Jean-Paul Sartre

Die Faszination des geschriebenen Wortes - Romane, Stories, Gedichte und Dramatisches. Auch mit Platz für Selbstverfasstes.
Milena
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Mo 31. Jan 2005, 14:53 - Beitrag #1

Jean-Paul Sartre

stellte sich die Frage, die auf der ganzen Welt
so viele Menschen seiner Generation
gequält hat:
Wie würde ich mich bei Folter verhalten...?
Jean-Paul Sartre wurde am 21.Juni 1905 in Paris geboren.
Mit seinem 1943 erschienenen philosophischen
Hauptwerk Das Sein und das Nichts wurde er zum
wichtigsten Vertreter des Existentialismus und zu einem
der einflussreichsten Denker des 20.Jahrhunderts.
Durch sein bedingungsloses humanitäres Engagement,
besonders im französischen Algerienkrieg
und im amerikanischen Vietnamkrig,
wurde er zu einer Art Weltgewissen.
1964 lehnte er die Annahme des Nobelpreises
für Literatur ab.
Er starb am 15.April 1980 in Paris.
....
warum ich das alles erzähle...?
vielleicht weil ich selbst ein Stück
von Jean-Paul Sartre gespielt habe...
vor 5 Jahren in Stuttgart...
und die Lucy in `Tote ohne Begräbnis` für
mich noch so präsent ist...
vielleicht deswegen........

Ipsissimus
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Mo 31. Jan 2005, 16:13 - Beitrag #2

Sommer 1944, irgendwo im besetzten Frankreich. Fünf Menschen warten auf den Tod. Zusammengepfercht auf einem Dachboden werden sie verhört, geschlagen, gefoltert - und sie schweigen.

Die fünf sind Widerstandskämpfer der Résistance, gefangen genommen beim Kampf um ein besetztes Dorf. Die als Befreiung geplante Aktion wurde zu einem Massaker, das dreihundert Menschen das Leben kostete. Auf ihrem Gewissen lastet der Tod der gesamten Dorfbevölkerung. Sie wissen, dass es keinen Ausweg mehr für sie gibt: sie sind „Tote ohne Begräbnis". Als einzige Waffe ist ihnen das Schweigen geblieben - selbst unter dem Druck der Folter stumm zu bleiben, nicht zum Verräter ihrer Sache zu werden. Durch Tapferkeit glauben sie, ihrem Scheitern noch einen Sinn geben zu können. Doch bald werden die Zweifel und Ängste der Gefangenen größer. Wie lange können sie den Verhören standhalten?

http://www.landesbuehne-nord.de/stuecke0304/tote.htm

Milena
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Mo 31. Jan 2005, 17:14 - Beitrag #3

Danke Ipsissimus,...

für den erweiterten Beitrag.....
hast Du es auch schon gesehen...?

Traitor
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Mo 31. Jan 2005, 23:16 - Beitrag #4

Sartre als bedingunslos humanitär engagiert und Weltgewissen darzustellen, verklärt ihn in meinen Augen zu sehr. Im Gegensatz zu Camus, für den das Nicht-Ausweiten der eigenen Sinnsetzung zum Dogmatismus und der Verzicht auf gewalttätige Verbreitung dessen entscheidend sind, lehnt Sartre dies nicht unbedingt ab, unterstützt es teils sogar. In "Die Fliegen" stellt er Rache, Gewalt und Verbrechen als ultimatives Finden des Menschen zu sich selbst dar.
Sartre schießt für mich übers Ziel hinaus, sein Existentialismus wird radikal, was eigentlich ein innerer Widerspruch ist.

Ipsissimus
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Mo 31. Jan 2005, 23:51 - Beitrag #5

seh ich anders, Traitor. Allgemeine Moralprinzipien treffen diesen Mann und sein Werk nicht wirklich.

Milena
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Di 1. Feb 2005, 08:29 - Beitrag #6

Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.....

Albert Camus:..`mir selbst fremd und dieser Welt,
ausgerüstet mit keinem anderen Hilfsmittel als mit
dem Denken,
das sich selbst negiert,
sobald es eine Behauptung aufstellt-
was ist das für eine Situation,
in der ich nur Frieden finden kann durch die Ablehnung
des Wissens und des Lebens,
in der die Eroberungslust an Mauern stösst,
die ihren Angriffen trotzen?
Alles ist auf das Zustandekommen jenes vergifteten Friedens
eingerichtet,
den Sorglosigkeit,
Trägheit des Herzens
oder tödliche Entsagung schenken.....
Auch der Verstand sagt mir also auf seine Weise,
dass diese Welt absurd ist..................
........Ende 1943 beginnt Camus als Lektor bei Gallimard
und lernt Jean-Paul Sartre kennen.
Anfang der fünfziger Jahre, nach Erscheinen seines
grossen Essays `Der Mensch in der Revolte`überwirft
er sich mit Sartre, die beiden brechen ihre intensive Beziehung
zueinander ab.
.....Sartre:...`Der Fremde`ist kein Buch, das erklärt:
der absurde Mensch erklärt nichts, er beschreibt.
Es ist auch kein Buch, das etwas beweist. Camus wirft nur
Fragen auf;er hält sich nicht damit auf, zu rechtfertigen,
was prinzipiell nicht zu rechtfertigen ist..........

