Gemälde als Klimadokument

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Traitor
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So 30. Mär 2014, 23:01 - Beitrag #21

Jan, der Spiegel verlinkt doch hierhin, von dort habe ich auch schon zitiert. Ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob ein "discussion paper" die volle Arbeit, nur ohne editoriale Bearbeitung, oder eine Art Zusammenfassung ist:
This discussion paper has been under review for the journal Atmospheric Chemistry and Physics (ACP). Please refer to the corresponding final paper in ACP.


In Sachen starker Realismus ist mir als frühes Beispiel heute in den Uffizien Rachel Ruysch (1664-1750) untergekommen. Nicht nur, dass eine Malerin für die Zeit bemerkenswert ist, ihre Stilleben kamen mir noch deutlich "perfekter" vor als die der bekannteren Meister. Scheint sich aber leider nur auf Blumen und Obst beschränkt zu haben, keine Himmel in Sicht. Und auch ansonsten hatte ich beim Besuch diesen Thread leider vergessen und mich nicht spezifisch umgeschaut...

Ipsis Einwand, dass "einzelne" gezeichnete Himmel nicht auf einzelne echte Himmel zurückzuführen sein müssen, ist für das Konzept meines Erachtens deutlich bedrohlicher als die eingangs erwähnten. Denn wenn ein Maler für ein Bild seine Eindrücke schon über längere Zeiträume mittelte, als die Analysten dann Einzelnbilder mitteln wollen, kann die gewünschte zeitliche Auflösung sicher nicht mehr erreicht werden. Um etwas zu retten, müsste man also individuelle Methodenanalyse der Künstler betreiben und solche aussuchen, bei denen sehr direkte Beobachtungs-Abbildungs-Relationen bekannt sind.
Ist das vielleicht für Turner der Fall? Oder ist seine Dominanz nur reine Faulheit, da er in Londoner Museen so vielfältig verfügbar ist?

Lykurg
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Mo 31. Mär 2014, 17:56 - Beitrag #22

Stimmt, Stilleben vertragen sich meist nicht so mit Himmelsdarstellung - siehe die Beispiele im Hyperrealismus - aber tatsächlich habe ich eben ein obskures Beispiel gesehen, auf der Suche nach Bildern von Rachel Ruysch: Sebastian Wegmayr, ein reichlich nachklassischer Exot, eher wohl als Romantiker anzusprechen, hat hier beides kombiniert.
Aber sehr schön, daß du dich in die Uffizien begeben hast! Wie du sehen konntest, hatte auch Botticelli seine eigene Art, Wind und Wolken darzustellen...

Die Turner-Dominanz könnte ich mir tatsächlich aus Dominanz bzw. Bekanntheitsgrad zumal im englischsprachigen Raum erklären. Für eine solche Methodenanalyse wären Skizzenbücher von Vorteil, aus denen sich gelegentlich die Bestandteile eines Bildes und Vorentwürfe datieren lassen; ob die bei Turner erhalten sind, weiß ich nicht.

Feuerkopf
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Di 1. Apr 2014, 13:38 - Beitrag #23

Die Tate-Gallery hat einige von Turners Skizzenbüchern online gestellt: Guckt ihr hier https://www.tate.org.uk/art/artworks?gid=999999995&wv=list

Lykurg
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Di 1. Apr 2014, 13:41 - Beitrag #24

Ah, sehr schön, danke! Das könnte dann eine Erklärung sein - weniger die Onlineerreichbarkeit als das Vorhanden- und Bekanntsein, aber so oder so: Damit ist für die Datierung auch von Teilen eines Gemäldes immerhin schon eine deutlich bessere Handhabe vorhanden als wenn man nur das Bild selbst hätte.

Lykurg
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Mo 21. Jul 2014, 15:10 - Beitrag #25

Bin gerade nochmal auf ein paar Beispiele gestoßen, die von der Schärfe her aber nicht in dieselbe Kategorie fallen - oder bewußt photographische Unschärfe aufnehmen wollen. scheint mir.
http://imgur.com/a/xVX48

Feuerkopf
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Mo 21. Jul 2014, 19:23 - Beitrag #26

Du meine Güte, ich hab gedacht, das seien Fotos!

Unglaublich, was manche technisch drauf haben!

Ipsissimus
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Di 22. Jul 2014, 10:39 - Beitrag #27

Ja, das sind zeichnerische Riesen. Ob dem allerdings eine künstlerische Qualität zukommt? Die Zeit der ästhetischen Theorien scheint jedenfalls endgültig vorbei zu sein^^

Lykurg
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Do 10. Sep 2015, 10:28 - Beitrag #28

Auch wenn hier kein Himmel zu sehen ist - da hat sich jemand um eine im Sinne des Hyperrealismus lebensechte Skulptur bemüht. Der Stoff allerdings wurde offensichtlich absichtlich nicht fertig ausgearbeitet - in der Hinsicht gibt es aus der Antike deutlich 'bessere' Beispiele.

Ipsissimus
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Do 10. Sep 2015, 21:49 - Beitrag #29

weiß nicht, ich kenne aus der Antike keine Skulpturen, die man mit Menschen verwechseln könnte, oder was meinst du genau?

Lykurg
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Do 10. Sep 2015, 22:34 - Beitrag #30

Das liegt wohl an der verlorengegangenen farbigen Fassung und an der Idealisierung - wobei es z.B. in der Kaiserzeit auch realistische Tendenzen gab. Ich meinte aber konkret die Stoffbehandlung - die Hose der Holzskulptur ist bewußt roh gelasssen, wohl um den Gegensatz zur Haut hervorzuheben; um realistische oder 'hyperrealistische' Gewanddarstellungen hat man sich schon in der Antike bemüht.

Ipsissimus
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Mo 14. Sep 2015, 08:52 - Beitrag #31

den eingefärbten Caligula empfinde ich als gruselige Verstümmelung^^ Aber das kann natürlich an meiner Prägung liegen, wenn man mit weißen Marmorstatuen aufwächst, ist Farbe ein NoGo, ähnlich wie bei eingefärbten Schwarzweißfilmen. Und das gilt als erwiesen, dass die alten Statuen früher mal bemahlt waren und einfach nur die Farbe nicht gehalten hat?

Lykurg
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Mo 14. Sep 2015, 08:57 - Beitrag #32

Nicht nur erwiesen, sondern an vielen Skulpturen auch mit bloßem Auge in Resten erkennbar (ist mir inzwischen auch öfters außerhalb der Ausstellung "Bunte Götter" begegnet - wenn man einmal dafür sensibilisiert ist...), an vielen weiteren mit Streiflicht und UV/Fluoreszenzbildern. Umstritten ist bei bestimmten Farben der genaue Farbton sowie die Intensität, wobei das Zurückschrecken vor dieser starken Farbgebung eben wirklich eine Frage der Sehgewohnheit ist. (Und bei den etruskischen Grabdenkmälern haben auch Beispiele davon im Original überlebt). Da haben Winckelmann und andere mit ihrer Vorstellung des klassischen Weiß ganze Arbeit geleistet. Dabei war bzw. wurde das Gegenteil durchaus früh bekannt, vgl. z.B. Sempers Rekonstruktionsversuch der Parthenonbemalung, abgebildet in diesem WP-Artikel.

Ipsissimus
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Mo 14. Sep 2015, 11:14 - Beitrag #33

okay, zur Kenntnis genommen^^ da muss ich meine ästhetischen Grundlagen revidieren, aber ich befürchte, das wird Theorie bleiben, ich empfinde die Farbe schon als gruselig, wenngleich nicht aufgrund der edlen Einfalt Winckelmanns^^

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