Von einer, die auszog, ein Buch zu schreiben...

Die Faszination des geschriebenen Wortes - Romane, Stories, Gedichte und Dramatisches. Auch mit Platz für Selbstverfasstes.
aleanjre
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Di 8. Jun 2004, 19:03 - Beitrag #1

Von einer, die auszog, ein Buch zu schreiben...

Fortsetzungsgeschichte, 1. Teil

The making of "Fäden des Schicksals"


Ich muss ein wenig weiter ausholen, wie ich an diesen Punkt gekommen bin.
Seit ich 14 bin, schreibe ich aktiv. Nach einigen Versuchen schaffte ich es mit 15, mein erstes Buch zu schreiben. Ein fiktiver Schicksalsroman, grottenschlechte Papierverschwendung. Das wußte ich auch, ich wollte mir nur beweisen, dass ich es schaffen kann, einen roten Faden von Anfang bis Ende zu spinnen, und das habe ich geschafft. Danach wurde das Skript feierlich in der Schublade und etwas später in den Papiermüll versenkt. Wertvoll durch Wiederverwertung.
Danach hab ich erst mal einen Fernkurs über Kreatives Schreiben und Journalismus gemacht, Schule beendet, Ausbildung begonnen.
Mit 18 dann ein neuer Anlauf, mein erster Fantasieroman. Uuuh, was war ich stolz! Mit 19 war er fertig, und ich fand ihn mega - gelungen. Meine treuen Testleser, Freunde und Verwandten, lobten mich ganz enthusiastisch, sahen es schon im Buchladen stehen. So ermutigt, hab ich also eine Leseprobe an die großen Verlage geschickt, die ich so kannte - Heyne, Goldmann... Sechs Mal insgesamt. Jedes Mal hoffnungsvoll Porto investiert, wochenlanges nägelkauendes Warten - und dann die Absage. Mehr als sechs Verlage kannte ich nicht, ich wußte nicht, dass die großen Branchenführer keine Neulinge annehmen. Ich wußte nichts von Kleinverlagen oder wie man an diese Adressen kommt. Nach der Enttäuschung hatte ich auch keine Lust mehr, hab das Skript in die Schublade gepfeffert und mich wieder auf mein reales Leben konzentriert. Examen, turbulente Beziehung, Heirat, ungewollte Schwangerschaft.
Zwischendurch hatte ich immer mal Ideen für neue Bücher, aber wann immer ich anfing, sie aufzuschreiben, kam ich nicht weit. Die Ideen hab ich gesammelt, immer mal wieder einen Neustart versucht. Nichts gelang.
Ich nahm mein altes Skript irgendwann mal wieder in die Hand und hab es gelesen. Und war so enttäuscht von mir selbst. Schöne Ideen, gruselig umgesetzt. Kein eigener Stil, eine müde Kopie verschiedener Lieblingsschriftsteller. Ich bescheinigte mir mangelndes Talent und beschränkte mich wieder aufs Lesen.

Nach sechs Jahren und vielen vergeblichen Ideen passierte etwas. Erst mal wenig spektakulär: eine neue Idee. Weil ich gerade Zeit hatte, fing ich an zu schreiben. Und plötzlich fügte sich einer meiner alten Ideen ein. Und dann noch eine. Innerhalb von Minuten stand eine komplette Welt, eine Mythologie und ein roter Faden vor meinen Augen.

11 Monate lang hab ich gepinnt, gepinnt, gepinnt, überarbeitet und gefeilt. Dann war es fertig: "Fäden des Schicksals".

Und nun?

aleanjre
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Di 8. Jun 2004, 19:29 - Beitrag #2

Ein Traum wurde zwar nicht wahr...

