Im Prinzip stimme ich sehr mit dir überein, janw, daß der Blick über den Tellerrand sehr nützlich ist, aber auch die Aufgabe, sich das eigene Fachgebiet, die deutschsprachige Literatur, einzulesen, ist auch nicht ansatzweise zu bewältigen, insofern habe ich Verständnis für Maurices Position und lese selbst zur Zeit relativ wenige nichtdeutschsprachige Autoren. Für einen Deutschlehrer ist es mE erheblich wichtiger, die zentralen Werke sämtlicher Epochen des eigenen Sprachraums zu kennen, als die ausländische Gegenwartsliteratur zu beobachten. Das bringt rein für das Fach wirklich wenig.
Ich finde es absolut lebensnotwendig, ein regelmäßiges Pensum an fremdsprachigen Texten im Original zu lesen, um die Sprachkompetenz nicht zu verlieren, aber das ist eine andere Sache und möge von jedem so gehalten werden, wie er lustig ist, oben geäußerter Standpunkt ist aus der Sicht des Germanisten die maßgeblichere Grundlage.
Und um auf die Frage zurückzukommen: Nein, Schweden und Niederländer gehören grundsätzlich nicht dazu, obwohl die Institute für Skandinavistik und Nederlandistik an vielen Unis der Germanistik angegliedert sind. Dagegen machst du mit österreichischen und schweizerischen Autoren im Prinzip nichts falsch. (Daß auch das aber später an der Schule nicht im Übermaß betrieben werden kann, ist klar.) Ich war zu Anfang sehr überrascht, wie unterrepräsentiert auch zentrale deutsche Autoren im österreichischen akademischen Betrieb sind, verglichen auch mit eher belanglosen hiesigen Zunftgenossen, aber das sieht man hier eben anders; und dementsprechend ist verständlicher, daß in Deutschland eben auch die kleinen Nachbarn etwas unter den Tisch fallen. Aber ohne Meyer, Frisch, Dürrenmatt; Handke, Bernhard, Jelinek, Canetti und Musil ist für mich der Blick auch irgendwo unvollständig. Soviel Nachbarschaft muß sein.
