht daran hinderte, weiter weltliche Literatur zu schreiben, obwohl das der Kirche zuweilen sehr missfiel, bis sie schließlich Mitte des 17. Jahrhunderts sogar ein Verbot für nicht-historische Komödien erließ. Viele schrieben auch geistliche Stücke, besonders auch Calderon.
Kennt ihr euch mit spanischer Literatur vielleicht besser aus, habt vielleicht gar schon einige Stücke des Siglo de Oro gelesen? Oder könnt ihr euch erklären, warum die spanische Nationalliteratur hierzu Lande sehr viel unbekannter ist als die englische, französische oder auch russische?
Padreic