Fortsetzungsgeschichte, Teil 2

Tja, da stand ich nun mit meinem Buchskript. Meine Testleser machten artige Komplimente, aber keiner schlug Salti rückwärts. Auch sonst war mein Umfeld nicht sonderlich aufgeregt über mein Hobby. Ich schob reichlich Frust und traute mich nicht, es einzusenden. Die Enttäuschung des 1. Versuches hatte ich noch nicht verdaut.
Irgendwann schrieb ich meine Gedanken in einem Forum, und wurde sehr liebevoll aufgefangen. Man verwies mich zu einem Bücherforum, wo auch Leseproben eingestellt werden konnten. Das versuchte ich, ohne Erwartung, denn das Forum war sehr klein, und die Leseproben bekamen oft nur ein einziges Kommentar von der Moderatorin.
Nicht so meins: Unzählige Beiträge prasselten herein, wildfremde Menschen freuten sich über meinen Text, bettelten um Fortsetzung!
Hey, was tat das gut!
Bestärkt und ermutigt suchte ich also nach Verlagen in der passenden Größe. Die kleine Größe, eben. Prompte Antwort der mittelständischen Verleger: Deutsche Fantasie funzt nicht!
Aber immer nur weiter, und weiter gesucht! Schnell kam ein Angebot rein. Ein Zuschussverlag. Unseriöse Sorte. Die wollten 28.000 Euro! Für den Preis hätte ich das Ding selbst verlegen können, 5000 Exemplare + Werbematerial drucken und ein Lager anmieten. Wußte ich nicht. Aber so viel Geld hatte ich nicht. Außerdem war klar, dass die Ausgabe niemals wieder rein käme.
Ich heulte, war traurig und ganz sicher: dat wird schon wieder nix!
Weitere Recherchen ergaben: Mein Skript hatte wirklich keine reale Chance irgendwo bei einem normalen Verlag angenommen zu werden. Selbst die kleineren Vertreter scheuen sich, unbekannte Autoren anzunehmen.
Da schrieb mich ein Verlag an, der eigentlich schon abgesagt hatte. IRgenwie war die Leseprobe doch zum Lektor geraten, und er wollte das Gesamtskript zur Prüfung. Ein sehr netter Email - Dialog mit der Verlagschefin entstand. Sie machte kein Geheimnis draus, dass ihr Verlag zu klein ist, um völlig kostendeckend zu arbeiten. Ich machte kein Geheimnis draus, dass ich keine 28.000 Euro in der Jackentasche habe. Wollte sie aber auch gar nicht.
Der Lektor gab grünes Licht, man war sehr interessiert.
Das Angebot lautete: ein kleiner Beitrag zum Lektorat, Cover und Druckkosten. (In der Höhe der Kosten für ein luxuriöses Mountainbike - also durchaus erschwinglich). Als Gegenleistung: 10 % von jedem verkauften Buch. (Normal - Verlage geben 3 % an Neulinge und 7% an alte Hasen).

Habe lange mit meinem Liebsten diskutiert. Und wir haben es gewagt. Also hab ich den Vertrag unterschrieben.

aleanjre
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Di 8. Jun 2004, 19:48 - Beitrag #3

Warten, warten, warten...

Fortsetzungsgeschichte, Teil 3

Nun gut. Ich hatte geschafft, was nur 1 % all jener schaffen, die ein Buch geschrieben haben. Mein Buch sollte veröffentlicht werden. Hurra!
Man versprach mir, dass es 3 Monate lang dauern sollte. Und ich wartete. Nägelkauend. Daumendrehend. Tapetezerguckend.
Die Verlagschefin, eine supernette Frau, antwortete liebenswürdig auf all meine aufgeregten Nachfragen: das Lektorat dauert an. Zwischendurch hielt sie mich mit Vorentwürfen des Covers bei Laune, und die waren bald Teil meiner rosigsten Träume, so wunderschön!
Geplant war übrigens ein Zweiteiler, weil ich eine Vorlage für ca. 800 Seiten geliefert hatte. Weil aus Kostengründen kein Hardcover, sondern Paperback gedruckt werden sollte, wäre das für ein einzelnes Buch zu viel gewesen.
Kurz vor Ende der 3 Monate kam sie mit der frohen Nachricht: sie hatte lange gesucht und eine Druckerei gefunden, die die Spezialsätzen und Sonderschriften arbeitete und so die Seitenzahl auf rund 550 zusammenschnurren lassen konnten. So konnte es bei einem Buch bleiben! Heureka! Mittlerweile stand nämlich schon fest, dass der Preis ziemlich hoch werden würde, und da war ein einziger Band viel besser. Das Lektorat würde allerdings ein bisschen länger dauern als gedacht...

