Welches Buch lest ihr gerade? (II)

Die Faszination des geschriebenen Wortes - Romane, Stories, Gedichte und Dramatisches. Auch mit Platz für Selbstverfasstes.
Traitor
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Di 6. Jan 2015, 21:43 - Beitrag #761

@Ipsissimus: Ich muss leider zugeben, das Interesse an "technischer SF" derzeit weitgehend verloren zu haben, da sie mir nicht genug Abwechslung zu "technischer S" bietet. Aber deine Empfehlungen landen bei mir stets auf diversen Leselisten, und ich habe ja noch ein paar Jahrzehnte zum Nachholen. ;) Und schön zu hören, dass es theoretische Physiker gibt, die über theoretische Physiker schreiben können, ohne dabei unerträglich selbstzentriert zu wirken.

Darselbst: nach dem Alt-Pterry erstmal Neu-Pterry, "Raising Steam". Mal sehen, ob ich meine Erwartungen an sein Alterswerk mittlerweile hinreichend gesenkt habe, um es wieder halbwegs zu genießen.

Und natürlich Randall Munroe - What If? - auch wenn ich den Großteil des Inhalts schon von der Online-Version kenne, sind auch schon noch ein paar nette Extras dabei. Mittlerweile übrigens auch auf Deutsch erhältlich, auch wenn ich nicht sicher bin, ob es in Übersetzung empfehlenswert ist.

Ipsissimus
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Fr 16. Jan 2015, 10:13 - Beitrag #762

Kazuaki Takano
Extinction

Bertelsmann 2105, 561 Seiten
Rainer Schmidt (Übersetzer)

Japanisches Original (2012)
Kono Mystery ga Sugoi!

Englische Version Genocide of the One

Es ist nicht klar, ob die deutsche Übersetzung auf das japanische Original oder die englische Zwischenübersetzung zurückgeht.

Über den Autor konnte ich nicht viel mehr in Erfahrung bringen, als dass er 2001 in Japan für sein Erstlingswerk Jūsan kaidan mit dem Edogawa Rampo Award ausgezeichnet wurde, in Japan der Vereinigung der Mystery Writer angehört und in Hollywood Drehbücher verfasst. Kono Mystery ga Sugoi! erhielt 2012 den Mystery Writers of Japan Award.


Extinction ist, ungeachtet des Umstandes, dass sich die englische Version des Buchs über Monate auf den vorderen Plätzen internationaler Bestsellerlisten hielt, unerhört gute Unterhaltung (ich habe mit derart erfolgreichen und gefeierten Büchern auch schon ganz andere Erfahrungen gemacht).

Das Buch erzählt drei ineinander verwobene Plotstränge, die durch die alternierende Darstellung gut verfolgbar bleiben. Plot 1 handelt von einer Gruppe von vier Söldnern eines privaten Sicherheitsdienstes im Irak, die von ihrer Firma eines Tages einen Spezialauftrag erhalten. Sie sollen in den Osten des Kongo reisen und dort (1) eine spezifische Jagdgruppe von ungefähr 30 Angehörigen der Ba-Mbuti, eines Pygmäenstamms, vernichten, bei denen ein neues, schnell tötendes und unheilbares Virus festgestellt wurde, sowie (2) einen seit vielen Jahren bei der Jagdgruppe lebenden Anthropologen und (3) ein unbekanntes Lebewesen töten.

Plot 2 handelt von einem jungen japanischen Wissenschaftler, einem Pharmazeuten, der von seinem gerade verstorbenen Vater den Auftrag erhält, innerhalb eines Monats aus dem Nichts ein Medikament gegen eine tödliche Kinderkrankheit zu entwickeln und zunächst nicht den Hauch einer Ahnung hat, wie er das schaffen soll, da die Entwicklung eines neuen Medikaments üblicherweise einen jahrelangen Prozess darstellt.

Plot 3 spielt im Umfeld der US-amerikanischen Regierung (die man sich als kaum verhohlene Anspielung auf die Bush-Administration vorstellen kann) und erzählt von den politischen, philosophischen und wissenschaftlichen Hintergründen, die zu dem Vernichtungsauftrag führten.

Das Ganze ist als eine Mischung von Söldner-Thriller, Wissenschaftsthriller und Philosophie/Soziologie/Politologie-Thriller aufgezogen, und das Erstaunliche daran ist, die Mischung geht auf, nichts wirkt überladen, überzogen oder an den Haaren herbei gezogen, zumindest wenn man bereit ist, die Grundprämisse des Buches zu akzeptieren, die sich hinter dem unscheinbaren dritten Punkt des Einsatzbefehls verbirgt. Und nichts wirkt verkürzt. Das Buch klärt zwar einige der Verwicklungen und Verbindungen zwischen den Plotsträngen schon recht frühzeitig, beibt aber insgesamt derart spannend, dass dieser Umstand kaum ins Gewicht fällt und jedenfalls nicht spannungsmindernd wirkt. Zumal bei weitem nicht alle Verbindungen frühzeitig offengelegt werden, sondern über dreiviertel der Gesamtlänge lediglich die ohnehin offensichtlichen expliziert werden^^

Was mich ganz besonders für das Buch eingenommen hat, ist der Umstand, dass die Menschheit einmal so richtig ihr Fett weg kriegt. Derartig tiefgreifende Analysen des Zusammenhangs politischer Entscheidungen mit grundlegenden Gegebenheiten der psychischen Disposition der Menschheit als Spezies wünschte ich mir öfter. Und kein falsches Happyend stört den nachhaltigen Eindruck^^ Der in dem Buch einschlägig verwendete Heisman Report zu umfassenden Gefährdungsszenarien der Menschheit ist fiktiv, ob es einen inhaltlich entsprechenden Bericht gibt, ist mir nicht bekannt.

Die Sprachvirtuosität hält sich in Grenzen, vor allem Plot 2 stolpert in dieser Hinsicht anfangs gelegentlich, bessert sich aber zusehends. Insgesamt ist die Sprache aber gut erträglich und behindert keinesfalls den Fortgang der Geschichte.

Der deutsche und der englische Titel geben sich diesmal nichts, beide können anhand des Inhalts gut rechtfertigt werden.

e-noon
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Do 19. Feb 2015, 20:37 - Beitrag #763

Riemann - Grundformen der Angst.

Yalom - In die Sonne schauen: Wie man die Angst vor dem Tod überwindet.

Hirigoyen - Die Masken der Niedertracht.

Miller - Das Drama des begabten Kindes.

Forward - Vergiftete Kindheit.

Stahl - Jein!: Bindungsängste erkennen und bewältigen.

