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Zum Tod von Christa Wolf

Verfasst:
Do 1. Dez 2011, 14:30
von Ipsissimus
Die Schriftstellerin
Christa Wolf ist tot. Sie starb am Donnerstag im Alter von 82 Jahren in Berlin. Das teilte der Suhrkamp Verlag mit. Als DDR-Autorin galt Wolf als eine der wichtigsten deutschen Autorinnen der Nachkriegszeit. Zu ihren bedeutendsten Werken gehören die Romane und Erzählungen "Nachdenken über Christa T.", "Kindheitsmuster",
"Kein Ort. Nirgends", "Kassandra", "Medea. Stimmen" und "Der geteilte Himmel". Ihr letzter Roman "Stadt der Engel oder The Overcoat of Dr. Freud" erschien im Sommer 2010.
Wolf sah die DDR und die SED mit kritischer Distanz, blieb ihr aber bis zum Schluss treu. Vielen Lesern in Ost und West war sie über Jahre eine moralische Instanz des anderen Deutschlands. Sie erhielt zahlreiche Literaturpreise.
http://www.stern.de/kultur/buecher/trauer-schriftstellerin-christa-wolf-ist-tot-1757586.html Deine Bücher waren zu bestimmten Zeiten sehr wichtig für mich.
Ruhe in Frieden

Verfasst:
Do 1. Dez 2011, 16:28
von Lykurg
Auch für mich. - Eine der wichtigsten Autorinnen unserer Sprache; begabt mit einem ausgesprochenen Gerechtigkeitsgefühl, das gerade aufgrund ihrer Bedeutung innerhalb von Staat und Gesellschaft im Umbruch nicht von Vereinnahmung frei bleiben konnte, und sie auf einen widersprüchlichen Weg zwang. Möge ihr großartiges Werk die Erinnerung daran überdauern, und sie die Bewunderung ernten, die ihr zukommt.

Verfasst:
So 11. Dez 2011, 14:16
von Traitor
Der Name sagt mir selbstverständlich etwas (nicht nur, dass es ein Name ist, sondern auch ungefähr, in welche Richtung ihre Werke gehen und wofür sie stand). Gelesen habe ich allerdings nichts von ihr, und habe es bisher auch nicht vor, da ich sie bisher den meisten Nennungen nach weitgehend als stark zeitbezogene Autorin wahrgenommen habe, über die die Zeit weitgehend hinweggegangen ist. Wie es ja bei so einigen berühmten deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts der Fall ist.
Täusche ich mich da? Sind ihre Werke auch für einen nach der Wende Aufgewachsenen lohnenswert, sei es durch auch aus Nachperspektive interessante Schilderungen der damaligen Welt, sei es durch über diese Zeit hinausgehende Aussagen? Wenn ja, was wäre Lesekandidat Nummer 1?

Verfasst:
So 11. Dez 2011, 19:16
von Ipsissimus
ich habe ja zwei ihrer Bücher, Nachdenken über Christa T. und Kein Ort. Nirgends im Literarurthread vorgestellt. Von beiden Büchern denke ich, dass sie zeitlos sind. Das erste spielt zwar in einer spezifischen historischen Situation Deutschlands, enthält aber derart reiche Gedankengänge und Beobachtungen, dass es den Zeitgeist mühelos überrundet; das zweite geht von der Thematik - höchstes Talent, aber missverstanden und von der eigenen Zeit aller Möglichkeiten beraubt - ohnehin über alle Zeitgebundenheit hinaus. Und auch andere Bücher von ihr enthalten diese Komponenten. Also ja - sie ist eine, deren Werk bleiben wird, soweit ich das überhaupt beurteilen kann.

Verfasst:
Mo 12. Dez 2011, 18:43
von Lykurg
Beide habe ich nicht gelesen (und unbedingt vor, zumindest Kein Ort. Nirgends, auch weil ich Kleist schätze), dafür zu Schulzeiten Der geteilte Himmel, später Kassandra und Medea. Stimmen. Naheliegenderweise empfehle ich nicht die Schullektüre^^, sondern Kassandra, in meinen Augen ein wirklich starker, berührender Text. Mir graust es beim Gedanken an die großartige Schlußszene, aber auch sonst mag ich das Wiedererzählen von Mythen aus anderer Perspektive und mit leichten Abweichungen allzu gern. Inwieweit Medea zeitlos ist, finde ich schwer zu beurteilen, dafür ist er vielleicht noch zu neu. Kassandra funktioniert jedenfalls auf den verschiedensten Ebenen und wird zumindest für mich seinen Platz sicher behalten.
Christa T., Medea und Kassandra perspektivieren ziemlich stark weiblich (wobei Medea das durch wechselnde Erzähler zwar aufbricht, aber den Fokus natürlich entsprechend auf die Hauptfigur und ihr Erleben setzt), Kein Ort. Nirgends und Der geteilte Himmel sind da ein Stück 'neutraler', eher eine doppelte Außenseiterrolle.

Verfasst:
Mi 4. Jan 2012, 17:55
von Amy
Diese Nachricht ging gänzlich an mir vorbei - ihr Tod tut mir sehr leid.
Ich wurde vor einigen Jahren auf sie aufmerksam, als meine Deutschlehrerin meinte, mein Schreibstil würde dem von Christa Wolf ähneln. Danach habe ich "Kassandra" gelesen und was sehr von ihrer Art zu schreiben angetan.
Traurig, eine weitere gute, deutsche Autorin missen zu müssen.