Ich bohrte mal vorsichtig nach wegen Veröffentlichungstermin. Es kamen Ausflüchte, bis ich mal virtuell ganz höflich auf den Tisch schlug, und es endlich konkret wissen wollte. Da waren schon vier Monate vergangen, meine "Fans" im Forum warteten schon ganz verzückt. Ich wollte doch auch endlich, endlich mein Buch haben!
Die Verlegerin entschuldigte sich tausend Mal, sie hatte mich halt nicht enttäuschen wollen, weil ich doch so vorfreudig war, und sie hatte auch gehofft, dass der Lektor in die Puschen käme, aber...
Nun gut. Wir kamen überein dass sie von nun an schonungslos ehrlich sein solle und verschoben die Erwartung auf unbestimmt. Den wartenden Fans in spe sagte ich was von internen Problemen.

Da endlich kam das lektorierte Stück zu mir zurück, zum gegenlesen.
Uuh. Ich war enttäuscht! Inhaltlich hatte der Lektor schon gut gearbeitet, Schachtelsätze entknotet, überflüssiges behutsam gestrichen. Gut, auch einiges, dass unentbehrlich war, aber als ich mit dem Fehdenhandschuh drohte, wurde es artig wieder zurückgebaut. Ja, aber die RECHTSCHREIBUNG! Nicht nur, dass er meinen Mist stehen gelassen hatte, er hatte einiges verschlimmbessert durch falsch verstandene neue Regeln.

Nun saß ich gerade privat auf heißen Kohlen. Mein Schwiegervater, von mir gepflegt, lag im Sterben, meine kleinen Kinder dazwischen, mein Mann hatte es extrem stressig auf der Arbeit. Anspannung und Stress an allen Enden, und ich wollte doch endlich mein Buch! Also hab ich es normal durchgelesen, alle Fehler korrigiert die ich so fand, aber nicht in die Tiefe gesucht. Sinnvoll wäre es gewesen, die Veröffentlichung noch einen Monat zu verschieben und intensiv zu forschen. Irgendwie hatte ich auch im Hintersinn, dass das Korrektat jetzt noch irgendwie kommen würde?
Kam aber nicht.
Am 17. Oktober 2003 kam mein Buch in den Handel, als Paperback, für einen schockierenden Preis. 520 Seiten inclusive einiger Rechtschreibfehler, die ich eben nicht mehr gefunden hatte.

aleanjre
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Di 8. Jun 2004, 20:29 - Beitrag #4

Fazit

Fortsetzungsgeschichte, letzter Teil

Da hatte ich nun mein eigenes Buch in der Hand! Was für ein Gefühl! Weihnachten, Ostern, Geburtstag und Sommerferien waren auf einen Tag gefallen. Zwei Wochen lang nahm ich immer wieder mein privates Exemplar in die Hand, streichelte es ganz vorsichtig, begeisterte mich am wunderschönen Cover, erfreute mich an der liebevollen Innengestaltung. Wen interessieren Verkaufschancen? Ich hatte mein eigenes Buch veröffentlicht!

Meine "Fans" erhielten alle ihr Exemplar, und sie zeigten sich begeistert. Weitere Bücher wurden verkauft, ich bekam Fanpost von Fremden. Einer wollte sogar eine Autogrammkarte. *eeeeek*
Suuuuuper Rezis wurden geschrieben, an amazon, an X-zine, rund durchs Netz. Wow! Das machte Spaß, das war bauchpinselig gut, das war - ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Ich gab Interviews für die lokalen Zeitungen, ich hatte sogar eine Lesung, bei der ich allerdings nichts verkaufte. Aber netten Beifall bekam, freundlich - interessiertes Publikum. Es gab NICHT EINEN, der das Buch für völlig missglückt hielt oder sich im Anschluss über das Geld beschwerte. Nun ja, das war alles schön. Trotzdem weigerten sich alle Buchläden, es anzunehmen. Ich versuchte es auf Kommissionsbasis, aber da hätte ich draufgezahlt.