Lykurg
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Do 19. Feb 2015, 23:28 - Beitrag #764

Nach ziemlich viel SF, zuletzt aus dem 1632-Zyklus von Eric Flint, der spaßigen Geschichte um eine Kleinstadt in West Virginia der späten 1990er, die sich von einem Moment auf den anderen mit allen Einwohnern, Gebäuden, Büchern und Maschinen nach Thüringen und mitten in den Dreißigjährigen Krieg hinein versetzt sieht, in dessen weiterem Verlauf die Bewohner der bald gegründeten United States of Europe als Verbündete der Schweden eine erhebliche Rolle spielen, gestern und ohne es aus der Hand zu legen:

Gerald Dunovan: Winter in Maine (2009)
In Rückblenden innerhalb weniger Tage erzählte Geschichte des Julius Winsome, der sein ganzes Leben in einem kleinen Holzhaus im Wald zubringt, versinkend in den 3828 sorgsam katalogisierten Büchern seines Vaters. Claire, die eine Frau, die sein Leben für kurze Zeit betritt (weitere Frauen tauchen im Roman kaum auf; seine Mutter starb bzw. 'tötete er' bei seiner Geburt), verläßt ihn nach einigen Monaten wieder, wohl da er es versäumte, seine Zuneigung zu artikulieren; zurück bleibt der Hund Hobbes, den sie mit ihm zusammen ausgesucht hat, und den er liebgewinnt, wie anscheinend alle Tiere. Zu Beginn der Jagdsaison erschießt ein Jäger Hobbes, offenbar absichtlich aus nächster Nähe, und ganz selbstverständlich nimmt Julius das Scharfschützengewehr seines Großvaters und tötet im Lauf der nächsten Woche einige Jäger - inwieweit in Hobbes' Sinne, wäre zu erörtern, jedenfalls denkt Julius darüber nach, daß dies eine wesentlich fairere Jagd ist als die auf Tiere, außerdem ist das ständige Geknalle um seine Hütte ihm ohnehin lästig. Einige von ihm sehr geschätzte shakespearesche Vokabeln - blutdurchstoben etc. - lassen sich nun auch endlich sinnvoll anwenden, und das tut er auch (zur Verwunderung seiner so angesprochenen Opfer).
Großartig an diesem Roman fand ich neben so einigen meisterhaft formulierten Sätzen die Einblicke ins Innere eines einsamen Menschen, seine Liebe, seine Wut, seine Rache, die ich noch nicht einmal als sinnlos bezeichnen möchte, da sich diese banale Kategorie dem Betrachter entzieht.

Ipsissimus
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Fr 27. Feb 2015, 14:08 - Beitrag #765

Michel Houellebecq
Unterwerfung

Originalausgabe
Soumission
Dumont 2015

gelesen
deutsche Fassung, Dumont 2015
Norma Cassau, Bernd Wilczek (Übersetzer)


Wer Unterwerfung liest, sollte mindestens Nietzsche gelesen haben, aber besser gleich noch ein Experte der französischen Fin de Siècle Literatur zwischen Zola und Mallarmé sein, andernfalls entgeht allzuleicht die Aura kühler Verachtung, die den Roman durchzieht, eine Verachtung, die nur durch das Wissen erkenntlich wird, welche Rolle bestimmten literarischen Haltungen in der historischen Situation zukam.

Der Roman erzählt anhand der Geschichte seines Protagonisten Francois den Wandel der französischen Gesellschaft aufgrund des Gewinns der Präsidentschaftswahlen 2022 durch eine islamische Bruderschaft, deren Kandidat, Mohammed Ben Abbes, neuer Präsident Frankreichs wird.

Francois ist ein mittvierziger Literaturwissenschaftler, Professor der Universität Paris III (nicht die Sorbonne, Paris IV), ausgewiesener Experte für den holländisch-französischen Schriftsteller Joris-Karl Huysmans, der üblicherweise zum französischen Kanon gerechnet wird und dort, im Deutschen wenig bekannt, eine vergleichbare Bedeutung wie Maupassant innehält. Francois raucht Kette und es wäre verkehrt, ihn als gelegentlich alkoholsiert zu beschreiben; seine Kenntnis von und sein Interesse an Frauen beschränkt sich im wesentlichen auf den Bereich zwischen deren Oberschenkeln und ihren Fähigkeiten im Fellatio. Gelegentliche Lücken in dem abwechslungsvollen Reigen junger Studentinnen und Damen diverser Escortservices, die durch sein Bett wandern, erlebt er regelmäßig als existentielle Krise. Es wäre allerdings verkehrt, ihn als expliziten Antifeministen und Macho zu beschreiben, vielmehr ist er ein moderater Misanthrop, der allen menschlichen und gesellschaftlichen Dingen in letzter Gleichgültigkeit gegenüber steht. Von emotionalem Belang ist einzig, was seinem unmittelbaren Wohlergehen dient oder dieses schädigt.

Politisch ist er mäßig informiert, nimmt wohl die Zuspitzung in der französischen Gesellschaft zur Kenntnis, reagiert innerlich aber kaum darauf. Im Laufe der Erzählung mehren sich seine Informationen, es wird allmählich klar, dass ein moslemischer Präsident zu einer realen Möglichkeit eines Wahlausganges wird: Aufgrund der prognostizierten Stimmverhältnisse kann die Präsidentschaft von Marine Le Pen nur noch durch eine Koalition zwischen Sozialisten und der fiktiven Moslembruderschaft verhindert werden; beide Parteien liegen gleichauf, der Präsident und damit die Richtungskompetenz wird also von derjenigen der beiden Parteien gestellt werden, die ein paar Stimmen mehr bekommt als die andere. Es wird die Moslembruderschaft werden.

Houllebecq benutzt die Komplikationen in Francois´ Leben zur Charakterisierung dessen, worauf diese extrem milde Version des Islam, die von der Moslembruderschaft vertreten und Saudi-Arabien finanziert wird, hinaus läuft. Dabei ist die angelegte Perspektive, die des Misantropen und gleichgültigen Menschen Francois, ein wesentlicher Kniff des Romans, denn so können Dinge in einer unaufgeregten Weise dargestellt werden, deren Sprengkraft ansonsten das Gefüge der Handlung zerstören müsste. Francois aber findet immer wieder Bezüge zu seinem geliebten Huysmans, die ihm die Dinge so erklären, dass sie goutierbar, dass sie unaufgeregt bleiben, auch wenn Schritt um Schritt jegliche humanistische Fundierung der Gesellschaft ad acta gelegt wird. Und er findet Gönner, die ihn Schritt für Schritt an die neue Gesellschaft heranführen; der Roman endet in einem Traum von Polygamie.

Ist das Buch islamfeindlich?

Es wäre inhaltlich problemlos zu rechtfertigen gewesen, wenn das Buch im Deutschen unter dem Titel "Bück dich und mach die Beine breit!" veröffentlicht worden wäre.

Die Zeche der neuen Gesellschaft wird von den Frauen bezahlt werden, beschrieben ist ein sanfter, aber nachhaltiger humanistischer Total-Crash und weltanschaulicher Reset, der den Frauen, allen Frauen, nur noch die Rolle als sexuelle Erfüllungsgehilfin, Kindergebärerin und Hüterin des Herdes und der Familie offenlässt - und nicht nur die muslimische, auch die offizielle katholische Gesellschaft Frankreichs klatscht lauten Beifall. Und nichts davon geschieht in gemeiner, ordinärer Weise, alles bleibt distinguiert, alles wird von hochangesehenen Intellektuellen mit grauen Schläfen philosophisch hinterlegt, gut begründet und als unvermeidlich beschrieben. Man ist schließlich im Bereich der obersten Zehntausend. Man echauffiert sich nicht, man lässt sich von der schönen alten, neuen Institution der Heiratsvermittlerin einfach eine 15jährige willige Saudi als Ehefrau fürs Bett, eine vierzigjährige als Ehefrau für die Küche und zwei dazwischen als Ehefrauen für gesellschaftliche Anlässe vorschlagen - bestellen wäre ein viel zu krudes Wort für den zarten Vorgang, bei dem mann einfach nur einer verständnisvollen Zuhörerin seine Nöte als Intellektueller vorträgt.

