Ein kleines Wintergedicht ;-)

Die Faszination des geschriebenen Wortes - Romane, Stories, Gedichte und Dramatisches. Auch mit Platz für Selbstverfasstes.
Aydee
Excellent Member
Excellent Member

Benutzeravatar
 
Beiträge: 637
Registriert: 17.12.2004
Di 13. Dez 2005, 13:01 - Beitrag #1

Ein kleines Wintergedicht ;-)

(für alle Wintermuffel ;-))


Überlistet
- Heinz Erhardt -


Wenn Blätter von den Bäumen stürzen,
die Tage täglich sich verkürzen,
wenn Amsel, Drossel, Fink und Meisen
die Koffer packen und verreisen,
wenn all die Maden, Motten, Mücken,
die wir versäumten zu zerdrücken,
von selber sterben - so glaubt mir:
es steht der Winter vor der Tür!

Ich laß ihn stehn!
Ich spiel ihm einen Possen!
Ich hab die Tür verriegelt
und gut abgeschlossen!
Er kann nicht rein!
Ich hab ihn angeschmiert!
Nun steht der Winter vor der Tür -
und friert!

C.G.B. Spender
Elite Member
Elite Member

 
Beiträge: 1105
Registriert: 21.10.2004
Di 13. Dez 2005, 15:21 - Beitrag #2

Schönes Gedicht. Ja, Heinz Erhardt, Gott hab ihn selig! :)

Der Winter fängt ja in Kürze an, auch wenn es hier mit knapp 8 C° nicht danach aussieht, und auf die Mücken kann man verzichten, wohl wahr!

Maglor
Karteizombie
Lebende Legende

Benutzeravatar
 
Beiträge: 4281
Registriert: 25.12.2001
Di 13. Dez 2005, 15:28 - Beitrag #3

In der zweiten Strophe versagt das Reimschema völlig. :crazy:

C.G.B. Spender
Elite Member
Elite Member

 
Beiträge: 1105
Registriert: 21.10.2004
Di 13. Dez 2005, 15:53 - Beitrag #4

Maglor, fang doch auch einen Battlereim mit ihm an!

http://www.the-web-matrix.de/showthread.php?t=16931

Zumindest Tote können dir nicht gefährlich werden.

Lykurg
[ohne Titel]
Lebende Legende

Benutzeravatar
 
Beiträge: 6865
Registriert: 02.09.2005
Mi 14. Dez 2005, 02:59 - Beitrag #5

Tatsächlich gerät es nicht aus den Fugen, sondern geht nur von AABBCCDD zu wAxAyBzB über, vergrößert also die gereimten Einheiten. Diese Veränderung des Reimschemas würde ich als Absicht lesen: Es drückt den Widerspruch Erhards gegen die Konvention aus, den Winter über sich ergehen zu lassen. Er bricht aus dem Muster der Jahreszeiten aus, und ebenso aus dem engeren Schema der vier Paarreime.

Außerdem drücken die lakonisch verkürzten Verse der zweiten Strophe das schelmisch-verspielte Wesen aus, das in der zwar ebenfalls bereits sichtbaren ironischen Genreverstößen der ersten Strophe bereits anklingt, aber (durch die pathetischen vierhebigen Verse gedämpft) nicht voll zum Ausdruck kommt.


Zurück zu Literatur

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste

cron