Nach über einem halben Jahr die Bilanz: 85 Bücher wurden ausgeliefert. Davon liegen noch fünf bei mir zuhause. Ca. 45 - 50 (hab's grad nicht parat) habe ich selbst vertrieben, als handsigniertes Exemplar mit ein bisschen Rabatt als Zugabe. Ich kann verbilligt einkaufen. Der Rest ging über amazon, Bestellungen im Buchhandel, direkt über den Verlag.

Immer noch ist es ein großartiges Ding, ich hab mein eigenes Buch veröffentlicht. Der Verlag müht sich, für die Lesung zum Beispiel habe ich sofort kostenloses jede Menge Werbematerial erhalten. Immer noch erfreue ich mich an jedem netten Kommentar. Aber irgendwie ist auch jedes dieser Lobpreisungen bitter. Es ist anscheinend ein lesenswertes Buch. So schade, dass nicht viel Verbreitung finden wird.
In einem Forum bin ich mal an einen jener "geschafften" deutschen Fantasie - Autoren geraten. Er lachte mich aus, als er hörte, dass ich ein wenig zum Druck beigesteuert hatte, dass ich bein einem Verlag bin, der nur 500er Auflagen fährt und deshalb sehr teuer publiziert. Verhöhnte mich, beleidigte mich, dass ich nur spielen würde, keine ernste Absichten hätte.
Diese dämliche Pappnase hatte kein Recht, mich so abzuhandeln. Und beim amazon - Verkaufsrang bin ich inzwischen knapp an seinem letzten Buch dran!
Womit er aber Recht hatte: zwischen einer Autorin und einer Schriftstellerin liegen Verkaufszahlen.
Ich bin die Autorin eines schönen Buches. Keine Schriftstellerin.

Manchmal sonne ich mich begeistert in dem Wissen: Ich habe 80 Menschen + x gute Unterhaltung geliefert. (x = jene, die sich das Buch irgendwo geliehen haben).
Und manchmal wünschte ich...

Skellington
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Di 8. Jun 2004, 21:19 - Beitrag #5

Ein gutes Posting, wenn ich auch bedauere, daß du den spannenden Teil mit "Examen, turbulente Beziehung, Heirat, ungewollte Schwangerschaft" derart kurz gehalten hast...

Es kommt in der Tat einer Tragödie gleich, Ausdauer und Inspiration genug für einen in sich geschlossenen Text aufzubringen, ganz ebenso, als es einen ähnlichen Aufwand bedeutet, gar zu publizieren. Es ehrt dich nicht allein, sondern bedeutet überaus viel, daß dir dieser Kraftakt gelungen ist, Aleanjre.

Der Weg von einem Manuskript zu einem Roman, um den sich an regnerischen Sonntagen alte Herren, Kinder und neugierige Tauben scharen, ist eine Ochsentour. Und ein jeder, der sich berufen fühlt, diesen Weg zu gehen, sollte sich schlicht besser darüber im Klaren sein.
Um bei einem besseren Verlag unterzukommen, sollte man schon verdammt gut und talentiert sein, und selbst unter solch günstigen Vorzeichen scheint es unwirklich, daß sich ein desillusionierter, darbender, gedemütigter, gelangweilter, zorniger, zögerlicher Lektor daran macht und einen Blick hinein wirft, anstatt es ungesehen in den Ofen zu werfen.

Ein Modell der Selbstbeteiligung ist - wenn es in dem Beispiel der Threaderöffnerin auch zu einem glücklichen Ende geführt hat - stets mit dem Geruch unseriöser Praxis behaftet. Meiner Überzeugung nach sollte ein jeder, der dies als eine gute Voraussetzung für Erfolg in seiner Leidenschaft erwählt, sorgfältig prüfen. Ein harmloserer und gefahrloserer Weg erscheint in diesem Zusammenhang die Teilnahme an regionalen Wettbewerben und diversen Förderpreisen, zumal der ambitionierte Jungautor dabei sogleich ein (mehr oder weniger) differenziertes Urteil über sein Werk und eine nicht zu unterschätzende Gewichtung bei Verlagen erhält.