In der zweiten Hälfte des Romans hätte ich wirklich einige Male beinahe das Kotzen bekommen. Trotzdem ist das Buch eher frankreich- und europafeindlich als islamfeindlich, es arbeitet hauptschlich die Inkompatibilität wesentlicher islamischer und humanistischer Vorstellungen heraus. Der Islam wird Daumen mal pi so vorgestellt, wie er sich in seinen arabischen Kernländern präsentiert, und zudem in sehr milder Weise. Eigentliches Thema ist aber die absolute moralische Verkommenheit der intellektuellen und machtpolitischen Elite Europas, speziell Frankreichs, die alles goutiert, solange ihre Machtbasis nur erhalten bleibt.

Islamfeindlichkeit könnte man eigentlich nur daraus konstruieren, dass im Buch an keiner Stelle die Frage gestellt wird, ob dieser Islam, der arabische Islam, wirklich für den Gehalt des Islams steht, oder ob es nicht einen Islam gibt, der mit dem Humanismus vereinbar ist.

Das Buch ist sprachlich und hinsichtlich der Textstruktur ein Meisterwerk und zementiert Houellebecqs Position als einer der wichtigsten Autoren der Gegenwart. Engagiert feministisch bewegten Lesern und Leserinnen sollte allerdings besser vor der Lektüre klar sein, dass Unterwerfung kein Klassiker feministischer Literatur werden wird.

Ipsissimus
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Di 7. Apr 2015, 13:31 - Beitrag #766

Tom Coraghessan Boyle (T.C. Boyle)
Hart auf Hart

The Harder They Come, Ecco, New York 2015 (Original)

gelesen: deutsche Übersetzung von Dirk van Gunsteren, Carl Hanser Verlag, München 2015

Boyle gilt offenbar als eine Art Heinrich Böll der amerikanischen Kultur, hervorragender Schriftsteller, Schulbuch-tauglich und nur von wenigen gelesen, gerade weil man ihn in der Schule lesen musste. Außerdem hält er Amerika in vielen seiner Romane den Spiegel vor, was dort eher nicht ganz so beliebt ist.

Mit Ausnahme der Eingangssequenz, die auf Jamaica spielt, ist der gesamte Roman in einem kleinen ehemaligen Holzarbeiterdorf in der Nähe von Fort Bragg in der Nähe des malerischen Touristenstädtchens Mendocino in Südkalifornien angesiedelt.

Da wäre also der Vater von Adam, ein Frühsiebziger Ex-Marine, der in der Eingangssequenz anlässlich eines Raubüberfalls auf seine Reisegruppe einen der Angreifer überwältigt und tötet, sowie die Mutter von Adam, die vieles versteht, man versteht nur im Laufe des Romans zunehmend weniger, was genau.

Zuhause wäre Sarah zu erwähnen, eine nicht mehr ganz taufrische Frau anfang Vierzig, selbstständige Hufschmiedin und fanatische Anhängerin des Universal Commerce Codes, eine Art ultra-freier Markt-Ideologie, die sie so witzige Sachen wie Ich habe keinen Vertrag mit Ihnen jedesmal dann sagen lässt, wenn sie wieder mal in Konflikt mit irgendwelchen der zahllosen Beamten gerät, die ihr das Leben zur Hölle machen, weil die partout nicht verstehen wollen, dass sie alle Sklaven einer korrupten, die Menschen unterdrückenden Regierung sind, die das Volk widerrechtlich und unter Missachtung des 13. Verfassungszusatzes unterdrücken und ausbeuten, wohingegen sie, Sarah, die einzige Verfechterin des wahren Amerika in der Gegend ist und deswegen verlangt ... Also, die Frau hat Probleme mit Behörden. Massive Probleme.

Und da wäre Adam, gut durchtrainiert, Anfang 20. Adam will so sein wie Colter, ein legendäter amerikanischer Waldläufer, der sich anlässlich der Erforschung des Oberlaufs des Missouri und seiner beiden Quellflüsse Jefferson und Madison Anfang des 19ten Jahrhunderts einige ansehnliche Kämpfe mit den dort ansässigen Blackfeet geliefert und immer überlebt hat. Colter konnte nicht so mit Menschen und er war immer so schnell wie möglich wieder im Wald. Adam tut es ihm nach, was ihm gleichzeitig ermöglich, im Wald eine Forschungsstation zur experimentellen Herstellung und Erkundung von Hanfextrakten zu leiten, deren Inhaber und einziger Mitarbeiter er ist. Ansonsten wird seine Welt von Feinden und Aliens bevölkert, gerne auch mit den Zusätzen chinesisch oder mexikanisch. Feindliches chinesisches Alien ist daher als Bekundung seines äußersten Missfallens gegenüber dem Treiben von ... äh ... feindlichen chinesischen Alien zu bewerten.

Tja, eines Tages, Sarah ist in ihrem Auto gerade auf der Flucht vor ein paar besonders aufdringlichen Sklaven der Regierung, steht Adam also trampend am Straßenrand, und da das Blaulicht hinter ihr doch schon einigen Abstand hat, hält sie und lässt ihn einsteigen. Man versteht sich eigentlich nicht, sie spricht Suaheli, er Alt-Tempel-Balinesisch, aber da sie schon einige Zeit darben musste, aber doch schöne große Ballonbrüste ihr eigen nennt und er endlich mal wieder was zum ficken braucht, findet sich, was zusammen findet. Und so nimmt eine doch recht unwahrscheinliche ... äh ... Liebesbeziehung ihren Lauf, die darin besteht, dass sie sich Abends das Hirn rausrammeln, er morgens ohne Nachricht im Wald verschwindet und sie den Tag getrennt mit ihren jeweiligen Aktivitäten füllen.

Leider passieren unterdessen familiär einige Dinge, die Adam nicht gefallen, und Adam hat ohnehin ein schwieriges Verhältnis zur gemeinen Realität, gelinde gesagt. Als sein Vater, der eingangs erwähnte Ex-Marine, das Häuschen der verstorbenen Großmutter verkauft, in dem Adam gelegentlich Unterschlupf suchte, demoliert er das bereits verkaufte und bezahlte Häuschen am Abend vor der Übergabe. In der Folge davon kommt es zur Invasion der Aliens im Walde. Adam wehrt sich tapfer, erschießt mehrere der Aliens und liefert einen großartigen Kampf, wie Colter immer wieder bestätigt, bei dem er auch die Strategien abgeschaut hat. Nach über einer Woche ohne Sex mit Sarah beschließt er dann, dass er eigentlich eine Belohnung verdient hat. Nach einer letzten großartigen Nacht wird er daher des Morgens nach Verlassen des Hauses umstandslos von ein paar Heckenschützen-Aliens erschossen, die dort schlauerweise auf Lauer lagen. Er hat nicht gelitten.

