Da ich ja bereits im Literatur-Quiz etwas dazu geschrieben habe, mal noch etwas zu politischen Inhalten bei Verne, von dem ja oft nur die Bedeutung für Abenteuerromane und SF gesehen wird.
Mehrere seiner Bücher, vor allem "20.000 Meilen unter dem Meer" und "Mathias Sandorf" beschäftigen sich mit dem Freiheitskampf unterdrückter Völker. Kapitän Nemo und Graf Sandorf sind beides Männer, die ihre großen Mittel dazu einsetzen, diesen zu mehr Freiheit zu verhelfen. Verne schien in diesem Bereich sehr engagiert zu sein und verarbeitete das in seinen Büchern.
Ebenfalls häufig zu sehen ist die Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen mit Adels-/Bürgerschicht und armer Bevölkrung, am besten erkennbar an den diversen Herr-Diener-Beziehungen (der legendäre "Passepartout" als Beispiel). Auch Schwarze kommen in einigen Büchern vor und werden ebenfalls als "vollwertige Menschen" gesehen, entgegen vieler Ansichten dieser Zeit.
Desweiteren ist, wie im alten Post geschrieben, Verne rückblickend oft vorgeworfen worden, den Fortschritt zu glorifizieren. In vielen Büchern sieht man aber auch die negativen Seiten dieser Entwicklung, wie im erwähnten "Kein Durcheinander" und am allerstärksten in "Die Erfindung des Verderbens". Dieses Buch handelt von einem Erfinder, der eine extrem starke neue Waffe entwickelt hat, eine Art Raketensystem. Kein Land der Welt will diese bezahlen, dafür steckt man ihn in eine Nervenheilanstalt, um ihm das Geheimnis abzupressen. Von dort entführen ihn Verbrecher, um mit dieser Technik die Welt zu terrorisieren. Hier sieht man ganz klar die Auseinandersetzung mit den kriegerischen Folgen der Wissenschaft, und es würde mich nicht wundern, wenn Dürrenmatts "Physiker" hier stark inspiriert wurden.
Das mal, um den Blick auf diesen Autor nochmals zu schärfen