Abschließend sei zu erwähnen, daß sich trotz der oft herbeibeschworenen sinkenden Sterne von Pop-, Jung- und Gelegenheitsautoren gute Dinge immerzu durchsetzen werden, so daß niemandem abgeraten sein soll, Rowohlt mit Manuskripten einzudecken. Doch ich persönlich rate zum wahren Beginn (und für zartbesaitete Seelen) zu kleinen Schritten und großer Hoffnung.


Das Ende klang nicht ganz optimistisch, hm..?

aleanjre
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Mi 9. Jun 2004, 01:15 - Beitrag #6

@Skellington:
Wenn ich den "spannenden" Teil ausgewalzt hätte, säße ich noch morgen früh tippernd hier... ;)

Nach all den frustigen Ablehnungen durch diese so merkwürdige Spezies "Lektor" hatte ich eigentlich nur den Wunsch, doch ein einziges Mal Erfolg zu haben. Ich habe für mein Geld ein nicht gänzlich Mängelfreies, aber doch meinen Erwartungen entsprechendes Exemplar bekommen und ich war sehr zufrieden. Irgendwie hatte ich mir das schon viel einfacher vorgestellt, geglaubt, nach der Veröffentlichung läuft das von allein, aber die Erfahrung werte ich als positiv.
Ich war völlig überwältigt von der großartigen Resonanz. Ich hatte mit Kritik, mit enttäuschten Lesern gerechnet, mich auf vernichtende Rezis eingestellt. Gerade der Erfolg war es, der hungrig nach mehr machte.
Sehnsüchtige Gedanken: Mensch, wäre es doch ein größerer Verlag gewesen... wäre es doch billiger...

Ist es aber nicht. Ich bin nicht pessimistisch, nur ein bisschen wehmütig.

Und die kleinen Schritte, die gehe ich längst. Letztes Jahr hab ich's in eine Gedichtsanthologie geschafft, dieses Jahr in eine Kurzgeschichtensammlung. Ich durfte mit vier anderen Autoren sogar eine Lesung halten. An verschiedenen anderen Anthologien nehme ich noch teil und werde mir dieses Vergnügen auch weiterhin gönnen.
Im Moment feile ich an der Endüberarbeitung eines Jugendbuches, mit dem ich am Wo-Ho. Förderpreis teilnehmen will. Die Hoffnungen sind nicht groß, weil meine Geschichte ganz schön abseits von der Norm ist. Aber die Dame von der hiesigen Postfiliale ist sehr nett, ich kaufe gerne Briefmarken.

Ich weiß nicht, ob ich berufen bin, Schriftstellerin zu sein. Es würde mir gut gefallen, da ich gerade in der beruflichen "Quo Vadis" - Schwebe hänge. Die Härten und Tücken dieses Weges sind mir nur zu gut bewußt. Ich habe gerade nichts anderes vor, und nichts mehr zu verlieren. Die Naivität konnte ich unterwegs abwerfen. Also werde ich losspazieren und die Aussicht genießen.

Juniregen
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Mi 9. Jun 2004, 14:16 - Beitrag #7

Ich möchte dir auf jeden Fall von ganzem Herzen viel Erfolg wünschen. Habe selbst früher auch gerne geschrieben, einige wenige Kurzgeschichten wurden sogar veröffentlicht, aber zu einem Buch fehlt mir derzeit leider die Ausdauer. Leute, die das fertiggebracht haben, verdienen meiner Meinung nach wirklich Respekt. Ich wünsche dir, daß du deinen Weg zuversichtlich weitergehen kannst und nicht von allzuvielen Steinen entmutigt werden wirst. :)

Skellington
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Mi 9. Jun 2004, 16:53 - Beitrag #8