Der Rest ist Verarbeitung seitens Adams Vater, Adams Mutter und ein bisschen seitens Sarah, die sich überlegt, nun endgültig nach Nevada zu gehen, weil es dort doch mehr freie Menschen gibt.

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Das Buch kommt natürlich sehr viel ernsthafter daher, als ich es hier erzähle^^ ernsthaft ja, tiefgründig kaum. Adam ist letztlich einfach nur ein Waffennarr mit schizoiden Bewusstseinsstörungen, und Sarah, ja, Sarah ist der Clown, der die üblen Wirklichkeiten in einer Weise erzählt, dass man drüber lachen kann, ohen sie auf sich beziehen zu müssen. Die vielgerühmte Analyse der amerikanischen Krise kann ich jedenfalls nicht entdecken.

Trotzdem, wenn man den hölzernen Beginn überstanden hat, wird das Buch durchaus vergnüglich. Mehr als einmal muss man es aber nicht lesen.

keanu
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Mo 18. Mai 2015, 11:37 - Beitrag #767

Ich lese gerade den Medicus und stelle fest, dass der Film komplett anders ist!

aleanjre
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Mo 18. Mai 2015, 11:44 - Beitrag #768

Ipsi: Ich bin mir quasi sicher, dass ich dieses Buch kein einziges Mal lesen muss, nachdem du es so amüsant zusammengefasst hast. :pro:

Ich lese gerade Das Rosie-Projekt von Graeme Simsion. Stark überzogener Klamauk über einen Asperger-Autisten, der sich seiner Probleme zwar bewusst ist, sie aber grundsätzlich als eigene Stärken auffasst. Ein Buch, bei dem man nicht denken muss und gelgentlich mal schmunzeln darf.

Traitor
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Mo 18. Mai 2015, 20:25 - Beitrag #769

Ups, seit Weihnachten nichts mehr geschrieben...? Zugegebenermaßen auch nicht furchtbar viel gelesen, außer einem Jahresrückstand Physikzeitschriften und so. Aber zumindest ein paar Bücher, s.u.

@keanu: Dann sei dir dieser Thread empfohlen.

Oh, doch schon noch ein Beitrag von mir dieses Jahr:
Zitat von Traitor, 06.01.2015:nach dem Alt-Pterry erstmal Neu-Pterry, "Raising Steam". Mal sehen, ob ich meine Erwartungen an sein Alterswerk mittlerweile hinreichend gesenkt habe, um es wieder halbwegs zu genießen.
Halbwegs war der Genuss schon, durchaus nette Passagen drin. Aber insgesamt völlig ziel- und spannungslos, einfach nur eine espritlose Iteration von "wir exerzieren jetzt Thema X auf der Scheibenwelt durch", diesmal halt mit Dampfloks. Die Goblins sind auch nett, aber nicht ansatzweise so toll wie die Feegles, und Pterrys Obsession mit ihnen in den letzten Scheibenwelt-Büchern war keine gute Entwicklung. Und Moist bleibt sein langweiligster Hauptcharakter. Schade, schade.

Terry Pratchett - A Blink of the Screen: Collected Short Fiction Deutlich lohnenswertere Lektüre und ein recht gelungenes Denkmal für ihn. Großenteils extremely short fiction, teilweise auch keine echte Fiction, sondern eher Zeitungs-Freiform-Humorstücke. Aber selbst in den stilistisch unausgereiften Frühwerken sind gute Witze, später dann einige echte Kleinode. Interessant auch die Frühversion der "Long Earth", die deutlich mehr Potential zeigte, als am Ende umgesetzt wurde.

M.O. Hadji - The Leopard Princess Eigentlich ganz nett gestaltetes Mini-Märchenbuch über die Heldenreise einer mittelalterlich-somalischen Protagonistin. Allerdings erzählerisch wirklich sehr dünn und die Illustrationen sind leider zu selten. In dieser Hinsicht vergleichbar mit Gaimans "Sleeper and the Spindle".

Randall Munroe - What If?: Serious Scientific Answers to Absurd Hypothetical Questions Den Großteil des Inhalts kann man sich (hoffentlich bekannterweise) online ansehen. Das Buch lohnt sich aber auch, dank einiger netter Ergänzungen (insbesondere die Ultrakurzform-"Weird and worrying questions"). Gibt es inzwischen auch auf Deutsch; ob die Übersetzung etwas taugt, erfahre ich demnächst von meinen Eltern.

Max Frisch - Mein Name sei Gantenbein In einem Wort: sehr blobbfish. Aber leider scheint der das Buch hier nie kommentiert zu haben, es sei denn, ich suche falsche, oder er verschrob sich. Die Frisch-typischen Themen von Identität(sauflösung), Partnerschaft(sproblemen/-sunfähigkeit) und Sinnkrise des modernen Menschen drohen mir nach nun 3 seiner Werken etwas über zu werden. Das grundlegende Stilmittel der einen Hauptfigur, die sich zig hypothetische Lebensentwürfe ausmalt, ist dabei natürlich sowohl gut erdacht als auch gut umgesetzt. Und der dominierende Entwurf des vorgetäuscht Blinden auch an sich sehr interessant. Etwas repetitiv wird das Ganze aber auch für sich allein genommen schon.

Aktuell noch dran:
P.G. Wodehouse - The Mating Season Dank wirrem Omnibus mal wieder mitten aus der Serie, übliches amouröses-Chaos-auf-einem-Landsitz-Schema. Aber mit der bisher größten Häufung bösartiger Tanten-Zitate, herrlich.

Kurt Vonnegut - Jailbird Mal wieder keine SF-Elemente, dafür Zweiter Weltkrieg, kaputte Hauptfigur, Politik und Tragik. Irgendeinen Mist hat die Hauptfigur zu Watergate beigetragen und muss nun dafür büßen, die Details müssen sich noch ergeben. Ach ja, die Weltschuldenkrise hat Vonnegut 1980 schon vorhergesagt...

Ipsissimus
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Mi 10. Jun 2015, 14:17 - Beitrag #770

Iain Banks
Krieg der Seelen

Originaltitel: Surface Details
Orbit, 2010

Deutsche Fassung: Heyne, 2011
Andreas Brandhorst (Übersetzer)

gelesen in Deutsch, Heyne-Fassung für Kindle

Zitat von Wikipedia, Artikel Iain Banks:Die „New York Times“ nannte Banks den „bedeutendsten Science-Fiction-Autor der Gegenwart“; die britische „The Times“ setzte ihn im Jahr 2008 auf die Liste der „größten britischen Schriftsteller seit 1945."


Krieg der Seelen ist der vorletzte Band des Culture-Zyklus, entstanden drei Jahre vor Banks überraschenden Tod 2013. Wie auch in der Wasserstoffsonate, dem letzten Band des Zyklus, geht es auch hier schon um letzte Fragen.