Padreic
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Di 1. Feb 2005, 15:17 - Beitrag #7

Wäre der Fremde ein Buch, das erklärt, so wäre es vermutlich auch nicht von solcher literarischen Qualität. Vermutlich ist Sartre auch nie zu Camus' literarischer Größe aufgestiegen, weil für ihn das literarische Werk mehr der Ausdruck einer Idee war. Ganz abgesehen von Camus' größerer stilistischer Sicherheit. [was nicht heißt, dass Sartres Dramen nicht auch durchaus lohnenswerte Lektüre sind]

Camus ging es um die Frage: wie kann ich ein glückliches Leben führen? Und das angesichts der absurden Welt. Wie kann ich mein Leben sinnvoll füllen? Obwohl es keinen objektiven Sinn gibt.
Das sind Fragen. Und man kann nicht sagen, dass er in seinem literarischen Werk nichts zu deren Beantwortung tut. Im Gegenteil.

Padreic

Traitor
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Di 1. Feb 2005, 17:14 - Beitrag #8

@Ipsissimus: Camus' Verdienst liegt darin, dass er gezeigt hat, dass es einen Ausweg aus Relativismus und Nihilismus geben kann, eben den Existentialismus seiner Prägung. Dass auch und gerade in einer gottlosen Welt Humanismus angestrebt und erreicht werden kann. Dass der Mensch, wenn er das Absurde erkennt, erst wirklich zu Großem in der Lage ist, und dass dies zum Besten aller sein kann und muss.
Sartre dagegen scheitert für mich an dieser Wandlung, durch seine Überbetonung der Moralabschaffung würde er die alte Ordnung vernichten, ohne eine Alternative zu schaffen.

@Milena: Sofern ich in der Lage bin, aus deinen Zitierereien sowas wie deine Intention abzulesen, vermute ich mal, dass du dich auf Sartres Seite stellst. Doch nach allem, was ich bisher von seinen Kommentaren zu Camus gelesen habe, versteht er diesen entweder nicht, oder will es aus Gehässigkeit nicht.
Camus' literarische Werke - Der Fremde wohl am stärksten - zeigen die Arten, auf die ein Mensch an der Erkenntnis des Absurden scheitern kann, und sein philosophisches Werk liefert keine Regeln, es liefert Anstöße und Beweise der Denkbarkeit.

Milena
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Di 1. Feb 2005, 17:23 - Beitrag #9

Camus....

einer seiner Antworten...?:

von wem und wovon kann ich tatsächlich behaupten:
`Das kenne ich!`Das Herz in mir kann ich fühlen,
und ich schliesse daraus, dass es existiert.
Die Welt kann ich berühren, und auch daraus schliesse ich,
dass sie existiert.
Damit aber hört mein ganzes Wissen auf;
alles andere ist Konstruktion.
Wenn ich dieses Ich, dessen ich so sicher bin,
zu fassen, wenn ich es zu definieren
und zusammenzuhalten versuche,
dann zerrinnt es mir wie Wasser zwischen den Fingern.
Ich kann nacheinander alle Gesichter nachzeichnen,
die es annehmen kann,
auch all jene,
die man ihm gegeben hat
-Erziehung, Herkunft, Leidenschaft oder Zurückhaltung,
Grösse oder Niedertracht.
Addieren aber kann man Gesichter nicht.
Selbst dieses Herz,
das doch meines ist,
wird mir immer undefinierbar bleiben.
Nie wird der Graben zu füllen sein zwischen der Gewissheit
meiner Existenz und dem Inhalt, den ich dieser Gewissheit
zu geben suche.
Ich werde mir selbst immer fremd bleiben.
In der Psychologie wie in der Logik gibt es Wahrheiten,
aber keine Wahrheit.

Ipsissimus
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Di 1. Feb 2005, 17:39 - Beitrag #10

Traitor, der Sinn von Politikern, Juristen und Polizisten mag darin bestehen, eine Nation zu sedieren; der Sinn von Künstlern und Philosophen besteht darin, den Menschen, welche diese Nation konstituieren, die Augen zu öffnen über ihren Zustand. Ich gebe zu, Sartre hat sehr wenig zur Unterstützung der Politiker, Juristen und Polizisten getan; aber er hat viele Augen geöffnet.