Aleanjre, wir sollten in einem ruhigen Augenblick tatsächlich über die Schwerpunkte deiner Satzkonstruktionen sprechen. Du wirst mir doch nicht allen Ernstes, zu deiner bewegten Vergangenheit, noch eine liebreizende Postangestellte vorenthalten, welche in derart erwartungsvoller Wärme höchstens von einer Hand voll Briefmarken übertroffen sein mag..?

aleanjre
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Mi 9. Jun 2004, 19:29 - Beitrag #9

@Juniregen: Danke schön. :)
Warum schreibst du nicht weiter Kurzgeschichten, wenn es schon nicht zu einem langen Roman reicht mit der Zeit? Es ist so ein schönes Hobby.

@Skellington: Wir können gerne über alles reden. Ob ich deine Fragen beantworte, wird sich dann zeigen... :D
Aber die Postangestellte werde ich dir nicht vorenthalten. "Liebreizend" ist das falsche Adjektiv. "Herzlich" trifft es. Eine kultivierte, höfliche Dame Anfang 50, die mich jedes Mal mit einem Lächeln beim Namen grüßt, auswendig weiß, wie viel meine Paketformate kosten und gelegentlich Zeit zu einem Schwätzchen hat.
Präzise gesagt: ich lebe auf'm Dorf. ;)

So besser?

Juniregen
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Mi 9. Jun 2004, 19:32 - Beitrag #10

Ja, aleanjre, da hast du schon recht. Mir hat es auch immer sehr viel Spaß gemacht. Momentan befinde ich mich allerdings in einer Phase der totalen Blockade; mir kommen einfach keine neuen Ideen in den Sinn. Um nicht aus der Übung zu kommen, schreibe ich derzeit manchmal zu alten Ideen neue Texte, und ich hoffe, daß mir bald wieder neue Dinge einfallen.

Raiden/Yuji
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Mi 9. Jun 2004, 19:42 - Beitrag #11

Ich findees großartig, das dues zumindest geschafft hast Anklang zu finden. Wenn du weitermachst,wirst du es sicher irgendwann zur Schriftstellerin schaffen. Davon bin ich überzeugt.
Respekt,das du den Mut hattest,das zu wagen! Kenne einige die sich das nicht getraut hätten. Wie heißt dein Buch eigentlich?
lg
Yuji

aleanjre
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Do 10. Jun 2004, 10:20 - Beitrag #12

@Juniregen: Setz dich doch einfach mal hin, mit leerem Kopf, und fang irgendwas an zu schreiben, ohne Plan. Da hab ich manchmal die überraschendsten Ideen bei entwickelt.

@Raiden/Yuji: Vielen Dank!
Wenn du auf das Häuschen bei mir klickst, kommst du auf meine Homepage, da ist alles über meine "Fäden des Schicksals" erklärt.

Elbereth
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Do 10. Jun 2004, 11:20 - Beitrag #13

Von mir auch Respekt, dass du es geschaft hast das Buch zu veröffentlichen :s1: . Ich schreibe auch sehr gerne, nur bei mir ist es immer so, dass ich mal eine tolle Idee habe und dann fange ich an zu schreiben, bin einige Wochen lang richtig besessen davon, und höre irgendwann mal einfach auf :( . Somit habe ich schon eine Sammlung von unvollendeten Romanen und Geschichten. Und obwohl immer noch eine klare Vorstellung davon habe, wie diese Geschichten weiter gehen sollen, habe ich immer eher Lust was neues anzufangen, als sie weiterzuschreiben.

aleanjre
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Do 10. Jun 2004, 15:37 - Beitrag #14

@Elbereth: Vielleicht trifft dich eines Tages auch noch der zündende Funken, und du findest genau die Idee, die dich wirklich fesselt und nicht mehr losläßt?
Disziplin ist tatsächlich die wahre Härte des Schreibens. Es war glaube ich Einstein, der sagte: Genie ist 1% Inspiration und 99% Expiration. (Korrigiert mich ruhig, wenn er es nicht war.)

Skellington
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Fr 11. Jun 2004, 20:18 - Beitrag #15

Ich denke anders darüber.