Intelligenz ist im mehrere Milliarden Jahre in der Zukunft angelegten Bankschen Universum ubiquitär und wird im Allgemeinen auf einer 10-Punkte-Skala erfasst. Dabei sind die Stufen 9 und 10 praktisch nicht mehr relevant, weil die entsprechenden Zivilisationen einen Vorgang durchlaufen, der als "Sublimation" bezeichnet wird und mit dem Verschwinden der entsprechenden Spezies aus dem Raum-Zeit-Gefüge einhergeht. Wer sich dabei an das Perry Rhodansche "Es" erinnert fühlt, irrt, es sind mehr oder weniger Entsprechungen der Kosmokraten. Die Sublimierten halten noch Kontakt zu ausgewählten Repräsentanten, aufgrund des frühen Todes von Banks gibt es allerdings keine Bände, in denen sie eine echte Rolle spielen.

Praktisch ist Stufe 8 die Stufe der höchstentwickelten Zivilisationen, zu denen auch die Kultur zählt. Die Kultur kann man sich als anarchistische Bande vorstellen, in der sich die Pan-Menschheit und viele andere vergleichbar entwickelte und über den gesamten Virgo-Supercluster verstreute Spezies locker zusammengeschlossen haben, um den nicht ganz so lockeren Spezies niedrigerer Entwicklungsstufen des Superclusters gehörig auf die Nerven zu gehen. Stufe 1 entspricht dabei dem ungefähren Niveau der heutigen Menschheit, und von Stufe zu Stufe gilt der Clarkesche Satz, demzufolge die Techologie der höheren Stufe für die niedrigere Stufe wie eine Form von Magie erscheint. Für Stufe-8-Zivilisationen sind überlichtschnelle Raumfahrt, Erzeugung und Nutzung von Schwarzen Löchern zur Energieversorgung und instantaner Transport beliebiger Massen über beliebige Strecken und dergleichen Kleinigkeiten eigentlich nur noch technisch minderwertige veraltete Artefakte einer überwundenen Vergangenheit.

U.a. ist es auch längst schon möglich, den gesamten Wesensgehalt und das Bewusstsein biologischer Wesen im Äquivalent heutiger Elektronik zu speichern und in beliebigen, künstlichen oder biotischen Körpern neu zu verankern. Die Technik für diese Backup-Erstellung ist billig, noch jeder Obdachlose hat überall Backups von sich selbst rumliegen.

Allerdings gibt es Zivilisationen, meist niedrige Siebener oder hohe Sechser, die eben noch nicht so locker sind wie die Kultur-Spezies. Vor allem gibt es Zivilisationen, die aus unzähligen Gründen eine Vorliebe für Höllenqualen haben, sei es aus überkommenen religiösen Werten, sei es zur Abschreckung für die Renitenten unter ihnen - jedenfalls gibt es gigantische Höllennetzwerke, Zusammenschlüsse von Supernetzen, deren alleiniger Zweck darin besteht, den in ihnen gespeicherten Bewusstseine - die sich ihrer selbst auch in dieser Form voll bewusst sind - beliebig viel Schmerzen und Erniedrigungen angedeien zu lassen. Die Schilderungen sind drastisch.

"Krieg der Seelen" handelt vom Krieg zwischen Unterstützern und Gegnern dieser Höllennetzwerke und dieser Krieg wird zunächst rein virtuell ausgefochten. Erst als die Gegner der Höllen zu verlieren drohen, weiten sie den Krieg ins Reale aus und versuchen, die Höllensubstrate zu zerstören (Substrate sind die Urururururururururururururur---Myriaden Ur---Ur-Enkel dessen, was heute Server-Netzwerke sind). Da es sich die Kultur, wie alle anderen Achter und hohen Siebener zur Regel gemacht hat, niemals direkt in einen Konflikt archaischer Zivilisationen einzugreifen, erfolgt die Unterstützung der Gegner der Höllen auf sehr subtile Weise, mit viel persönlichem Einsatz von Einzelpersonen. "Person" darf man dabei auch nicht zu eng sehen, alle starken KI, zum Beispiel die ASS (Allgemeine System-Schiffe) oder BU- oder Qietus-Schiffe (Besondere Umstände, eine Art Geheimdienst, und eine schnelle Kriseneinsatztruppe) verfügen über ausgeprägte Persönlichkeiten, und über Fragen der Art, ob KI Wesen mit Persönlichkeitsrechten sind, ist man auch schon einige Milliarden Jahre hinaus^^ und so macht sich ein loser Trupp von Vagabundenschiffen, ASS, BU und Qietus-Agenten auf zur Tuglianischen Scheibe und demonstriert einigen staunenden Höllenzivilisationen, wozu Magie imstande ist^^

Brilliante technische SF. Eines der wenigen Bücher, bei dem der deutsche Titel dem Inhalt angemessener ist als der Originaltitel.

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Mo 20. Jul 2015, 11:23 - Beitrag #771

Christoph Marzi
Lycidas
Lilith
Lumen
Somnia

alle vier Bände Heyne-Verlag, 2006 - 2009

Normalerweise mache ich mit Büchern, in denen erzählt wird, wie kleine Mädchen zu jungen Frauen werden, schlechte Erfahrungen, und wenn ich vor Lycidas gewusst hätte, dass es sich um so eine Geschichte handelt, hätte ich den Kauf unterlassen. Glücklicherweise wusste ich es nicht^^

Die vier Bände erzählen die Geschichte zweier junger Mädchen, die sich als ganz kleine Kinder im Waisenhaus kennenlernen und Freundinnen für's Leben werden. Was ganz leicht in nerviges Klischee abrutschen könnte, entfaltet sich zu einem hochkomplexen Erzählwerk, das zu gleichen Teilen der Erzählkunst von Charles Dickens, J.K. Rowling und Neil Gaiman entsprungen sein könnte. In dem modernen Steampunk-Setting - viktorianisches Ambiente in unserer heutigen Zeit und Lebenswelt - ist die Geschichte der beiden Mädchen dermaßen mit den unzähligen Subplots verwoben, dass sie kaum noch auffällt.

Das Grundkonzept kennt man von Gaimans American Gods oder auch aus den Anansi Boys - heimatlos gewordene Gottheiten und mythologische Gestalten suchen sich ein neues Refugium, allerdings ist sowohl die mythologische Basis als auch ihre literarische Verarbeitung wesentlich ausführlicher und komplexer als bei Gaiman. Marzi muss entweder hochgebildeter Religionswissenschaftler sein oder er ist es während der Recherche für die vier Bände geworden, jedenfalls verwebt er beginnend mit dem Lilithmythos praktisch alles, was der Vordere Orient, Ägypten und Osteuropa in den letzten 5000 Jahren an Mythen zu bieten haben. Und das Ergebnis liest sich atemlos, spannend und - für Fantasy - tiefgründig.

Wer Fantasy nicht von vornherein für doof hält und Modern Steampunk nicht abgeneigt ist, findet hier eine literarische Perle, die den Vergleich mit Rowling und Gaiman nicht zu scheuen braucht - eher umgekehrt - und literarisch durchaus an Dickens heranreicht.