Gescheitert ist er genauso, wie auch Camus gescheitert ist, an der Massenträgheit.

Traitor
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Di 1. Feb 2005, 18:17 - Beitrag #11

@Milena: Was ich im letzten Beitrag schon implizierte, nochmal ausdrücklich: Darstellungen der eigenen Meinung und Argumentation helfen uns eher weiter als Zitate.

@Ipsissimus: "Ordnung" muss keine politische sein. Es gibt auch persönliche Ordnung in der Welt und daraus emergente in der Gesellschaft. In einer sartreschen Welt sehe ich keine der drei, in einer camuschen ergeben sich alle aus der fundamentalsten.
Nebenbei macht es wenig Sinn, vom objektiven Sinn von Verneinern ebendieses zu sprechen ;)
Scheitern kann ein Philosoph, wenn man die gesellschaftliche Wirkung als Maßstab nimmt - aber hier ist ein Scheitern auf der großen Skala nahezu vorprogrammiert, man muss mit bescheidenen Erfolgen zufrieden sein. Er kann aber auch philosophisch scheitern - daran, einen in sich konsistenten und der Welt gegenüber konsequenten Ansatz zu finden.

Milena
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Di 1. Feb 2005, 18:34 - Beitrag #12

Sartre...

Traitor, mir geht es auch nicht `um`s eher weiterhelfen`,
vielmehr um eine Anschauung, um dessen Verdeutlichung,
so lasse es doch dies auch über Zitate geschehen.....
................Sartre......
..Er war verliebt wie kaum einer in die Freiheit,
sich selbst zu missfallen.
Seine Lebensgeste, gefährlich für einen Philosophen,
berauschend für ihn selber und seine Leser,
war der ständige Aufschwung, die Losreissung
vom eigenen Gewordensein;
als Schreibender schrieb er immer nur die neue Seite.
Zu einem Genie der analytischen Biographie wurde er,
in fremder wie in eigener Sache,
weil er in jedem Bewusstsein den Punkt ertastete,
an dem Menschen zu stolz sind,
um eine Vergangenheit zu haben.
Unaufhörlich dachte er über die Entbindung von der Schwere
der Geschichte nach;
er spürte mit einer Schärfe, die ihn zu einer Art Weltgewissen
erhob, dass es den Menschen entehrt,
müde, eingeschlossen und mit sich selbst identisch zu sein.
Seine Philosophie ist ein Kampf gegen die Obszönität,
die bürgerlich bequeme Entfremdung;
er zieht ins Feld gegen den in die Wirklichkeit eingeklebten,
den fertigen Menschen.
Es geht darum, kein Ding zu sein:
on a raison de se revolter;
wer sich auflehnt, hat recht.
ERKLÄRBAR NUR AUS SEINER FREIHEIT,
IST DER MENSCH DAS WESEN OHNE ENTSCHULDIGUNG.

Traitor
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Di 1. Feb 2005, 20:47 - Beitrag #13

Texte von Sartre und über Sartre finde ich in Bücherläden, Büchereien und auf dafür gedachten Internetseiten. Die Matrix ist aber ein Diskussionsforum - sie ist eine Plattform, um mit anderen Menschen über die diversesten Themen zu diskutieren. Deshalb geht es eben darum, was du über Sartre denkst, nicht darum, was irgendwo über ihn steht. Darüber kann sich dann auch eine fruchtbare Diskussion entwickeln.

Milena
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Di 1. Feb 2005, 21:13 - Beitrag #14

ich, ein freiheitsliebender Mensch..!,
deshalb auch hier keine Entschuldigung....,
Du magst als Administrator recht haben,
aber ich habe es ebenso auf meine Weise,
wenn ich mit meinen Zitierereien, wie Du es nennst,
meine Ausdrucksweise, meinen Standpunkt, meinen
Gleichstand mit dem hiesigen Zitat von mir gebe und damit
bereits eine Meinung gebildet habe....
natürlich ist es expliziter in eigenen, gebastelten Worten
sich wiederzugeben und sich zu präsentieren..
Dein Wort in meinem Ohr...
Ich kann dem nur zustimmen, dass Sartre sich
als Provokateur nicht viele Menschen zum Freunde
gemacht hat...
und auch ich bin meines eigener Freund.....
wie ich in meinem ersten Beitrag erwähnt habe,..
es ging mir darum, dass ich das Theaterstück
von Sartre sehr begeistert gespielt habe und die Lucy
noch tief in mir schlummert........
nicht mehr und nicht weniger..


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