Das Englische klingt fließender als das deutsche. Deshalb lässt sich auch so ein leicht melancholisch, wehmütiger Ton bestens in Englisch schreiben, auch oder besonders wehmütige Erinnerungen an die Vergangenheit ('Elder days'). Praktisch an der englischen Sprache ist auch die Vermengung von germanischen und romanischen Wurzeln. Wenn man sich auf eine Richtung konzentriert, kann man schöne Stiländerungen schaffen (siehe auch Tolkien).
Im Deutschen lässt sich aber IMHO Kraft besser ausdrücken.
Ein Beispiel aus dem Herrn der Ringe, an dem sich die beiden Sprachen IMHO recht gut vergleichen lassen:
Arise, arise, Riders of Theoden!
Fell deeds awake: fire and slaughter!
spear schall be shaken, shield be splintered,
a sword-day, a red day, ere the sun rises!
Ride now, ride now! Ride to Gondor!
Auf! Auf! ihr Reiter Theodens!
Zu grimmen Taten: Feuer und Schlachten!
Speer wird zerschellen, Schild zersplittern,
Schwert-Tag, Blut-Tag, ehe die Sonne steigt!
Nun reitet! Reitet! Reitet nach Gondor!
Das englische klingt irgendwie flüssiger, aber vielleicht nimmt ihm gerade das die Kraft.
Und es mag sein, dass es im Deutschen im Allgemeinen etwas schwerer ist, zu reimen (Gedichte sind ja nicht notwendigerweise auf Reim angewiesen!). Aber für Balladen halte ich das Deutsche für nicht schlecht geeignet. Nimm beispielsweise Schillers Bürgschaft. Da werden IMHO auch gut die Möglichkeiten der deutschen Sprache deutlich. "Er schlachte der Opfer zweie und glaube an Liebe und treue.", "Mich Henker erwürget, hier bin ich für den er gebürget!", "Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der dritte." etc. sind nur ein paar Beispiele aus dieser genialen Ballade. Aber auch der Ring des Polykrates, der Fischer, der Erlkönig, John Maynard etc. sind alles großartige Balladen. Und wieviel schöne englische Balladen gibt es?
Aber für Gedichte, wie du sie z. B. gepostet hast, ist natürlich die englische Sprache besser geeignet, besonders für das innerchronologisch zweite. Gereimte, erinnerungsschwere Wehmut ist natürlich ideal für die englische Sprache. Liebesgedichte sind vielleicht im englischen auch besser aufgehoben. Deutsche klingen teilweise etwas seltsam. Da kenn ich mich aber auch nicht so gut aus. Naturgedichte kann ich mir auch ganz gut im Deutschen vorstellen.
Das Altgriechische ist wohl auch eine ganz besondere Sprache. Ich hab mal gelesen (d. h. bei mir normalerweise im Bezug auf Sprachen, Tolkien hat es irgendwo geschrieben

), dass beispielsweise die Ilias auch stark von der altgriechischen Sprache abhängt und damit meine ich nicht nur das Metrum der Hexameter, für das die langen griechischen Wörter besonders geeignet waren. Tolkien schrieb, dass auf Grund des Wohlklangs der griechischen Sprache Namen eine sehr große Rolle spielten. Aber mein Altgriechisch ist bei mir auch etwas zu "eingerostet" (*g*), als dass ich das wirklich beurteilen könnte.
Die lateinische Sprache hat auch recht eigene Möglichkeiten. Ich kenne mich nicht so sehr in der lateinischen Literatur aus, Caesar und Cicero sind ja eher Sachtexte, aber ein wenig Ovid und Terenz hab ich gelesen. Beide sind auch gedichtet, was aber im lateinischen nicht heißt, dass es sich reimt. Das Metrum hing hier hauptsächlich von langen und kurzen und nicht von betonten und unbetonten Silben ab. Jedenfalls klingen die Gedichte von Ovid auf ihre Weise sehr schön, aber auch sehr streng. Ich denke, weder das "englische" wehmütige, noch die "deutsche" Kraft sind Stärken der lateinischen Sprache, eher Logik und Strenge, Harmonie. Eine schöne Möglichkeit der lateinischen Sprache ist auch ihre fast völlig freie Wortstellung. Das erleichtert auch das reimen und erlaubt sehr interessante Stilfiguren, wie beispielsweise den "Hyperbaton", eine Stilfigur, die einen Ausdruck betont, in dem sie seine zusammengehörenden Teile (beispielsweise Adjektiv und Nomen) ein paar Wörter auseinander schreibt. Allgemein hat die lateinische Sprache fast eine unendliche Anzahl von möglichen Stilfiguren, die sie besonders für Rhetorik geeignet machen. Die logische Strenge kann hier auch helfen, ist aber auch für logische Sachtexte wohl sehr geeignet. Das sieht man auch daran, dass noch Ende des 19. Jahrhunderts ein bedeutender Logik-Text (Arithmetices principia, nova methodo exposita von Peano) in Latein geschrieben wurde. Aber das führt wohl etwas am Thema vorbei.
Ich habe auch einmal gelesen, dass nordische Sprachen, besonders isländisch oder altisländisch für episches sehr gut geeignet sein sollen.
Zwar jetzt etwas unstrukturiert geworden, aber ich hoffe, der ein oder andere Gedanke ist erkennbar...
Padreic