Traitor
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Sa 25. Jul 2015, 13:18 - Beitrag #772

Oha, Marzi ist ernstzunehmen? Den hatte ich bisher, wohl vor allem der aggressiven Platzierung seiner Bücher in Buchhandlungen nach, für reinen Fließband-Weichspül-Schund gehalten. Aber gleich 4 Bände, hm...

Madeleine L'Engle - A Wrinkle in Time Amerikanischer Jugendbuch-Kanon, mir erst bekannt geworden, als im Zusammenhang mit "Interstellar" das halbe Internet "Tesserakte kennen wir doch aus A Wrinkle in Time" schrieb. Tatsächlich eine sehr schön kreative Geschichte über Raumzeitreisen, Hexen und Wissenschafts-Folklore. Aber auch erschreckend altmodisch und didaktisch im Umgang mit den "Anderssein"-Problemen der jugendlichen Hauptfigur.

Neil Gaiman - The Books of Magic Vermutlich Gaimans schlechtestes Comic-Werk. Es war wohl hauptsächlich als DC-Marketing-Maßnahme gedacht, um in Vergessenheit geratene Figuren mit mythischem Hintergrund wiederzubeleben, und genau so liest es sich auch - reine Nummernrevue mit uninteressanter Hauptfigur und quasi nicht vorhandener Handlung. Nur ein paar nette Gags und ein interessanter graphischer Stil in 3 von 4 Teilen.

Cormac McCarthy - No Country For Old Man Faszinierenderweise fühlt sich das Buch deutlich schneller an als der Film. Trotz teils technisch sehr detaillierter Schilderungen von Waffenpflege, Versteckvorbereitung etc. Chigurh wirkt auch ohne Bardems Gesicht bereits beinahe mythisch. Und die Handlung verwirrt auch nicht so wie in der Coen-Version...

P.G. Wodehouse - Very Good, Jeeves! Jeeves halt. Danach bin ich dann auch endlich mal mit Omnibus 3/5 fertig, die restlichen 2 werden länger warten müssen.

Robert Schneider - Schlafes Bruder Historischer Rahmen, ein fantastisch übersteigertes Sinnestalent als Hauptaufhänger, Vorliebe für deftige Details - wirkt im Wesentlichen wie genau das gleiche Gimmick-Roman-Schema wie beim "Parfum". Deutlich interessanter zu lesen ist es aber als gleichzeitige Dekonstruktion von Bildungsroman und Heimatchronik.

Lykurg
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Mo 27. Jul 2015, 08:31 - Beitrag #773

Marzi habe ich mir gleich als ebook ausgeliehen, um dann festzustellen, daß die Onleihe und Adobe DRM anscheinend nicht mit meinem Reader und Linux funktioniert. Hmmm, ärgerlich.

Ja, die Schlafes Bruder-Parfum-Parallelisierung ist sehr deutlich. Irgendwie denke ich immer, Schlafes Bruder wäre zuerst erschienen, das ist aber tatsächlich andersherum. Und ja zur Heimatroman-Dekonstruktion - ich finde die Erzählerfigur in SB sehr spannend, den mitleidlosen Blick auf das Dorf und die seltsam zwiespältige Haltung zu Elias - Faszination und Ekel. Beide Bücher arbeiten stark auch mit den abstoßenden Ausschlägen der jeweiligen Sinneswahrnehmung, Gestank und Mißklang; beide mit der Ekstase durch erzielte Vollkommenheit. Naturgemäß erscheint mir die entsprechende Szene in SB nachvollziehbarer, wenn auch die im Parfum eventuell realistischer ist.^^ Und für mich ist, trotz allem, SB der grausamere Text - vielleicht, weil nur wenige der Essenzgeberinnen ein Gesicht erhalten, dagegen Gewalt und Leid im und am Dorf fast allgegenwärtig sind.

Ipsissimus
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Mi 19. Aug 2015, 11:00 - Beitrag #774

Harald Specht
Jesus? Tatsachen und Erfindungen

Engelsdorfer-Verlag, Juli 2015

Thema des Buches ist die Spurensuche zum historischen Jesus. Die Ausgangsprämisse des Buches ist dabei, dass ein realexistenter Mensch nur im Einklang mit naturgesetzlich möglichen Sachverhalten existieren kann, so dass alle Aussagen zu Jesus, die im Bereich Glaubenswahrheiten angesiedelt sind, für die Suche nach dem historischen Jesus nur dann relevant sind, wenn sie sich mit bekannten Naturgesetzlichkeiten vereinbaren lassen.

Auf dieser Grundlage unterzieht Specht die vorhandene inner- und außerchristliche Literatur und Überlieferung aus der Zeit zwischen dem ersten vorchristlichen bis ins dritte nachchristlicheJahrhundert - Briefe, Evangelien, Apokryphen, historische Notizen u.a. - einer umfassenden Sichtung, die auch auf die wissenschaftliche und kirchliche Verarbeitung dieser Literatur durch moderne Theologen, Religionswissenschaftler, Archäologen und sonstige Altertumswissenschaftler ausgeweitet ist. Specht orientiert sich dabei im wesentlichen an der heutigen christlichen Kerndogmatik - z.B. Jungfrauengeburt, Kreuzigung, Auferstehung, Geburtsgeschichte, frohe Botschaft uvm. - und sucht in Literatur und Überlieferung nach Belegen, die der Eingangsprämisse des naturwissenschaftlich Möglichen entsprechen. Darüber hinaus setzt er sich mit der christlichen Apologetik auseinander, bespricht also die Erklärungen, die in historischer wie in moderner Zeit gefunden wurden, um die christliche Botschaft gegen ihre Angreifer zu verteidigen.

Auf Grundlage der Ausgangsprämisse gelingen ihm erstaunliche Beobachtungen und Analysen.

Es ist eine Sache, allgemein zu wissen, dass sich das Christentum sowohl hinsichtlich Kernlehre als auch Ritus bei frühen, teilweise sehr viel früheren Religionen und Kulten des ägyptisch-vorderasiatischen Raums bedient hat. Es ist eine ganz andere Sache, diese Bezüge im Detail aufgeschlüsselt und mit literarischen-historischen Belegen versehen vor sich versammelt zu finden.

Es ist eine Sache, wenn allgemein klar ist, dass mit der Geburtsgeschichte inklusive Jungfrauengeburt etwas nicht ganz stimmen kann. Es ist eine ganz andere Geschichte, wenn plötzlich deutlich wird, dass Maria nach jüdischen Kriterien eine todeswürdige Schlampe war, denn wenn Joseph weder ihr Ehemann noch der Vater von Jesus war, muss sie vorehelich mit einem anderen Mann geschlafen haben.

Es ist eine Sache, von den Widersprüchlichkeiten der beiden Stammbäume zu wissen, aber eine ganz andere Sache, wenn diese Widersprüchlichkeiten plötzlich Sinn ergeben, allerdings in ganz anderer Weise, als das, was die Schreiber der Evangelien damit bezweckten.