Selbstverständlich ist Disziplin ein fundamentaler Bestandteil für einen jeden, der es als erstrebenswert erachtet, seine Texte mit einem Ende zu versehen.

Ich selbst jedoch würde 50 Seiten ungesehen eintauschen, für nur einen Satz von tatsächlicher Größe. Wenn man zeitgenössische Literatur liest, erkennt man allzu oft eine Industrialisierung von Syntax oder Semantik, die nicht zuletzt von Verlagen betrieben wird, und man wünschte sich inständig, all jene ambitionierten Autoren hätten einen Hauch mehr Leidenschaft in ihre Texte gesetzt, anstatt unliebsam auf ein Ende hin zu arbeiten.

Somit, Elbereth, erachtete ich selbst eine Idee, die aus Hingabe entstand - und mag sie auch noch so rar gesäht sein - als um wahre Welten bedeutender, anstatt Schreibens um des Schreibens Willen.

Raiden/Yuji
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Fr 11. Jun 2004, 21:40 - Beitrag #16

Sorry, ich hatte den Namen oben überlesen. Ich werd demnächst mal reinschauen.
lg
Yuji

aleanjre
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Fr 11. Jun 2004, 22:31 - Beitrag #17

@Skellington: Das ist alles unbesehen wahr.
Aber manchmal hat man eine großartige Idee im Kopf und schafft es einfach nicht, sie auf das Papier zu entlassen. Obwohl man schon die ganze Vorarbeit hinter sich hat und jetzt nur noch die wahre Geschichte, den Kern der Sache beschreiben müsste, fehlt der Antrieb.

Fargo
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Sa 12. Jun 2004, 16:24 - Beitrag #18

Mahlwerk

Erst mal auch von mir vielen Dank für den offenen Einblick ins Autorinnen-Mahlwerk. Du bestätigst mir da manche Befürchtung wie es zugeht am Rand des Buchmarkts, da, wo alle Angst haben müssen, gleich ganz über die Kante zu fallen. Deine Fähigkeit, das von der heiteren Seite zu sehen, finde ich ziemlich bewundernswert. Man könnte das alles auch sehr verbittert erzählen.

Ein paar Anmerkungen habe ich noch.

Der Unterschied zwischen dem Profi- und Amateurlager, bzw. zwischen denen, die das Glück haben, bei einem etablierten Verlag unterzukommen, und denen, die bei einem sehr kleinen No-Name-Laden publizieren müssen, ist noch größer als Du schreibst.

Bei einem renommierteren Verlag gibt es mehr Prozente, als Du denkst: 10 % vom Hardcover-Verkaufspreis, 7 % vom Taschenbuch-VK sind auch für Erstlinge normal. Debütautoren werden bei Heyne, Wunderlich, etc. pp. nicht bei den Prozenten herunter gehandelt, sondern - verständlicherweise - beim Vorschuss. Also bei jenem Betrag, den Du auf jeden Fall behalten darfst, egal, wie viel Exemplare der Verlag los wird.

Was Du über das Lektorat erzählst, bereitet mir ziemliche Bauchschmerzen. Ein guter Lektor ist eine enorm wichtige Instanz, und viele große AutorInnen haben ihren Stil erst durch den produktiven Widerstand ihres Lektors bis zu der uns vertrauten Form verfeinert. Leserreaktionen sind kein Ersatz für ein intensives Lektorat. Das findet aber auch bei etablierten Verlagen immer seltener statt - es kostet schlicht zuviel.

Es ist aber ein Irrtum anzunehmen, dass jene AutorInnen, die ein weniger - hmm, sagen wir mal: lektoratsbedürftiges Manuskript als andere einreichen, immer das größere Talent aufweisen. Aber wenige Lektoren können sich die Zeit nehmen, das am Ende vermutlich bessere Buch durch einen umständlichen, riskanten, kostentreibenden Umarbeitungsprozess zu dirigieren. Der Kalkulation wegen greifen sie eher bei einem mittelmäßigen Manuskript zu, das aber nicht mehr soviel Arbeit erfordert.

