Nomenklatur in der Literatur

Die Faszination des geschriebenen Wortes - Romane, Stories, Gedichte und Dramatisches. Auch mit Platz für Selbstverfasstes.
Seeker
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Mo 30. Jun 2003, 13:37 - Beitrag #1

Nomenklatur in der Literatur

Moin!

Mich würde interessieren, wie die Begriffe Kurzgeschichte, Novelle, Erzählung und Roman von Euch ausgelegt werden. Was macht was zu eben diesem?

Roman:
Ist klar - eine Geschichte über längere Zeit, viele Handlungsstränge, Charaktere. Unbegrenzte Seitenzahl.

Novelle:
Abgespeckter Roman, handelt von einem Teil der Geschichte. Wieviele Seiten? Hm ... da gehts schon los ... ungefähr 100-200?
Hab mal ein gutes Beispiel für die Definition einer Novelle gelesen:
Stellt Euch einen Kreis vor. Er verkörpert den Roman. Der Mittelpunkt ist der Kern der Geschichte. Die Novelle gleicht einem Tortenstück aus diesem Kreis (schneidet als den Mittelpunkt, den Kern der Geschichte) und eine Kurzgeschichte wird mit einem Bogenschnitt verglichen (ist nur eine Situation, muß nicht den Kern enthalten).

Erzählung:
Tja, da weiß ich nicht weiter. Ich würde das mit Roman gleichsetzen, aber es gibt ja auch sehr kurze Erzählungen.

Kurzgeschichte:
Klassisch: nicht mehr als 20 Seiten, abgeschlossene Situation.

Was denkt ihr?

Gruss,
Seeker

Traitor
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Mo 30. Jun 2003, 17:59 - Beitrag #2

Das sind alles recht schwammige Begriffe. Bei Roman vs Novelle würde ich mich deiner Einteilung anschließen. Nur, dass ein Roman nicht unbedingt mehrere Handlungsstränge beinhalten muss, es gibt genug, die nur einen verfolgen. Oder meinst du mit "Handlugnssträngen" nicht mehrere PArallelhandlungen, die sich erst später oder unterwegs verbinden, sondern Handlungsthemen?

Bei der Erzählung kenne ich keine "offizielle" Definition, würde sie aber intuitiv nicht als Umfangs-Klasse betrachten, sondern als Form der Präsentation: Ein Erzähl-Roman zB im Gegensatz zum Briefroman. Demnach wären die meisten Romane, Novellen und Kurzgeschichten alles Erzählungen.

Die Kurzgeschichte kann laut Deutschunterricht auch 100 Seiten lang sein, wenn Kriterien wie offener Anfang und Ende sowie enger zeitlich-örtlicher Rahmen eingehalten sind. Das halte ich aber nicht für eine sonderlich gute Definition, da der Sinn des NAmens verloren geht.

Padreic
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Mo 30. Jun 2003, 18:22 - Beitrag #3

Ich hab mal bezüglich Novelle nachgeschaut (in meiner Ausgabe der Judenbuche steht eine Begriffsbestimmung).
Es kommt von lateinisch 'novella', das 'Neuerung in einem Gesetz' bedeutet. Nach Goethe wird eine 'sich ereignete, unerhörte Begebenheit' dargestellt. Meist geht es darum, wie das Schicksal eines Menschen in einer schwierigen lage, in einer inneren oder äußeren Krise eine Änderung erfährt und plötzlich eine nue Wende nimmt.
Die Form der Novelle ist meist knapp und straff und zielt auf einen Höhepunkt, den Wendepunkt der Geschichte hin. Oft wird ein sogenannter 'Fale' verwendet, das ist ein Gegenstand, an dem sich der Einfluss des Schicksals besonders deutlich zeigt und spiegel (z. B. die Judenbuche in der gleichnamigen Novelle).

@Traitor
Eine Erzählung ist, denke ich, nicht einfach die Bezeichnung dafür, dass etwas in Prosa mit einem normalen Erzähler geschrieben wurde. Ich kenne das für etwas kürzere Geschichten, eher noch kürzer als eine Novelle. Z. B. Kafkas Urteil wird als Erzählung bezeichnet. Vielleicht eine Art Kurzgeschichte, ohne dass die entsprechenden Merkmale (bis auf die Kürze) zutreffen.

Padreic


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