Es ist eine Sache, allgemein zu wissen, dass die Evangelien sich stellenweise widersprechen. Es ist eine andere Sache, wenn nachgewiesen wird, dass sie sich auch in zentralen Aspekten gegenseitig partiell kontradiktorisch ausschließen und es sich dabei keineswegs nur um Färbungen derselben Geschichte handelt.

Es ist eine Sache zu sehen, wie wenig Rücksicht Paulus auf die vermutlichen Lehren des historischen Christus nimmt. Es ist eine andere Sache zu erkennen, dass er im Prinzip seine eigene Religion erfunden hat.

Es ist eine Sache, ganz allgemein von unterschiedlichen Auffassungen zur Person Jesu im Urchristentum zu wissen, und eine ganz andere Sache, die verlorengegangene Vielfältigkeit und theologische Tiefe vieler dieser Auffassungen - soweit sie rekonstruiert werden konnten - betrauern zu müssen.

Es ist eine Sache, einen historischen Jesus für problematisch zu halten. Es ist eine andere Sache, wenn deutlich wird, dass alle historische Belege zusammen das Papier nicht wert sind, das zu ihrer Apologie verwendet wurde, inklusive der außerchristlichen Kronzeugen Tacitus, Plinius und Sueton.

Und das sind nur ein paar wenige der vielen Themen.

Die Quintessenz lautet: Es mag einen historischen Jesus gegeben haben. Es ist nicht belegbar und wir wissen in Wirklichkeit nichts von ihm. Der heute verehrte Jesus Christus lässt sich als Projektionspunkt von im Grunde inkommensurablen Elementen verschiedenster Traditionen verstehen.

Maglor
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Mi 19. Aug 2015, 11:29 - Beitrag #775

Harald Specht ist eigentlich Lebensmittelchemiker. Ich habe da immer Bauchschmerzen, wenn völlig fachfremde Personen gewagte Thesen aufwerfen und angeblich die neusten Erkenntnisse aus Theologie, Archäologie usw. präsentieren, von denen die Fachwelt noch nie gehört haben will, zumal viele seiner Bücher offenbar in einem auf Esoterik und Anthroposophie spezialisierten Verlag veröffentlicht werden. Immerhin hat er noch nichts über Aliens veröffentlicht.

Ipsissimus
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Mi 19. Aug 2015, 12:07 - Beitrag #776

Das mag sein. Das Buch ist allerdings mit einem umfassenden Quellennachweis und Literaturverzeichnis versehen, und alle seine Darlegungen sind durch fachwissenschaftliche Belege gestützt. Specht argumentiert naturwissenschaftlich, aber er arbeitet nach den Kriterien kritischer Literatur- und Geschichtswissenschaft. Das riecht für mich nicht nach esoterischem Interesse.

Es gibt andere Bücher, z.B. Der Jesuswahn von Heinz-Werner Kubitza, die in dieser Hinsicht eher verdächtig sind. Und Kubitza ist Theologe.

Feuerkopf
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Mi 19. Aug 2015, 16:36 - Beitrag #777

Zum selben Themenkomplex empfehle ich die Fachfrau in Sachen Religion: Uta Ranke-Heinemann.
Nein und Amen - Abschied vom traditionellen Christentum

Das Buch liest sich gut, ist natürlich bestens mit Belegen versehen und befasst sich mit allen kritischen Punkten wie Jungfrauengeburt, Mensch-Sein Jesu, Wunder und Wahrheit und vieles mehr. Endlich habe ich Erklärungen bekommen, die mir immer gefehlt haben. Außerdem ist Ranke-Heinemann ziemlich spitzzüngig und teilt ganz schön aus. ;)
Wundervoll!

Ipsissimus
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Do 20. Aug 2015, 09:39 - Beitrag #778

Ranke-Heinemann ist klasse, ich habe das Buch gern gelesen. Sie polemisiert aber auch sehr viel stärker. Das ist, je nach Kontext, erfrischend oder hinderlich. Specht enthält sich jeglicher Polemik. Seine Arbeit liest sich phasenweise wie eine Metastudie zu wissenschaftlichen theologischen Abhandlungen. Die beiden Bücher sind jedenfalls gute Ergänzungen zueinander.

Traitor
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Sa 28. Nov 2015, 20:38 - Beitrag #779

George MacDonald - The Princess and the Goblin
Letztes Jahr mal angefangen, jetzt auf neuem e-Reader endlich mal beendet.
Zitat von Traitor 2014:Im Gegensatz zur erwachsenen "Lilith" reine Kinderliteratur des 19. Jahrhunderts, liest sich aber überraschend modern, mit netter Darstellung der Goblins als diskriminierter und ghettoisierter sozialer Unterschicht.

Insgesamt weit weg von Pflichtlektüre und eher aus historischer Perspektive interessant als dank seiner eigenen Stärken. Der arme-Goblins-Aspekt geht später leider völlig verloren, dann werden die Goblins zu klassischen Antagonisten, die auch bedenkenlos niedergemacht werden können. Sehr seiner Zeit voraus immerhin, wie die Prinzessin (6 Jahre oder so alt?) den männlichen "Helden" aus seiner unterirdischen Gefangenschaft rettet - wenn er sich auch später mehrfach revanchieren darf. Auch sonst ein paar ganz nette Ideen, aber dafür auch schlecht gealterte Sprache und Charakterisierung.

Andy Weir - The Martian Noch vor dem Film gelesen, danke an Ipsi und Lykurg für die Empfehlung. Sonst hätte ich es wohl bei "da reicht auch der Film" belassen. Tatsächlich aber als Buch deutlich stärker, verbringt ähnlich wie das zuletzt kommentierte "No country for old men" das Kunststück, in geschriebener Originalform kurzweiliger und intensiver zu sein. (Nicht, dass der Film schlecht wäre, dazu später an anderer Stelle mehr.) Viel möchte ich nicht kommentieren, tatsächlich ein fast perfektes Werk. Das andauernde Glück im Unglück, das dann doch irgendwie das Überleben für die nächsten 30 Seiten, sicherstellt, wird natürlich immer unglaubwürdiger, aber sei's drum. Immer noch nicht sicher bin ich mir, ob die Perspektivenerweiterung auf die Erd- und Raumschiffmenschen gut war - einerseits nimmt sie dem Buch viel von seiner ansonsten so atemberaubenden Stringenz und Konzentriertheit, andererseits sind auch diese Bonusgeschichten einfach zu interessant, und die NASA- und JPL-Meetings wirken so irre glaubwürdig. Ach ja, einen offensichtlichen Fehler machte Weir aber: er scheint noch nie mit Deutschen geredet zu haben, denn der deutsche Astronaut hat als sprachliches Kennzeichen den typischen Bestimmte-Artikel-Fehler aufgedrückt bekommen, der eigentlich typisch russisch ist... ;)

Auch in den letzten Monaten gelesen oder noch in Bearbeitung, Kommentare folgen:

Kirill Yeskov - The Last Ringbearer
Takashi Hiraide - The Guest Cat
Arthur Conan Doyle - A Study in Scarlet
Jack Vance - Cugel's Saga
Mark Twain - A Connecticut Yankee in King Arthur's Court
Terry Pratchett - Dragons at Crumbling Castle

Traitor
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So 29. Nov 2015, 11:11 - Beitrag #780

Kirill Yeskov - The Last Ringbearer
Weitere e-Reader-Befüllung auf Lykurg-Empfehlung. Von dieser bin ich allerdings eher enttäuscht. Und zwar nicht, wie Yeskov in seinem beigefügten Essay als nahezu ausschließlich möglichen Grund, sein Werk nicht zu mögen, unterstellt, aus verletztem Tolkienfundamentalismus. Sondern weil ich die Idee der Erzählung aus Mordor-Perspektive zwar klasse finde, die Umsetzung aber eher misslungen.
Zum einen finde ich die gewählte Komplettumschreibung der Geschichte (und Funktionsweise der Welt) deutlich unschöner und auch unspannender als eine sich weitgehend konsistent einfügende Neuperspektive (Tolkien selbst hat doch mit der Cirith-Ungol-Episode schon eine sehr gute Grundlage für eine innerweltliche Ehrenrettung der Orks gelegt). Aber na gut, auch Yeskovs Wahl kann ich als legitim akzeptieren. Ist dann halt mehr eine eigene Fantasywelt mit loser Mittelerde-Inspiration als direkte Tertiärschöpfung, aber meinetwegen.
Schwach finde ich dann aber eben die Umsetzung. Die Sprache wird von vielen Rezensenten als bewusste Parodie angesehen, halte ich aber für eher missglückt bis peinlich. Die Figuren bleiben noch viel blasser als beim Original. Vor allem aber entgleitet ihm das Genre völlig, die ewig lange und selbstverliebte Spionage-Thriller-Episode passt überhaupt nicht ins Setting und ist viel langweiliger als sowohl echte Fantasy als auch echte Spionagethriller in dafür angemessenen Settings. Durchaus nett war auch die Aragorn-Reinterpretation, während die vom Weißen Rat oder der Lorien-Innenpolitik so beliebig wie uninteressant blieben. Dass Yeskov am Ende eine Welt mit deutlich höherem Magie-Level beschreibt als Tolkien, ist dann fast schon Selbstdekonstruktion des Dekonstruktivisten...
Irgendwie interessant zu lesen ist das Ganze schon noch, vor allem halt wegen der Grundidee, aber vermutlich hätte eine kurze paar-dutzend-Seiten-Fanfiction dafür gereicht.

Takashi Hiraide - The Guest Cat
Wenig überraschend: von Kalessin inspirierte Lektüre. ;) Immerhin auch mal wieder auf Papier. Ein japanisches Schriftstellerpaar freundet sich mit einer Nachbarskatze an, was für Reflektionen über Sinn und Sinnlosigkeit von Alltags- und Berufsleben, japanische Gesellschaftszwänge und den dortigen Immobilienmarkt genutzt wird. Sehr empathisch und einnehmend geschildert, mit dem magischen Gefühl, wirklich einen Einblick in diese durchaus fremde Denkwelt zu bekommen. Letztlich aber zu ereignisarm für mich, und das, was passiert (oder auch nur gefühlt wird) wird zu oft wiederholt, ohne echten Erkenntnisfortschritt.

Arthur Conan Doyle - A Study in Scarlet (e)
Bietet sich natürlich an, auch ein paar der mitgelieferten Klassiker abzuarbeiten. Interessant, jetzt auch mal selbst bestätigt zu sehen, wie nah die BBC-"Sherlock"-Serie an der Originalcharakterisierung ist; seltsam und eher überflüssig aber die etwa den halben Text umfassende Mormonen-Vorgeschichte. (Des Täters, nicht von Holmes. Das wäre mal eine echte Überraschung gewesen. ;))

Jack Vance - Cugel's Saga (Papier)
Dritter Teil in meinem "Dying Earth"-Sammelband, direkte Fortführung von "The Eyes of the Overworld". Cugel, der gemeinsame Hauptcharakter, nennt sich inzwischen nicht mehr selbst "the Clever", vielleicht hat er ja die offenkundige Unzutreffendheit eingesehen, wahrscheinlich war aber nur Vance der Formulierung überdrüssig. Ansonsten benimmt der Idiot sich tatsächlich, für seine Verhältnisse, auch etwas weniger daneben als im Vorgänger: statt regelmäßig direkt zu Mord und Vergewaltigung zu greifen, beschränkt er sich jetzt meistens auf sexuelle Ausnutzung ohne direkte Gewaltanwendung und darauf, indirekt Leute in den Tod zu schicken... Leider wird er dann auch seltener und weniger stark für seine Vergehen bestraft, kommt eigentlich immer ganz gut weg, bis auf gelegentliche monetäre Verluste. (Warum gibt es eigentlich auf der ganzen Welt mit ihren diversen Kulturen Einheitssprache und Einheitsgeld...? Sollten sich seit dem Untergang der letzten globalen Zivilisation länst auseinanderentwickelt haben...) Die Erzählung ist dabei einheitlicher und flüssiger, da wohl nicht mehr eine reine Kurzgeschichten-Zusammenbastlung, da Cugel etwas zurückgenommen wurde, ist es aber mehr eine generische Odyssee als die ganz besondere Arschloch-Saga.

Mark Twain - A Connecticut Yankee in King Arthur's Court (e)
Zeitreise-Klassiker, wollte ich schon lange mal lesen. Wunderbar schon das Vorwort:
The ungentle laws and customs touched upon in this tale are historical, and the episodes which are used to illustrate them are also historical. It is not pretended that these laws and customs existed in England in the sixth century; no, it is only pretended that inasmuch as they existed in the English and other civilizations of far later times, it is safe to consider that it is no libel upon the sixth century to suppose them to have been in practice in that day also. One is quite justified in inferring that whatever one of these laws or customs was lacking in that remote time, its place was competently filled by a worse one.

Großartig auch stets, wenn er sich über die Unzustände an Artus' Hof und in ganz Britannien lustig macht, und darüber, wie Lügen die wesentliche Qualität eines Ritters ist ("tötete 6 Ritter mit einem einzigen Lanzenstoß; rettete 42 bildhübsche Jungfrauen unter 30, die seit 50 Jahren in einem Schloss eingesperrt waren; ..."). Oder die Modernierungsversuche des Yankees, von Vokabulartraining für eine racontierende Hofdame bis zu Rittern, die mit Seifenwerbung auf ihrer Rüstung durchs Land geschickt werden. Sehr nervig aber, wenn das Ganze immer wieder in reine Propaganda, mit (Twain-)Jetztzeit-Bezug, gegen Feudalismus und Katholische Kirche und pro amerikanische Freiheit abgleitet.

Terry Pratchett - Dragons at Crumbling Castle (Papier)
Kindergeschichten von Pterry. Bisher durchaus nett. Sehr anstrengend aber die Formatierung mit Leseanfängerschrift und andauern eingeschobenen Riesenwörtern für Überraschungen, Toneffekte oder Dinge, die nunmal groß sind...

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