Was das Selberschreiben angeht: es gibt gewiss eruptive Naturtalente, die aus sich selbst heraus große Texte liefern können. Die meisten guten Autoren mussten aber erst einmal gute Leser werden, mussten Mittel, Konstruktion, Wirkmechanismen, Tricks und Schönheiten fremder Texte begreifen, um ihre eigenen Erzählungen gestalten zu können. Schreiben ist auch ein Handwerk, Sprache ein Werkzeug. Diese Geduld des Lernens, auch diese Zuneigung zur Literatur fehlt vielen. Ich will nicht lesen, ich will gelesen werden - diese Haltung führt oft zu Texten, die nur der Verfasser selbst erträgt.

Dieser Tage schreibe ich dann noch was zur Konkurrenz von deutscher und ausländischer Fantasy, aber eben hat mein Teekessel gepfiffen. Es ist Zeit für a nice cuppa, wie der Brite sagt.

Teejunkie Fargo

P.S. aleanjre, hat das einen weltanschaulichen Grund, dass Du die gemeinhin als Fantasy bezeichnete Literaturgattung immer Fantasie nennst? Die Frage ist ernst gemeint... :)

aleanjre
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Mo 14. Jun 2004, 19:00 - Beitrag #19

@Fargo:
Bin im Urlaub. Werde dir in zwei Wochen antworten. :s11:

aleanjre
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Sa 26. Jun 2004, 16:45 - Beitrag #20

@Fargo:

So, frisch aus dem viel zu kurzen Urlaub wieder vor den Monitor geplumpst. Konnte immerhin mein nächstes Skript beenden (suche noch händeringend seriöse, zuverlässige, kompetente Testleser. Jemand Lust?)

Zum Verbittern gibt es keinen Grund, nur weil es ziemlich wahrscheinlich ist, dass mein armes Buch einfach nie die allgemeine Aufmerksamkeit bekommen wird, die es meiner bescheidenen Ansicht nach selbstverständlich verdient hätte. ;) Ich habe es trotzdem lieb, auch wenn es fehlerhaft sein mag, auch wenn es teuer sein mag, es ist mein Baby, und ich habe geschafft, es in die Welt zu lassen. Meine Verlagschefin hat mir zugesichert, dass es keine Versschrottungsklausel gibt, wenn das Buch sich nicht innerhalb von 2 Jahren reingespielt hat, na ja, und das ist mehr, als die meisten Verlage einem zugestehen.

Woher kennst du diese Prozent - Zahlen? Meine niedrigeren Zahlen waren mir von einer freuen Lektorin bei einem großen Verlag genannt worden. Das runterbrechen des Vorschusses wird immer wüster, und dass man an solch an sich unerläßlichen Dingen wie Lektorat und leider, leider, auch Covergestaltung sparen will, ist traurige Tatsache.
Na ja. Und dass es weiß Gott nicht immer das beste Skript ist, dass das Rennen 1 von 100 macht, ist auch wahr. ;)
Leider weiß ich immer noch nicht, wo ich selbst stehe. Liebevolle Leserreaktionen bringen mich wirklich nicht in meiner Arbeit weiter, auch wenn es mich ermutigt, weiterzumachen.

Zum Selberschreiben/Lesen: Weiß jetzt nicht, ob das ein allgemein zu wertendes Statement war? Wahrscheinlich schon. Ich habe immer viel gelesen, fresse immer noch so viele Bücher wie nur möglich. Meine wahre Leidenschaft sind Geschichten, Schreiben ist für mich nur ein Prozess, meine eigenen fiktiven Geschichten entwickeln zu lassen. Dafür hab ich ja auch das Fernstudium belegt, das mir beim theoretischen Teil dieses Handwerks weiterhalf.

Deutsche versus ausländische Fantasy (ist eine persönliche, aber bewußte Marotte, keine Lebenseinstellung :D ):
Uaaah. Düsteres Kapitel. Nein, ist mir zu traurig, darüber etwas zu schreiben.

Ich hoffe, du durftest deinen Tee genießen.

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