Solche Definition sollten doch eigentlich in deinem Studium vorgekommen sein, oder?
Allgemein könnte man die Utopie als "Social Fiction" bezeichnen. Sie fällt in fast allen ihren Charakteristika klar in den Bereich der Science Fiction, eine Unterscheidung ist also nicht angebracht, eher eine Abgrenzung. SF allgemein beschäftigt sich mit der Fortschreibung realer Entwicklungen und/oder dem Aufzeigen von Alternativentwicklungen. Das gleiche leistet eine Utopie, jedoch mit stärkerem Fokus auf eine komplette Gesellschaft als die meiste SF, die sich eher auf Handlungen und Einzelschicksale konzentriert. Die Personen und Handlungen utopischer Literarur sind deshalb auch immer stark exemplarisch gehalten.
Unter diesem Kriterium reichen auch viele üblicherweise als typische SF klassifizierte Werke bis zu einem gewissen Grad in die utopische Literatur hinein, etwa Asimovs Foundation oder Herberts Dune.
Eine weitere Frage ist dann die nach Utopie und Dystopie. Die übliche Unterscheidung "Utopien beschreiben wünschenswerte Gesellschaften, Dystopien fürchtenswerte" greift eindeutig zu kurz, da auch viele eigentliche Utopien durchaus kritische Elemente enthalten. Deshalb bin ich der Ansicht, dass das beiden Formen gemeinsame Ziel ist, Fehler der derzeitigen Gesellschaft aufzuzeigen. Die eine, indem sie droht, was daraus erwachsen könnte. Die andere, indem sie zeigt, was man verbessern könnte, aber ebenso, dass auch dies neue Fehler bringen kann. Die typische Utopie hat keinen Heilsanspruch.